Mittwochskino

CONCERNING VIOLENCE

Reihe: Mittwochskino
Regie: Göran Hugo Olsson
Schweden/USA/Dänemark 2014 | OmU | 85 Min.
Der Film setzt sich auf vielschichtige Weise mit den afrikanischen Befreiungsbewegungen der 1960er, -70er und -80er Jahre auseinander. Wieder entdecktes Archivmaterial über die gewaltvolle Konfrontation mit den Kolonialmächten wird kombiniert mit Zitaten aus Frantz Fanons Text „Die Verdammten dieser Erde“. Lauryn Hill, die als Frontsängerin der Fugees bekannt wurde, erweckt die Textausschnitte mit ihrer Stimme zum Leben. Interviews und Aufnahmen der Befreiungsbewegung in Angola, der FRELIMO in Mozambique und dem Unabhängigkeitskampf in Guinea-Bissau werden dokumentarischen Bildern von Siedlungen in Rhodesien (Simbabwe), schwedischen Missionaren in Tansania und einem Streik in einer schwedischen Mine in Liberia gegenübergestellt. Zu Beginn gibt die Expertin für „decolonial studies“ Prof. G. C. Spivak, einen Einblick in Leben und Werk von Frantz Fanon und stellt den Film in einen aktuellen Kontext. In ihrem Kommentar führt sie den Genderaspekt ein und beschreibt, dass die koloniale Befreiung und die Emanzipation der Frau zusammengehören. Entstanden ist ein filmischer Essay, der Archivmaterial, Fanons Text, Lauryn Hills Stimme und Musik verbindet und so die komplexen theoretischen Ideen in eine emotionale Filmerfahrung übersetzt.

Vor der Filmvorführung PERFORMANCE von Jazzmin Tutum.
Die Künstlerin Jazzmin Tutum aus Gabun/Jamaika präsentiert in ihrer Perfomance lyrisch-perkussive Sounds und eine Manuskriptlesung aus ihrer neuesten Arbeit: "Africa Don't". Das sind radikale Stimmexperimente und Soundcollagen. Die Themen sind: (post-)koloniale Geschichte, unwillkommene Besucher im 21ten Jahrhundert und Frauen in Kriegsgebieten.
Jazzmin Tutum wurde als Tochter eines gabunesischen Politikers und einer Jamaikanerin in Japan geboren, wo die Eltern für die UNO arbeiteten. Nach Stationen in Italien, Spanien, Gabun, Kanada und Fernost lebt sie seit 2007 in Freiburg. Die (post-)kolonialen Erfahrungen, die ihre Familiengeschichte geprägt haben, setzt sie künstlerisch um.

Mit dem entwicklungspolitischen Filmpreis Cinema fairbindet, den das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Kooperation mit der Berlinale seit 2011 vergibt, wird ein Film ausgezeichnet, der sich künstlerisch und inhaltlich überzeugend globalen Themen widmet, den interkulturellen Dialog fördert und dem Publikum neue Perspektiven und Denkansätze eröffnet. In diesem Jahr wurde der Preis an den Dokumentarfilm CONCERNING VIOLENCE vergeben.