FREIBURGER FILM FORUM

IRANIAN

Reihe: FREIBURGER FILM FORUM
Regie: Mehran Tamadon
Schweiz, Frankreich 2014 | OmeU | 105 Min.
Zwei Jahre hat es Mehran Tamadon gekostet, vier schiitische Geistliche zu einem ungewöhnlichen Dialog einzuladen. Für ein Wochenende erklärt der in Paris lebende Filmemacher das idyllische Landhaus seiner Familie zum Simulationsraum für den Entwurf einer pluralen Gesellschaft. In einem ersten Anlauf legt er den Mullahs sein Ideal eines säkularisierten Iran offen dar. Doch seine Gäste lassen sich nicht aus der Fassung bringen und reagieren gelassen und rhetorisch messerscharf auf die Fragen nach der Rolle der Frau im Iran, Abtreibung oder Meinungsfreiheit.
Welche Spielregeln gelten, worüber geredet wird und wo die Grenzen des Sagbaren liegen, wird ständig neu verhandelt. Die Mullahs konfrontieren den regimekritischen Gastgeber mit seiner eigenen Migrationsgeschichte. Sie werfen „Mr. Secular“ eine verwestlichte Identität vor und lenken das Gespräch geschickt auf bevorzugte Themen. Wie viel Ideologie ist akzeptabel innerhalb einer pluralen Gesellschaft? Wie frei darf die Presse sein? Und wie viel weiblichen Gesang verträgt ein iranischer Hit?
Tamadon fängt in seinem Experiment immer wieder gekonnt die Spannungen der Gruppe auf, sodass ungewollt komische Situationen entstehen. Während die Frauen sich im Haus zurückziehen, geht es bei den Männern kontrovers zu. Jeden Moment droht die Stimmung zu kippen und das surreale Kammerspiel zum politischen Eklat zu werden. Der gewünschte Dialog findet statt, doch bekommt der Filmemacher letzten Endes die Konsequenzen für sein gewagtes Experiment zu spüren.