Mittwochskino: Nuri Bilge Ceylan

BIR ZAMANLAR ANADOLU’DA

Once Upon A Time In Anatolia

Reihe: Mittwochskino: Nuri Bilge Ceylan
Regie: Nuri Bilge Ceylan | mit: Muhammet Uzuner, Yilmaz Erdogan, Taner Birsel
Türkei 2011 | OmU | 157 Min.
Mit ist diesem Film ist Nuri Bilge Ceylan ein existentielles Meisterwerk gelungen, das im Gewand eines Polizeifilms ein präzises Porträt des türkischen Provinzlebens in Anatolien zeichnet. In einem Dorf in Anatolien ist ein Mord geschehen. Zwei Verdächtige sind festgenommen worden, nun sollen sie gemeinsam mit Vertretern der einschlägigen Behörden (Polizisten, Staatsanwaltschaft, ein Arzt, Fahrer) bei einem lokalen Lokalaugenschein die Leiche bergen. Doch die Suche zieht sich hin, von den Mördern ist nur einer wirklich ansprechbar, ob er sich nicht erinnern kann oder nur Zeit gewinnen will, ist nicht gleich klar. Der Regisseur gewinnt dadurch Zeit für eine beziehungsreiche Erzählung, die am Ende mit der Andeutung eines ungeheuren Geheimnisses alles noch einmal in ein anderes Licht stellt. Ceylan verbindet Elemente eines warmherzigen Road Movies und einer schwarzen Komödie zu einem stilistisch brillanten Diskurs über die heutige Türkei und ihre Probleme. Dafür bekam er in Cannes 2011 den Großen Preis der Jury.

«Zweieinhalb meisterliche Stunden, in denen dieser dunkle türkische Poet uns zeigt, was es heisst, Kino zu machen: Die Schwächen des Menschen erkunden und seine Sehnsüchte, sichtbar machen, was aus der Stille ihrer Seele durchsickert und das, was ihre Obsessionen von den töglichen Sorgen übersetzen, Gefühle vermitteln und die Zeit, die vergeht, fassbar machen. » Le Monde

«Lyrische Stimmungsbilder – die Unterhaltungen sind wunderbar musikalisch komponierte Momentaufnahmen von Atmosphäre und Gefühl. die Kamera sucht hier den Ausdruck in Mensch und Natur: im Wind, der durch Bäume pfeift,im verzweifelten Blick, den niemand erhascht. Wenn hohe Filmkunst darin besteht, Emotionen so anzulegen, dass sie einen schwingenden Druck erzeugen, der auf die Bilder übergreift, dann gehört Nuri Bilge Ceylan zu den bedeutendsten Regisseuren des Weltkinos. Denn kaum jemand erschafft eine solch aufregende und fordernde Dramaturgie der Langsamkeit, der Abschweifungen und lyrischen Stimmungsbilder. (…) am Schluss entsteht ein fast mythischer Genrefilm von philosophischer Spannung, ein funkelndes Kunstwerk voller erzählerischer Volten und offener Fragen über unseren Umgang mit Schuld und Schmerz. Wie die hypnotischen, nachtschwarzen Einstellungen, in die sie gefasst sind, hallen sie lange nach. Meisterhaft.» Pascal Blum