Ausstellung Nazi-Terror gegen Jugendliche - Katholische Akademie

FRANZÖSISCHER WIDERSTAND - ZEITZEUGENFILME VON BODO KAISER

Reihe: Ausstellung Nazi-Terror gegen Jugendliche - Katholische Akademie
Regie: Bodo Kaiser
Deutschland | 120 Min.
Der Freiburger Filmemacher Bodo Kaiser präsentiert zwei seiner Dokumentationen über den Naziterror und den Kampf der französischen Résistance gegen die Besatzung durch die NS. Dabei stellt er den deutschen Zeitzeugen und Widerstandskämpfer Gerhard Leo sowie den Franzosen Robert Hébras vor, einen von nur 6 Überlebenden des Massakers von Oradour-sur-Glane. Die Erzählungen der letzten Zeitzeugen gehen unter die Haut. Geschichtsvermittlung wie sie bald nicht mehr möglich sein wird.

Gerhard Leo - ein Deutscher in der Französischen Resistance und
Begegnung mit Robert Hebras - Auf den Spuren ausgelöschten Lebens.

- Gerhard Leo, ein Deutscher in der französischen Résistance -

Gerhard Leo stammt aus einer jüdischen Familie, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nach Paris floh.
Sein Vater Wilhelm Leo stammte aus einer assimilierten jüdischen Familie, war Sozialdemokrat und in der Weimarer Republik Rechtsanwalt. In Paris war Gerhard Leos Vater Wilhelm Mitbegründer des Nationalkomitee Freies Deutschland für den Westen (CALPO).
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht führte Gerhard Leos Weg in den unbesetzten Süden Frankreichs, wo er sich 1942 dem französischen Widerstand anschloss, eine französische Identität annahm und in der Transportkommandantur der Nazis in Toulouse als Spion arbeitete.
Er übermittelte kontinuierlich wichtige Informationen der Wehrmacht an die Résistance und verteilte Flugblätter gegen die Nazis.
Im Februar 1944 wurde er von einem deutschen Soldaten, den er für die Kooperation mit der Résistance gewinnen wollte, verraten und verhaftet.
Bei seinem Bahn-Transport nach Paris, wo er verurteilt werden sollte, wurde er - mehr oder weniger zufällig - von Partisanen in der Kleinstadt Allassac befreit, nachdem die Résistance die Gleise gesprengt hatte und der Zug nicht mehr weiterfahren konnte.
Daraufhin wurde er von der Résistance-Gruppe “Forces Françaises de L'Intérieur“ aufgenommen und kämpfte bis zum Ende des Krieges in ihren Reihen - schließlich im Rang eines Leutnants. Gegen Ende des Krieges nahm er u. a. an der Befreiung von Tulle teil.
Seine französischen Kameraden nannten ihn immer “Le rescape“, den Davongekommenen.
Von der oben beschriebenen Geschichte handelt der Film, wobei es u.a. an Schauplätzen des damaligen historischen Geschehens – anfangs in Paris, später in Allassac zu aufschlussreichen Begegnungen mit den einstigen Résistance-Kameraden kommt.


“Auf den Spuren ausgelöschten Lebens“ - Begegnung mit Robert Hébras

Die einzige weibliche Überlebende dieses Massenmordes, der im Frankreich der Nachkriegszeit zum nationalen Sinnbild für NS-Gräueltaten wurde, heißt Marguerite Rouffanche. Sie allein entkam der zur Todesfalle gewordenen Dorfkirche, wo schließlich 207 Kinder und 254 Frauen durch das von der Waffen-SS gelegte Feuer erstickten bzw. verbrannten.
Mit Robert Hébras, Jean-Marcel Darthout, Mathieu Borie, Clément Broussaudier, Yvon Roby sowie Pierre-Henri Poutaraud überlebten nur sechs der 186 männlichen Zivilisten die mit Maschinenpistolen durchgeführten Exekutionen. Die sechs Genannten blieben – teilweise unter den Leichen ihrer Kameraden – in der Scheune Laundy liegen und stellten sich tot. Denn die SS-Schergen stiegen auf den Leichenberg und erschossen jeden, der sich noch bewegte. Eine Viertelstunde nach den Hinrichtungen wurde die Scheune von der SS in Brand gesteckt, um die Spuren des Massakers zu beseitigen. Pierre-Henri Poutaraud flüchtete zu früh vom Feuer und wurde schließlich von einer der aufgestellten SS-Wachen nahe dem Friedhof erschossen. Die fünf verbliebenen Männer harrten aufgrund der Furcht um ihr Leben so lange unter den brennenden Leichen aus, bis sie selber Feuer fingen. Robert Hébras: «Mein linker Arm und meine Haare hatten schon gebrannt. Es war ein furchtbarer Schmerz, deshalb musste ich aus der Scheune hinaus.» Drei von den fünf Männern, denen die Flucht aus dem inzwischen brennenden Dorf gelang, waren vom Kugelhagel schwer verletzt worden, darunter auch Robert Hébras. Eine Kugel blieb in seinem Bein stecken, eine weitere streifte sein Handgelenk.
Die halbe Familie Hébras – die Mutter Marie, die neunjährige Tochter Denise sowie die 22-jährige Tochter Georgette – starb bei der Auslöschung Oradours. Außer dem Sohn Robert Hébras überlebten nur der Vater, der am Tag des Massenmordes zufällig außerhalb von Oradour einem befreundeten Bauern aushalf, sowie die älteste Tochter Leni, die bereits verheiratet war und deshalb in einem anderen Ort wohnte.
Nach dem 10. Juni 1944 beteiligte sich Robert Hébras aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus und kämpfte im letzten Kriegsjahr auf Seiten der französischen Résistance. 1953 sagte er beim Prozess von Bordeaux gegen 21 SS-Rekruten aus, die am Massaker von Oradour beteiligt waren. Im Jahr 1983 nahm Robert Hébras in der damaligen DDR als Zeuge am Gerichtsprozess gegen einen der Mörder von Oradour – Heinz Barth – teil.
2003 wurde ein Dokumentarfilm mit dem Titel "Begegnung mit Robert Hébras - Auf den Spuren ausgelöschten Lebens" vom deutschen Filmemacher Bodo Kaiser veröffentlicht.
Besonders verdient um die Erinnerung, das Gedenken und die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus macht sich Robert Hébras durch sein Engagement als Zeitzeuge und Buchautor. Zeit seines Lebens hat sich der frühere Widerstandskämpfer für die Versöhnung zwischen Deutschland, Frankreich und Österreich eingesetzt. Trotz seines hohen Alters unternimmt Robert Hébras noch heute Führungen durch die Ruinen des Märtyrerdorfes. Er steht jungen Menschen – insbesondere Schülern, Studenten, Freiwilligen und Gedenkdienern – für Interviews und Videoprojekte zur Verfügung und arbeitet noch heute aktiv im Centre de la mémoire mit.
Zusätzlich bekleidete der gelernte Mechaniker über lange Jahre das Amt des Vorsitzenden der Nationalen Vereinigung der Märtyrerfamilien und fungiert bis heute als Präsident der Versammlung ehemaliger Kriegsteilnehmer von Oradour.
Robert Hébras ist verheiratet, hat einen Sohn und drei Enkelkinder und lebt in Saint-Junien nahe Oradour-sur-Glen. Neben Jean-Marcel Darthout ist er der einzige heute noch lebende Mensch, der dem Massaker entkommen konnte.