kino avantgarde | Dezember 2018

SPELL REEL

Regie: Filipa César | Buch: Sana na N'Hada | Kamera: Jenny Lou Ziegel
Deutschland/Portugal/Frankreich/Guinea-Bissau 2017 | OmU | 96 Min.
Zu Beginn des Films SPELL REEL von Filipa César sind die flackernden, kopfüber stehenden Schwarzweißaufnahmen eines Waldstücks zu sehen. Projiziert in ein Rechteck, das nur einen Teil der Leinwand einnimmt, begrenzt vom umgebenden Schwarz. Es entsteht der Eindruck einer Projektion in eine Blackbox, die zum Bildraum wird und neben dem Gesicht eines Mannes vorbeischwebt. Er blickt nach unten, lauscht der Stimme einer Guerillakämpferin, übersetzt sie aus dem Fulfulde (Dialekt der Niger-Kongo-Sprachen). Geld wird gezählt und als neue Währung ausgezahlt, in der Blackbox laufen Jahreszahlen rückwärts. Durch die Hände des Mannes gleitet ein 16-mm-Film, Frame für Frame wird er auf den Bildschirm eines Laptops übertragen.
SPELL REEL ist das Ergebnis eines vielschichtigen Recherche- und Digitalisierungsprojekts. Grundlage sind Aufnahmen der Guerrillakämpferinnen Sana na N’Hada und Flora Gomes, die während des Befreiungskriegs in Guinea-Bissau (1963–74) enstanden. Nach der Digitalisierung des gealterten Bild- und Tonmaterials reiste Filipa César gemeinsam mit Sana na N’Hada und Flora Gomes und einem Wanderkino an die Orte, an denen die Filme entstanden waren und nun erstmalig öffentlich gezeigt und von den Filmemachern kommentiert werden konnten.