Mittwochskino: Erstaufführungen

Carte blanche

Reihe: Mittwochskino: Erstaufführungen
Regie: Heidi Specogna
Schweiz 2011 | OmU | 91 Min.
»Wir dürfen nicht scheitern«, sagt Luis Moreno-Ocampo, Chefankläger am noch jungen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Denn er weiß, dass dieses erste ständige Weltgericht Maßstäbe setzt. Ist es erfolgreich, können sich die Kriegstreiber und Diktatoren allerorten nicht mehr sicher fühlen. Heidi Specogna porträtiert die Arbeit des Gerichtshofs im Fall Jean-Pierre Bemba. Der kongolesische Befehlshaber soll seinen Milizen Ende 2002 die Carte blanche für Tötungen, Plünderungen und Vergewaltigungen in der Zentralafrikanischen Republik erteilt haben. Dass Specognas Filmteam eine Dreherlaubnis bekam, grenzt an ein Wunder, gilt an dem Gerichtshof doch die eiserne Regel »Film teams never go on mission«. Carte Blanche gibt einen seltenen Einblick in die laufenden Ermittlungsarbeiten, begleitet die Mitarbeiter im Auslandseinsatz bei Exhumierungen, Tatort-Analysen und Gesprächen mit Opferzeugen. Formal bewusst nüchtern gehalten, entblättert der Film sukzessive die Sisyphusarbeit der Anklagebehörde sowie die persönlichen Antriebskräfte und Bewältigungsstrategien der Menschen hinter der Institution. (Leipzig Dokfilmfestival)
»Heidi Specogna setzt die Opfer in einer Weise ins Bild, die ihnen ihre Würde wieder zurückgibt. In diesen Bildern steckt die Hoffnung, das lange Warten auf Gerechtigkeit möge am Ende belohnt werden.«