Freiburger Kinolandschaft bis 1919

Camera obscura und Kaiser-Panorama

Kinos
Welt-Kinematograph
Apollo-Kinematograph beim Wiener Café
Saal-Theater Zentral-Kinematograph G.m.b.H
American-Biograph, Merianstraße 8
Friedrichsbau-Lichtspiele, Kaiserstraße 150
Sonstige Kinoveranstalter
Der Freiburger Kinoskandal: Die Prostitution
Ein kommunales Kino für Freiburg
Ausblick auf die weitere Kinogeschichte

von MARGA BURKHARDT

Bald nach der Erfindung der Photographie 1839 wurden die ersten Stereoskopbilder hergestellt, die mit Hilfe einer speziellen Beleuchtungsoptik den Eindruck von Räumlichkeit vermittelten. Stereoskopbilder wurden in Form einer Camera obscura für einen einzelnen Betrachter oder im sogenannten Kaiserpanorama mit bis zu 25 Zuschauerplätzen zu viel bestaunten Attraktionen.

In Freiburg beantragte 1885 der ortsansässige Zahnpraktiker Leopold Zipfel vor dem Ursulinen-Kloster oder der Karlskaserne eine Camera obscura aufstellen zu dürfen. Schließlich, so argumentiert er in seinem Antrag an den Freiburger Stadtrat, seien solche Apparate bereits in Berlin, Mannheim und Stuttgart zu bewundern. Dieses Argument verfehlte seine Wirkung nicht: Der Stadtrat befürwortete die Aufstellung der Camera, die in Absprache auf dem Rotteckplatz installiert wurde, jedoch knapp ein Jahr später wieder entfernt werden mußte. Erneut baten Zipfel und zu seiner Unterstützung die Witwe Otto Hausers die Stadt um einen Stellplatz; geeignet waren - ihrer Meinung nach - entweder der Holzmarkt oder der Karlsplatz. Zipfel durfte seine Camera auf keinem der beiden Orte aufstellen, er fand jedoch auf einem Privatgrundstück Unterschlupf, dem "Dägle Wirthsgarten" an der Ecke Basler- und Günterstalstraße. Auch dieser Platz war nur eine vorübergehende Lösung, denn schon 1892 wandte er sich erneut an die Stadt, um nun doch noch einen öffentlichen Platz für die Camera obscura zu erhalten. Dieses Mal ersuchte Zipfel um einen Platz an der Schwabentorbrücke. Vermutlich wurde Zipfel informell angedeutet, daß sein Antrag keinen Erfolg haben würde, denn als darüber im Stadtrat abgestimmt werden sollte, hatte er die Camera bereits nach auswärts verkauft.

Knapp drei Jahre später stellte der Kaufmann Fritz Waidner ebenfalls das Gesuch, eine Camera obscura aufzustellen zu dürfen. Waidner argumentierte gegenüber dem Stadtrat, daß er auf diesen Nebenerwerb angewiesen sei, denn als angestellter Kaufmann eines Bauunternehmens habe er im Winter keinerlei Verdienstmöglichkeit. Aber auch diese Begründung vermochte den Stadtrat nicht zu überzeugen.

Zumindest auf öffentlichem Gelände hatte die Camera obscura, außer dem kurzfristigen Intermezzo auf dem Rotteckplatz, in Freiburg keine Chance. Ob das ablehnende Votum des Stadtrats auch das Ergebnis einer feindseligen Haltung gegenüber modernen Technologien war, sei dahingestellt.

Das Freiburger Kaiserpanorama residierte im alten Bursengang. Dort bot man Bilder von Reisen in fremde Länder und in schöne Landschaften, von Jerusalem bis Helgoland, oder den Anblick der schönen Helena. Insgesamt gab es ca. 250 Kaiserpanoramen in Mitteleuropa, die dem Berliner Unternehmer August Fuhrmann gehörten. In seiner Werbung betonte Fuhrmann den Bildungscharakter seiner Einrichtung: "Durch das Kaiserpanorama ist das Problem gelöst die Welt mit der Welt bekannt zu machen." Diese Botschaft kam beim Publikum an, und ein regelmäßiger Besuch im Panorama gehörte bald zu den bevorzugten Freizeitaktivitäten. Als die Bilder laufen lernten, ließ die Attraktivität der räumlichen Bilder stetig nach. So wurde in einem Leserbrief in der Freiburger Zeitung befürchtet, daß mit der Eröffnung der Kinos in Freiburg das Bursengang-Panorama aus Besuchermangel geschlossen werden müsse:

