freiburger film forum 1998

 

freiburger film forum 1998
- stummfilm und musik

26.11. - 3.12.1998


SYMPOSIUM

"Stummfilmvertonung Herausforderung für zeitgenössische Musiker & Komponisten"
vom 27.11. 29.11.1998

 

Die Stummfilmvertonung erlebt zur Zeit eine Renaissance. Vor allem die Praxis der Live-Präsentation der Musikbegleitung hat die Wiederentdeckung der frühen Meisterwerke der Filmkunst erleichtert. Die heutigen Aufführungen spiegeln die Bandbreite damaliger Aufführungsstandards bis ins Detail: vom Pianisten bis zum Salonorchester, vom Trio bis zum sinfonischen Orchester. Daneben finden sich heute auch moderne Varianten musikalischer Interpretation von Filmen, die von neuen Klangerzeugern bis zu avantgardistischen Stilformen reichen.

Aus welchen Quellen schöpfen heute (noch) die Komponisten und Live-Musiker? Welche Möglichkeiten alte Filme wieder neu zu sehen bieten die unterschiedlichen Methoden der Stummfilmvertonung? Exakte Rekonstruktion alter Vorgaben, Improvisation mit zeitgenössischem Hintergrund sowie die Neukomposition als Form in die Zukunft weisender Filmmusikbegleitung stehen zur Diskussion. Wir erwarten ein film- und musikbegeistertes Publikum, Musiker und Komponisten mit Lust zu Präsentation eigener und fremder Werke sowie Film- und Musikfachleute für spannende Diskussionen.

Teilnehmen werden u.a. Joachim Bärenz (Essen), Günter A. Buchwald (Freiburg), Martin Christ (Biel/CH), Violeta Dinescu (Oldenburg), Matthias Jahner (Köln), Willi Karow (Wolffenbüttel), Jürgen Kurz (Berlin), Martin Loiperdinger (Frankfurt), Susanne Peusquens (Köln), Lothar Prox (Bonn), Raimund Ritz (München), Bernd Schultheis (Berlin), Berndt Heller (Berlin), Wolfgang Thiel (Potsdam).


 

PROGRAMMÜBERSICHT

"Stummfilmvertonung Herausforderung für zeitgenössische Musiker &
Komponisten" vom 27.11. 29.11.1998

Fr., 27.11. Eröffnung des Symposiums "Stummfilmvertonung"
19.00 Einführungsvortrag: Lothar Prox
21.00 HEXEN (HEXAN, Benjamin Christensen, Schweden 1922)
musikalisch begleitet vom Duo Susanne Peusquens (Percussion) und Matthias Jahner (Saxophon & Klarinette)

Sa., 28.11. Werkstattgespräch
10.00 NEUKOMPOSITION ALS NEUINTERPRETATION
Referenten: Violeta Dinescu (TABU) & Bernd Schultheis (LES DEUX TIMIDES), Moderation: Lothar Prox
VON A(XT) BIS Z(ELLER) - EINE KOMPONISTENTYPOLOGIE DES STUMMFILMS
Vortrag mit musikalischen Beispielen
Referent: Wolfgang Thiel, Piano: Joachim Bärenz
KINOTHEKEN DER BEGINN DER FILMMUSIK?
Vortrag mit musikalischen Beispielen
Referent: Berndt Heller; Piano: Martin Christ
So., 29.11. Musikwerkstatt
10.30 BERUF STUMMFILMPIANIST
Ein Film begleitet von drei Musikern: Joachim Bärenz, Martin Christ, Jürgen Kurz. Moderation: Willi Karow
14.00 Abschlußgespräch / Podiumsdiskussion
"Stummfilmvertonung- Was hat der Stummfilm davon?"
Moderation: Willi Karow; Podiumsteilnehmer: Lothar Prox, Günter A. Buchwald, Wolfgang Thiel, Berndt Heller, Joachim Bärenz, Violeta Dinescu, Bernd Schultheis
20.00 MADAME DUBARRY (Ernst Lubitsch, 1919)
Komposition & Kompilation von Günter Bärenz (Klavier)

