Film des Monats

NAIROBI HALF LIFE

Reihe: Film des Monats
Regie: David 'Tosh' Gitonga | mit: Joseph Wairimu / Olwenya Maina / Nancy Wanjiku Karanja
Kenia / Deutschland 2012 | OmU | 96 Min.
Der Junge Mwas verdient seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von DVDs. Er besitzt großes schauspielerisches Talent und als eine Theatertruppe in seinem Dorf haltmacht, beschließt er, sich ihr anzuschließen und nach Nairobi zu gehen. Mit einem zusätzlichen illegalen Auftrag macht er sich auf den Weg. Von allen Seiten gewarnt, entpuppt sich Nairobi tatsächlich für ihn als die Hölle auf Erden. Nach nur fünf Minuten komplett ausgeraubt, taumelt er in einen Strudel übelster Begebenheiten. Durch eine Gefängnis-Bekanntschaft landet er schließlich in einer Gang. Gleichzeitig bemüht er sich um ein Vorsprechen an einem renommierten Theater und wird schließlich auch für eine Rolle ausgewählt. Er lebt fortan ein Doppelleben zwischen der künstlerisch-bourgeoisen Theaterwelt und dem Leben als Gang-Mitglied in einem Slum. Die beiden Welten auseinanderzuhalten erweist sich als Herausforderung, während er in dieser ihm unbekannten Welt namens Nairobi ums Überleben kämpft.
Zum cineastischen Hintergrund: Der Film folgt den Fußspuren von Soul Boy: eine zweimodulige Trainingsinitiative für 55 Filmemacher aus fünf afrikanischen Ländern, gefolgt vom Dreh an verschiedenen Orten in Kenia. Begleitet wurde die Initiative von sechs deutschen Mentoren, unterstützt von erfahrenen, lokalen Filmemachern. Das Drehbuch, geschrieben in Suaheli, Kikuyu und Straßenslang, wurde von lokalen Drehbuchautoren entwickelt.
Entstanden ist ein kraftvoller Gangsterfilm, der in tragikomischer Weise gekonnt Aspekte des Genres in die kenianische Hauptstadt Nairobi einbettet. Gesellschaftsrelevante soziale Themen werden ebenso verhandelt, wie Utopien, Wünsche und Sehnsüchte. Ein rasanter Blick auf das Großstadtleben in Kenia, fernab von romantischer Folklorisierung oder der Reduzierung Afrikas auf Leid und Misere.