"Durch das drohende Eingehen des Kaiserpanoramas würde unsere Stadt um ein Bildungsmittel ärmer. Man steht heutzutage längst auf dem Standpunkt, daß für die geistige Bildung möglichst lebendige Anschauungen ungleich wichtiger sind als die Anhäufung bloßen Gedächtniskrams, und das Interesse sämtlicher öffentlicher Schulen sowie Privatbildungsanstalten am Platze erforderte, sich über Schritte zu vereinbaren, die vielleicht doch noch die Erhaltung dies so ungemein günstig im Bursengebäude gelegenen Instituts sichern."

Obwohl auch die Stadtverwaltung die Ursache des Rückgangs der Besucherzahlen im Kaiserpanorama in der Eröffnung des Kinematographen sah,

"besonders die Jugend geht nicht mehr ins Kaiserpanorama sondern in den Kinematographen",

fühlte sie sich außerstande zugunsten des Panoramas einzugreifen.

Kinos

Ab 1896 über 10 Jahre lang reisten Wanderkinos durch Deutschland. Die Kinematographen gastierten auf Messen oder in Varietésälen. Auch in Freiburg wurden "lebendige Bilder" auf der Frühjahrs- und Herbstmesse auf dem Stühlinger Kirchplatz gezeigt. Bald gehörten die reisenden Kientopps zu den beliebtesten Messe-Vergnügen.

1897 führte der Kinematograph Edison "lebendige Photographien" wie DIE GEFESSELTE GRIECHIN, DIE KUGELSICHERE DAME, DER RIESE PISJAK, DESSEN EINE HAND DREI HÄNDE VON NORMALER GRÖSSE BEDECKT und DAS KOLOSSALKIND MARTHA vor.

Welt-Kinematograph

Das erste ortsfeste Kino, der Welt-Kinematograph, eröffnete am Samstag, den 15. Dezember 1906 in Freiburgs Geschäftszentrum. In der Kaiserstraße 68 - im Haus der Oberrheinischen Bank - hatten die Freiburger Kaufleute Bernhard Gotthart, Franz Julius Wenk, Franz Steiger und Oscar Kö(c)hler einen Raum für ihr "Theater lebender Photographien" angemietet.. Das Haus des Welt-Kinematographen gehörte zu diesem Zeitpunkt den Gebrüdern Hackenjos und Julius Beit.

Welt-Kinematograph

Das "belehrende Institut" kündigte in seiner Eröffnungsanzeige "Sehenswürdigkeiten ersten Ranges" an und versprach "täglich ununterbrochen von Mittags 3 Uhr und Sonn- und Feiertags von 11 Uhr morgens ab Vorführung flimmerfreier kinematographischer Bilder in unerreichter Vollendung mit Klavierbegleitung" und jeweils mittwochs und sonntags Programmwechsel. Die Vorstellungen sollten ca. 1 Stunde dauern.

Die Eintrittpreise beliefen sich auf reserviert 80 Pfg., I. Platz 50 Pfg. II. Platz 30 Pfg. Kinder und Militär vom Feldwebel abwärts: reserviert 60 Pfg, I. Platz 40 Pfg., II.Platz 20 Pfg. und für das Programm waren 5 Pfg. zu entrichten. Dies war im Vergleich zu den Löhnen zwar erschwinglich, doch kein ganz billiges Vergnügen. 1913 lag der Wochendurchschnittslohn für männliche Arbeiter im südlichen Baden bei 24,85 Mark, für Fabrikarbeiterinnen zwischen 7,50 und 16 Mark. Der Freiburger Kinobetrieb war nicht das erste Filmtheater, das die findigen Kaufleute eröffneten. Die Freiburger Zentrale warb in ihrer Anzeige damit, daß die Welt-Kinematograph GmbH das größte Unternehmen dieser Art auf dem Kontinent sei. Die Kino-Kette hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Zweigstellen in Köln (28.4.1906), München (15.4.1906), Düsseldorf ( 18.8.1906). Fast zeitgleich mit dem Freiburger Geschäft wurde die Nürnberger Zweigstelle des Welt-Kinematograph gegründet (21.12.1906). Später folgten die Kinos in Saarbrücken (22.6.1907), Stuttgart (18.4.1908), Augsburg und Karlsruhe (28.3.1908), sowie in Basel (2.Mai 1908).

