Film des Monats - September | September 2017

BRUDER JAKOB

Regie: Elí Roland Sachs
Deutschland 2016 | 92 Min.
Jakob ist mein geliebter jüngerer Bruder. Eines Tages wird er Salafi und alles verändert sich. Statt durch Berlins Clubs zu ziehen, zu kiffen, aufzulegen und mit seinen Mitbewohnern über Gott und die Welt zu philosophieren, ist Allah ist von nun an allgegenwärtig.
Jakobs neuer Glaube steht über allem und stellt seine Beziehungen und sein bisheriges Leben infrage. „Befreiung heißt Schmerz“ schreibt er in sein Tagebuch und lässt seine alten Freunde hinter sich. Ihnen und seiner Familie sendet er kryptische Botschaften vom Leugnen der Wahrheit und von Höllenqualen. Damit stößt er allen Menschen vor den Kopf, die ihm etwas bedeutet haben. Zurück bleiben Bestürzung, Traurigkeit und manchmal auch Wut. Sind Jakob seine tiefen und innigen Beziehungen zu mir und Anderen auf einmal wirklich weniger wert als dieser Glaube?
Ich möchte verstehen, woher dieser Geisteswandel kommt und was er bedeutet. Mit meiner Kamera mache mich ich mich auf die beschwerliche Suche nach einer brüderlichen Verbundenheit, wie es sie einmal gab. Es vergeht einige Zeit, bis Jakob mich an sich heran lässt, aber dann beginnen wir endlich wieder richtig miteinander zu sprechen.
Ich begleite ihn in die Moschee, treffe seinen Imam, lerne seine neuen Brüder kennen. Langsam beginne ich, Jakobs ganz eigenen, persönlichen Blick auf den Islam zu verstehen und meine Vorurteile zu hinterfragen.
„Bruder Jakob“ ist ein persönliches Portrait über meinen Bruder, der sich auf einer Reise befindet: Einer Reise, die einige Überraschungen birgt. Eine Reise, auf die er mich einlädt. Eine Reise, die ein klares und doch fernes Ziel hat: die Wahrheit. (Regisseur Elí Roland Sachs)

In der Moschee, in Gesprächen mit seinem Imam, mit Freunden, Familie und sich selbst dokumentiert Elí Roland Sachs einfühlsam wie sich Jakob und dessen religiöse Ansichten im Laufe der Zeit wandeln. Es entsteht ein sehr persönlicher Dialog mit dem eigenen Bruder und obendrein eine differenzierte Reflexion gesellschaftlicher Debatten um Religions- und Meinungsfreiheit, um Fremdes und Vertrautes und um den schmalen Grat zwischen der Suche nach spirituellem Halt und ideologischer Vereinnahmung.