ciné club

LA VÉNUS NOIRE

Reihe: ciné club
Regie: Abdellatif Kéchiche | mit: Olivier Gourmet, Elina Löwensohn, Jonathan Pienaar, Jean-Christophe Bouvet, André Jacobs u.a.
Frankreich, Italien, Belgien 2010 | OF | 159 Min.
1817 hält der französische Mediziner und Naturwissenschaftler Georges Cuvier vor den Mitgliedern der Royal Academy of Medicine den Vortrag seines Lebens. Er hat den Körper der toten Südafrikanerin Saartjie "Sarah" Baartman einer ausführlichen Anatomie unterzogen. Für Couvier ist diese Frau und ihr ganzes Volk dem Affen näher als dem "zivilisierten" Europäer.
Abdellatif Kechiches neuster Spielfilm LA VÉNUS NOIRE erzählt die Geschichte dieser Frau (wobei an dieser Stelle gleich gesagt werden muss, dass der ganze historische Kontext derart komplex ist, dass er jede Rezension sprengen würde). Dabei konzentriert er sich vor allem auf die sieben Jahre vor Saartjie Baartmans Tod. Saartjie wird da gerade von ihrem "Besitzer" nach England gebracht und soll dort als "Venus Noire der Hottentotten" die Menschen belustigen. Dabei wird sie im Käfig gehalten, an die Leine gelegt und muss sich von den Zuschauern anfassen lassen. - Allerdings gibt es auch Bürger, die gegen Sarahs Behandlung protestieren.
LA VÉNUS NOIRE ist ein Film mit einem Anliegen. Und vielleicht sind das die besten Filme, wenn sie nicht allzu gewaltig auf ihrer Botschaft beharren. Ob es Kechiche gelingt, gewichtige Themen wie Rassismus, Kolonialismus und Perversion adäquat zu verhandeln – darüber lässt sich hervorragend streiten. Doch jeder Film, über den es sich zu streiten lohnt, ist es auch wert gesehen zu werden. (Ausnahmsweise können wir den Film nur in der Originalfassung OHNE Untertitel vorführen, da er außerhalb Frankreichs nicht erschienen ist bzw. sich kein Verleih für die Kinoauswertung gefunden hat. Entgegen unserer Hoffnung, im europäischen oder außereuropäischen Ausland eine englisch untertitelte Fassung zu finden, blieb es bis heute bei der Originalversion des fanzösischen Produzenten. Deutsche Kinopremiere…)