Mittwochskino: Arabische Erzählkunst

SCHEHERAZADE - GESCHICHTE EINER NACHT

Reihe: Mittwochskino: Arabische Erzählkunst
Regie: Nacer Khemir
Tunesien 2011 | OmU | 81 Min.
Scheherazade, das war jene Prinzessin, die ihrem Mann jede Nacht eine Geschichte erzählte und ihm versprach, die Fortsetzung in der nächsten Nacht zu bieten, um so den eigenen Kopf
zu retten, denn der Sultan war hintergangen worden und hatte beschlossen, seine Bräute künftig nach der Hochzeitsnacht umzubringen. Die Geschichten der Scheherazade bilden das, was man als die »Geschichten aus 1001 Nacht« bezeichnet. Über die Jahrhunderte hinweg sind sie von Generationen von Erzählern überliefert und gepflegt worden. Sie stellen heute nicht nur ein Stück arabischer Kultur dar, sie gehören zum universellen Erbe. So scheint es nur logisch, dass der Regisseur Nacer Khemir in aller Einfachheit den Erzähler Nacer Khemir filmt. Es ist eine Szenerie im Halbdunkel, erleuchtet fast nur von Kerzen. Der Erzähler sitzt einfach da auf seinem Stuhl. Die
Magie des Wortes kann sich im Saal des kleinen Theaters in Tunis entfalten – und im Raum des Kinos. Das wirkt nach nichts, aber der Charme strahlt aus, man lauscht und möchte am liebsten, dass die Erzählung nie aufhöre. Ab und an illustriert eine kleine Szene das Gehörte, sorgsam gefilmt und in Harmonie mit dem Vorgetragenen, stets darauf bedacht, dem Wort den Vorrang zu gewähren.
»Es ist das Erzählen selbst, das Nacer Khemir inszeniert… Den verschachtelten Erzählungen fügt er noch einen weiteren, cineastischen Rahmen hinzu: prächtige Aufnahmen von leuchtenden Wüsten, glitzernden Seen, im Gegenlicht das anbrandende Meer. Behutsam inszenierte, fast nur angedeutete Szenen durchziehen den Film wie herrenlos umherstreifende Träume.«
Filmbulletin, Stefan Volk