Film des Monats | Mittwochskino | Best of 2011 Kommunales Kino

FÜNF TAGE OHNE NORA

Cinco días sin Nora

Reihen: Film des Monats | Mittwochskino | Best of 2011 Kommunales Kino
Regie: Mariana Chenillo | Buch: Mariana Chenillo | mit: Fernando Luján, Ari Brickman, Angelina Pelaez, Enrique Arreola
Mexiko 2009 | OmU | 92 Min.
Nora und José waren einmal ein verliebtes Paar. Nun sind sie ins Alter gekommen und seit 20 Jahren geschieden. Sie leben in zwei gegenüberliegenden Wohnungen an derselben Straße einer mexikanischen Stadt. Eines Tages findet José seine Ex-Frau tot in ihrem Bett: Ihr fünfzehnter Selbstmordversuch war erfolgreich. Vorher aber hat Nora noch alles für das anstehende Pessach-Fest vorbereitet und Verfügungen getroffen. So soll José ihre Beerdigung organisieren. Das ist leichter gesagt als getan, denn während des Pessach-Fests und am darauffolgenden Sabbat dürfen keine Beerdigungen stattfinden; und der gemeinsame Sohn Rubén befindet sich gerade im Ausland.
Also muss José fünf Tage im Appartement seiner Frau durchhalten, während der Rabbi-Schüler Moisés neben der (unter Trockeneis gelegten) Toten betet. Der Agnostiker José hat Nora im Verdacht, dass sie das Timing für ihren Freitod bewusst so gewählt hat, um auch nach ihrem Tod noch alles kontrollieren zu können, und bestellt aus Trotz für seine jüdische Frau erst mal ein katholisches Begräbnis. Doch mittlerweile geben sich sein Sohn mit Frau und Kindern, die Haushälterin, der Rabbi, der Familienarzt und diverse Sarg-Anlieferer in der Wohnung die Klinke in die Hand. Allmählich verliert der arme José in all dem Gewusel den Überblick. Und dann findet er unter dem Bett noch ein geheimnisvolles Foto, das seine Beziehung zu Nora in ganz neuem Licht erscheinen lässt …
Eine echte Entdeckung: In ihrem ebenso komischen wie feinfühligen Spielfilmdebüt erzählt Mariana Chenillo traumwandlerisch leicht eine Geschichte über so gewichtige Momente im Leben wie den Tod, die Ehe, den Glauben und die Liebe.Und dank der hervorragend besetzten Schauspieler bis in die kleinste Nebenrolle wird der Film zum Kinovergnügen.