Mittwochskino: Neuer Dokumentarfilm über Django Reinhardts Familie

Newo Ziro - Neue Zeit

Reihe: Mittwochskino: Neuer Dokumentarfilm über Django Reinhardts Familie
Regie: Robert Krieg & Monika Nolte | mit: Sascha Reinhardt, Bawo Reinhardt, Lulo Reinhardt
Deutschland 2012 | DF | 83 Min.
Sascha Reinhardt, Gründer und Leiter des Sinti- und Roma-Musikfestivals »Djangos Erben« in Koblenz, sagt: »Es lohnt sich für unsere Jugendlichen nicht, sich in der Schule anzustrengen – sie werden sowieso keinen Job bekommen. Auch wenn sie gut sind, bleiben sie ausgegrenzt. Dann sollen sie doch lieber unsere traditionellen Lebensweisen fortsetzen.« Anders sieht das sein Onkel Bawo Reinhardt, der als Kleinkind Auschwitz nur knapp überlebt hat. Er will etwas für die Bildung »seiner Leute« tun, um sie aus der Spirale der Armut und Marginalisierung zu befreien. Seine Enkelin Sibel ist Klassenbeste, nächstes Jahr wird sie Abitur machen und hat zwei schwarze Gürtel in Kung Fu. Sie ist eine Kämpfernatur, sie will sich nicht nur auf die schützende Gemeinschaft ihrer Großfamilie verlassen. Ihr Vorbild ist ihr Onkel Lulo Reinhardt, der älteste Sohn von Bawo Reinhardt. Er hat viele Jahre lang alle möglichen Jobs gemacht, um seinen Traum zu verwirklichen: Heute ist er ein international anerkannter Gitarrist. Anders als seine musikalisch hochbegabten Vettern spielt er nicht mehr nur den Swing von Django Reinhardt, sondern entwickelt aus diesen Wurzeln mit Musikern der ganzen Welt seinen eigenen unverwechselbaren Stil.
Vier Lebensläufe aus drei Generationen stehen exemplarisch für das Dilemma, in dem sich deutsche Sinti befinden: Wie können sie ihre kulturelle Identität bewahren, ohne sich gleichzeitig vor der Mehrheitsgesellschaft abzuschirmen. Der Film gewährt tiefe Einblicke in eine Kultur, die landläufig diskriminiert und verachtet wird.
Eine gemeinsame Veranstaltung des Roma-Büros in Freiburg mit dem Kommunalen Kino.