kino avantgarde | Dezember 2017

ZWISCHEN FLUXUS, FOTOGRAFIE UND FEMINISMUS

Filmabend mit Werken von Carolee Schneemann

56 Min.
Carolee Schneemann zum Eklat um FUSES ("Film Festival Special Jury Selection Preis" Cannes 1969): "Ein Teil des männlichen Publikums flippte völlig aus, holte Messer heraus und schlitzte die Kinosessel auf. Ich hatte da schon etwas Angst - aber ich stand neben Susan Sontag und fragte sie: 'Verstehst du, was hier los ist?' Und sie sagte: 'Deine Arbeit ist nicht pornographisch genug, deshalb sind sie so wütend und enttäuscht…'"

Die amerikanische Avantgarde-Künstlerin und Experimentalfilmerin Carolee Schneemann wurde am 13. Mai auf der Biennale in Venedig mit dem goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Fast zeitgleich startete in Frankfurt eine große Retrospektive ihres Schaffens, die seit dem 22. Oktober MoMA in New York zu sehen ist. Für Kino avantgarde Anlass genug, einen Blick auf Schneemanns Schaffen als Experimentalfilmerin zu werfen. Gemeinsam ist den drei Filmen dieses Abends (VIET-FLAKES, PLUMB LINE und FUSES), dass das (Ausgangs-)Filmmaterial auf unterschiedlichste Art und Weise manuell bearbeitet wurde und bei allen drei Filmen der Fokus auf der Darstellung intersubjektiver und geschlechtsübergreifender Beziehungen liegt.

VIET-FLAKES
R: Carolee Schneemann | Sound-Collage: James Tenney | USA 1965 | 16mm | s/w koloriert | 11 min
Dieser dichte und aggressive Found-Footage-Film wurde von Carolee Schneemann aus Kriegsbildern des Vietnamkrieges montiert und mit einer Sound-Collage von James Tenney vollendet. Obwohl die gezeigten Szenen zum Teil stark verschwommen sind, ist die ausgeübte Gewalt zu erahnen und macht es dem Betrachter schwer, den Status des Beobachters und die eigene Untätigkeit zu ertragen.

PLUMB LINE
R: Carolee Schneemann | USA 1968-1972 | 16mm | Farbe | 15 min
PLUMB LINE zeigt zu Beginn das Standbild eines Männergesichts hinter einem Installationsrohr (engl.: plumb line). Das Bild geht in Flammen auf. Es folgen Bildserien, die zu einer Audiocollage aus Musik, Sirenen-Gesängen, niederschmetternden Monologen, Katzenlauten und Geräuschen im viergeteilten Filmbild ablaufen und im Laufe des Films immer intensiver werden, bis der Film schließlich in Flammen aufgeht und sich selbst vernichtet.

FUSES
R: Carolee Schneemann | D: Carolee Schneemann, James Tenney | USA 1965-1967 | 16mm | Farbe | 30 min
Das zerkratze, gefärbte und anderweitig bearbeitete 16mm-Material zeigt die Künstlerin Carolee Schneemann in ihrem Film FUSES beim Liebesakt mit ihrem damaligen Partner James Thenney; beobachtet von ihrer Katze, Kitch.
"… Dieser Film unterscheidet sich deutlich von allen pornographischen Arbeiten, die Sie jemals gesehen haben – das ist auch der Grund, warum die Leute ihn sich immer noch anschauen! Und es erfolgt keine Vergegenständlichung oder Fetischisierung der Frau." (Carolee Schneemann)