DEUTSCHER KOLONIALISMUS – VERGANGENHEIT UND GEGENWART

Kolonialismus spielen? Literarisches und filmisches Reenactment des deutschen Kolonialreichs

Vortrag von Prof. Wolfgang Struck (Erfurt)

Reihe: DEUTSCHER KOLONIALISMUS – VERGANGENHEIT UND GEGENWART

80 Min.
In den letzten Jahren hat der deutsche Kolonialismus ein stetig wachsendes Maß an Aufmerksamkeit erfahren. Gerhard Seyfrieds Versuch, über eine Annäherung an das weitgehend vergessene Genre des Kolonialromans die Frage nach einem kolonialen Bewusstsein zu stellen, die Präsentation von Fotografien aus dem Archiv der Deutschen Kolonialgesellschaft im Internet, der Große Deutsche Kolonialatlas in einer wertvollen Reprint-Ausgabe, populäre Biographien von Carl Peters und Paul von Lettow-Vorbeck: dies sind nur einige markante Beispiele, die von einem erheblichen Interesse an dem Thema zeugen. Vor allem aber sind es die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die die koloniale Vergangenheit Deutschlands und die Geschichte der ehemaligen Kolonien für eine breitere Öffentlichkeit aufbereitet haben (wie z.B. das zweiteilige Melodram „Die Wüstenrose“ und dreiteilige Mini-Serie „Afrika, mon amour“). Hier hat sich ein populäres Gegenstück zum wissenschaftlichen Postkolonialismus entwickelt, das diesen ergänzt, oft aber auch provoziert und konterkariert. Denn auch wenn die meisten Produktionen zumindest oberflächlich eine kritische Position gegenüber dem Kolonialismus einnehmen, ähneln sie doch oft auf irritierende Weise jenen Stereotypen, die bereits das koloniale Engagement im Kaiserreich begleiteten. Der Vortrag wirft einen genaueren Blick auf einige der genannten Beispiele und fragt nach den Gründen dieser befremdlichen Ähnlichkeit.