kino avantgarde | Juni 2017

Found Footage - Experimentalfilmer erobern YouTube

D_USA 2007/12 | 60 Min.
James Benning (USA) und Michael Brynntrup (Deutschland) gehören seit Jahrzehnten zu den renommiertesten zeitgenössischen Experimentalfilmemachern. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Ihre Neugier stets bewahrt haben und mittlerweile auch verschiedene Internet-Plattformen als Materialfundus einsetzen. Die beiden ausgewählten Filme werfen Fragen auf zu Darstellungsmöglichkeiten digitaler Technologien, unserem Alltag mit dem Internet und eröffnen einen Diskurs darüber, wie das Internet inhaltlich und ästhetisch für filmisches Arbeiten genutzt werden kann.
Geplant ist ein weiterer, mehrfach preisgekrönter Film zum Thema, der seine Geschichte ausschließlich über die Oberfläche eines Desktops erzählt. Leider war bei Readaktionsschluss noch nicht geklärt, ob wir diesen Film tatsächlich bekommen können. Sobald dies geklärt ist, informieren wir auf www.koki-freiburg.de

Youtube Trilogy: 4 Songs, History, Asian Girls
James Benning, USA 2012, 46 min, Farbe

Youtube Trilogy ist James Bennings erster Found-Footage-Film. Er wendet sich hier erstmals dem Web 2.0 zu, in dem der Konsument selbst zum Produzenten wird.

„In YouTube Trilogy wird YouTube als Archiv verwendet, mit dem man die (eigene) Geschichte erzählen kann. Der Film beginnt mit vier Songs, entwickelt eine spezifische Geschichtsvorstellung und endet mit jungen asiatischen Frauen. Er spiegelt wider, was da draußen vor sich geht und worauf der Blick fällt.“ (James Benning)

Face it! Cast Yourself
Michael Brynntrup, D 2007, 14 min, Farbe

Face it! zeigt Bilder aus der Privatsphäre des world wide web, u.a. Selbstporträts von Leuten aus schwulen Chatrooms. Der Film spielt mit der Benutzeroberfläche von Youtube und mit der Tatsache, dass genau diese Inhalte dort als "inappropriate" (unangemessen) erscheinen.

„The video has been removed due to its inappropriate nature“. (Sat, 03. Mar 2007 14:06:25 -0800, YouTube | Broadcast Yourself)

"Viele Leute fotografieren sich im Spiegel mit Blitzlicht, sodass das Licht ihr Gesicht überstrahlt. Mir fiel auf, dass es diese selbstinszenierten Bilder gibt. Ich habe sie dann gesammelt und sukzessive zu einem Film montiert. Diesen Film habe ich bei Youtube eingestellt, den wollten sie dort aber nicht haben. Nach einer halben Stunde war er weg." (Michael Brynntrup)