Der Erste Weltkrieg im Film - Eine Auseinandersetzung mit Heldendiskursen

Lettow-Vorbeck

Der Deutsch-Ostafrikanische Imperativ

Reihe: Der Erste Weltkrieg im Film - Eine Auseinandersetzung mit Heldendiskursen
Regie: Christian Doermer | mit: mit Christian Doermer, Andreas Graf Dönhoff, Michael Burisch
Deutschland 1985 | 95 Min.
Eines der wenigen erhaltenen Filmdokumente aus deutschem Kolonialgebiet zeigt den Kampf der »Schutztruppe« in Ostafrika von 1914 bis 1916, ein Kampf, der in einem der ersten nationalsozialistischen Propagandafilme, Herbert Selpins Die Reiter von Deutsch-Ostafrika (1934), wieder auflebt. Und noch die Heldin des ZDF-Kolonialmelodrams Afrika, mon amour (2007) gerät zwischen die Fronten dieses Krieges. Als dessen Kriegsherr, General Paul von Lettow-Vorbeck, im März 1964 mit militärischen Ehren bestattet wird, ist das Anlass für die erste kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus in Fernsehen, Ralph Giordanos Dokumentation Heia Safari. Die Legende von der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika (1966/67). Aber die Legende eines Kriegers, der mit dem Kolonialismus nichts zu tun hatte und der sich ehrenvoll gegen einen vielfach stärkeren Gegner behauptet hat, bleibt lebendig. Christian Doermer hat sich daher, eineinhalb Jahrzehnte nach Giordano, mit den Mitteln des Spielfilms dem ostafrikanischen Kriegsspiel angenähert: weniger mit dem Wissen des Historikers, sondern als Filmemacher, der die Reinszenierung vergangenen
Geschehens als Erfahrungsprozess versteht. (Wolfgang Struck)