WERKSTATTGESPRÄCH

NEUKOMPOSITION ALS NEUINTERPRETATION

SAMSTAG, 28.11.98, 10.30

Moderation: Lothar Prox. Violeta Dinescu (TABU), Peter Michael Hamel (DER LEBENDE LEICHNAM), Bernd Schultheis (LES DEUX TIMIDES)

Drei zeitgenössische KomponistInnen stellen an Hand von Beispielen ihre Arbeitsweise der Stummfilmmusikbearbeitung vor. Drei Kompositionen, drei Komponisten und drei Filme in Ausschnitten stehen repäsentativ für die Hauptströmungen der derzeitigen kompositorischen Arbeit mit Stummfilmen. Beantwortet werden sollen auch die Fragen: Welche Möglichkeiten der musikalischen Interpretation sind auf Stummfilme anwendbar? Welche eigenen Vorstellungen fließen ein, was läßt sich realisieren, wo endet die Freiheit des Interpreten?

Lothar Prox ist Professor für Medienästhetik an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule. Nach seinem Klavier- und Dirigierstudium am Amsterdamer Konservatorium studierte er Anthropologie und Linguistik an der Pariser Sorbonne und am Collège de France sowie Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie zu Köln. Dort promovierte er mit einer Doktorarbeit über Richard Wagner. Seit den 70er Jahren liegt sein Arbeitsschwerpunkt in Filmgeschichte und audio-visueller Theorie: Er leitete u.a. 14 Jahre das Kölner Filmforum. In seinen Publikationen nehmen Beiträge über Geschichte und systematische Aspekte der Medienmusik einen besonderen Platz ein.

Bernd Schultheis lebt als freischaffender Komponist in Berlin. Zeitweise arbeitete er als Regieassistent und Regisseur in Oper und Schauspiel und schrieb Bühnen- und Filmmusiken. Außerdem komponierte er neue Musiken zu Stummfilmen, darunter LES DEUX TIMIDES. Seine Werke werden regelmäßig auf internationalen Festivals live aufgeführt. Besonderen Wert legt er auf die Interaktion von Instrumentalklang und dessen elektroakustischer Verarbeitung in Echtzeit sowie auf Raumklangprojekte.

Violeta Dinescu ist seit 1996 Professorin für angewandte Komposition an der Oldenburger Universität. Sie stammt aus Rumänien und studierte am Porumbescu-Konservatorium in Budapest. Sie veröffentlichte zahlreiche musikwissenschaftliche und -historische Arbeiten. Seit 1982 lebt sie in Deutschland. Ihr umfangreiches kammermusikalisches Werk ergänzte sie in den letzten Jahren durch mehrere Opern, u.a. ERENDIRA, DER 35. MAI und HUNGER UND DURST. Die Neukomposition zu TABU entstand im Auftrag der Alten Oper, Frankfurt am Main.

Peter Michael Hamel ist seit 1997 Professor für Komposition an der Hamburger Musikhochschule. In den letzten Jahren hat der Münchner Komponist immer wieder mit großdimensionierten Werken von sich Reden gemacht. Im Auftrag der Münchner Philharmoniker komponierte Hamel 1988 die Sinfonie "Die Lichtung", 1995 "Missa". Weiterhin erarbeitete er das großangelegte Holocaust Projekt "Shoa" und die im Winter 1997 uraufgeführte Passion. Hamels Kompositionen sind inspiriert von John Cage, Morton Feldmann oder aus dem Umkreis der amerikanischen Minimal-Bewegung.


VON A (XT) BIS Z (ELLER) - EINE KLEINE KOMPONISTENTYPOLOGIE DES STUMMFILMS

SAMSTAG, 28.11.98, 14.30

Referent: Wolfgang Thiel, am Klavier: Joachim Bärenz

Ein filmmusikhistorischer Vortrag mit Musik- und Filmbeispielen. Im Vordergund stehen nicht die Lebensläufe der Komponisten, sondern die funktionalen und kompositionsästhetischen Aspekte der Filmmusik von der frühen Stummfilmzeit bis heute.

