Mittwochskino

CAMINANTES DE LA MEMORIA

Reihe: Mittwochskino
Regie: Heeder Soto
Peru 2014 | OmeU | 73 Min.
Schwerpunkt: Peru – Ein Blick zurück auf dem Weg in die Zukunft
Das Mittwochskino thematisiert in diesem Monat die Auswirkungen der näheren Vergangenheit Perus auf die Menschen in der Gegenwart. Ein Ausdruck dieses Bestrebens stellt auch die neue Gedenkstätte für die Opfer des peruanischen Bürgerkriegs zwischen 1980 und 2000 dar, die zu großen Teilen von der Bundesrepublik finanziert und im Juni 2014 in Lima eingeweiht wurde. Filmisch greift der Dokumentarfilm ’Caminantes de la Memoria’ diese Spurensuche auf und versucht eine ehrliche Aufarbeitung des Jahrzehnte langen Bürgerkriegs, der zehntausende Opfer forderte. Auch der Spielfilm ’Eine Perle Ewigkeit’ der international bekanntesten peruanischen Filmemacherin Claudia Llosa greift diese Phase der peruanischen Geschichte auf und zeigt die langsame Emanzipation einer durch die gewaltvollen Geschichten der Mutter verängstigten Tochter, die sich allmählich ihre Möglichkeiten im Leben zurückerobert.

Caminantes de la memoria
Wanderer der Erinnerung
Für uns in Mitteleuropa ist es heute eine unumgängliche Notwendigkeit, sich mit der dunklen Seite der nationalen Geschichte auseinanderzusetzen. In vielen Ländern, in denen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts interne kriegerische Auseinandersetzungen herrschten, setzt sich diese Überzeugung langsam auch durch. Künstler haben dabei oft eine wichtige Funktion. Heeder Soto, peruanischer Dokumentarfilmer, Künstler und Betroffener (Vater kam im Bürgerkrieg um), verfolgt in seinem Film das Ziel, die Wunden des peruanischen Bürgerkrieges der 80er und 90er Jahre aufzuspüren und so eine Versöhnung anzubahnen. Dafür geht er zurück in seine Heimatregion Ayacucho, wo die indigene Bevölkerung besonders hart unter der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der maostischen Terrororganisation ’Leuchtender Pfad’ und der peruanischen Armee zu leiden hatte. Im Film lässt er Betroffene (damals meist noch Kinder), Menschenrechtsaktivisten und Täter gleichermaßen zu Wort kommen. Dabei wird deutlich, dass die heute 30-40jährigen Männer (und wenige Frauen) bereits als Kinder gelernt haben, auf dem schmalen Grad zwischen Täter und Opfer zu balancieren. Die Erinnerung an den Stätten erfahrener Gewalt hilft ihnen, sich mit ihrer Vergangenheit auszusöhnen.