Wolfgang Thiel leitet seit 1991 die Städtische Musikschule Potsdam. Zunächst studierte er Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin sowie Komposition an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin und promovierte 1975. Zwischen 1979 bis 1981 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin bei Siegfried Matthus. Seine kompositorischen Hauptwerke sind u.a.: "Schiff im Eismeer", "media vita" Sinfonische Variationen, "Ehrfurcht vor dem Leben" Kantate sowie Kammermusik in verschiedenen Besetzungen. Außerdem veröffentlichte er ein Buch über "Filmmusik in Geschichte und Gegenwart".

Joachim Bärenz studierte in Frankfurt/Main Musik, Abschluß Konzertexamen Klavier. Als Pianist Konzerte als Lied- und Instrumentalbegleiter, mit Vorliebe für neue Musik. Stummfilmbegleitung seit 1969, ab 1970 im neuen Frankfurter Kommunalen Kino. Begleitung von Stummfilmen in den Retrospektiven der Berlinale, seit Ende der 80er Jahre Stummfilmbegleitungen für das Goetheinstitut, erst in Europa, dann in Asien (Hongkong, VR China, Korea, Japan), Neuseeland und Brasilien. Seit1984 arbeitet er mit Pina Bausch als Pianist der Tanzabteilung der Folkwang-Hochschule Essen. Für das Fernsehen vertonte er zahlreiche Stummfilme. Bärenz improvisiert, verwendet zeitgenössiche Motivkompilationen und bearbeitet Originalpartituren.


MUSIKWERKSTATT

BERUF STUMMFILMPIANIST

SONNTAG, 29.11.98, 10.30

Joachim Bärenz (Essen), Jürgen Kurz (Berlin) & Martin Christ (Biel/CH) begleiten THE UNSEEN ENEMY (1912) von D. W. Griffith, 16 Min. Moderation: Willi Karow

Drei Pianisten und ein Film. Drei verschiedene Begleitungen zu ein und demselben Film. Drei Pianisten erzählen über ihre jeweils spezielle Arbeit mit Stummfilmen. Außerdem drei weitere Kurzfilme von D. W. Griffith, die Pianisten wechseln sich ab: THE UNCHANGING SEA; THE GIRL AND HER TRUST; ONE IS BUSINESS, THE OTHER TIME; alle drei Filme haben eine Laufzeit von je 16 Min. und sind Raritäten aus dem Archiv der Kinemathek Hamburg.

"In THE UNSEEN ENEMY spielen die Geschwister Gish zwei Schwestern, die, vom plötzlichen Tod ihres Vaters überrascht und erschüttert, sehnlichst die Ankunft ihres Bruders erwarten. Die scheinbar harmlose Putzfrau tröstet sie. Der Bruder erscheint, alles scheint sich zu bessern. Behutsam wird Geld in einem Safe deponiert. Der Bruder verläßt seine Schwestern, um im Ort seiner Büroarbeit nachzugehen, - das kann nicht gut gehen! Geld in einem Landhaussafe, sich verabschiedende Brüder und Liebhaber und eine hinterhältige Hausgehilfin... Meisterhaft spielerisch entwickelt Griffith die Möglichkeiten der Parallelmontage und treibt damit die Spannungskurve geschickt nach oben. Natürlich muß es ein Happy End geben, aber wie es erreicht wird, darin war Griffith auch für den Meister des Suspense und der Surprise, Alfred Hitchcock, ein Vorbild." (Günter A. Buchwald)


Kommunales Kino

Alle Veranstaltungen finden im
Kommunalen Kino Freiburg im Alten Wiehrebahnhof statt.
Urachstr. 40, 79102 Freiburg
Telefon: 0761-70 95 94 / Fax: 0761-70 69 21.



 
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