Die Welt-Kinematographen in Zürich, , Esslingen (26.3.1908) und Straßburg (Herbst 1908) arbeiteten vermutlich nach einer Art Franchise-Konzept. Diese Kinos waren nicht unmittelbarer Bestandteil der Firma, sondern die Freiburger Zentrale kooperierte mit ortsansässigen Geschäftspartnern, die ihren Betrieb mehr oder weniger selbständig führten. Klaus Hosemann gibt in seinem 1991 erschienenen Artikel zur Freiburger Kinogeschichte die Zahl der Welt-Kinematographen-Theater im Deutschen Reich und der nahen Schweiz mit 16 an.

Es ist anzunehmen, daß das erste Kino in Freiburg nicht besonders groß war, hatte das Kino als Ladengeschäft doch nur einen Teil der Geschäftsräume der Bank angemietet. Leider läßt sich das Eröffnungsprogramm nicht rekonstruieren. Das erste überlieferte Programm eines Freiburgers Kino stammt vom Sonntag, den 30. Dezember 1906, und verzeichnet folgenden Nummern:
"Besuch des Vetters, sehr belustigend
Bauer und Hexe, interessant
Elektrischer Strom, sehr fidel
Die Zerstörung von Valparaiso, authentische Aufnahme
Verbotene Furcht, sehr humoristisch
Die Mütze, großer Lacherfolg
Musikalische Hallucination
Aladin mit der Wunderlampe, Märchen aus 1000 und einer Nacht"

Diese Zusammenstellung entsprach der goldenen Regel zur Zusammenstellung der Filmsujets: Bestandteile sollten Musikstücke, Aktualitäten, Humoristisches, ein Drama, komische Aufnahmen, Naturbilder sowie Wissenschaftliches sein.

Anziehungskraft hatten vor allem auch Aufnahmen von aktuellen Ereignissen. Insbesondere Katastrophen wie Erdbeben, Zugunglücke oder ähnliches boten Stoff für die Verfilmung.

Die Filme wurden jedoch im Kientopp nicht stumm präsentiert, sie wurden durch Klavier oder ein kleines Orchester begleitet. Selten bekam ein Film eine eigene neue Instrumentierung, die Begleitmusik bestand in der Regel aus der Mischung von improvisierten Geräuschen und bekannten Musikstücken. Wie das Zusammenspiel von Bild und Musik funktionierte, illustriert folgender Bericht des Kinematograhen über die Vorführung des Welt-Kinematographen-Films SZENEN AUS MESSINA, der Opfer des dortigen Erdbebens zeigte.

"Nach einigen friedlichen Bildern erhebt sich das brave perpetuum mobile, der Klavierspieler, von seinem Sockel und verkündet Extraeinlage: Szenen aus Messina. Atemlose Stille. Der wackere Jünger Franz Liszt’s setzt sich wieder an die Tasten der Klaviatur und sucht durch ernste Klänge Stimmung zu machen. Zunächst sieht man nun auf dem Film die Wunderstädte des sonnigen Südens als großen Trümmerhaufen – eine gewaltige Tragödie der Natur. Furcht und Mitleid - die beiden Aufgaben der Tragödie des Theaters – waren im Publikum erregt. (...) Der Pianist spielte den so oft grausam mißhandelten Chopin’schen Trauermarsch."

Schon 1908 zeigte das Freiburger Welt-Kino eigene Aufnahmen meist lokalen Bezugs. Kurzfilme über das Turnfest in Kenzingen, das Hochwasser in Zähringen, die Wagenrundfahrt am Waldsee oder den Besuch des badischen Großherzogpaars in Freiburg konnten im eigenen Kino bewundert werden.

Die Freiburger Kinopioniere wandten sich bald der Filmproduktion zu, ihre Filialen wurden nach und nach an andere Betreiber verkauft. Ihre Anteile am Freiburger Kino Welt-Kinematographen übergaben die Gesellschafter bereits im Dezember 1908 an den Kaufmann Andreas Schaller. Das Welt-Kino wird unter diesem Namen mit Erfolg weiter betrieben. Die neue Attraktion fand so großen Anklang, daß schon 1909 weitere Räume im 2. Stock der Kaiserstraße 68 angemietet werden..

Apollo-Kinematograph beim Wiener Café

Als zweites Freiburger Kino wurde am Ostersonntag 1908 nur wenige Häuser entfernt in der Kaiserstraße 25 a der Apollo-Kinematograph eröffnet. Die Preise für die Vorstellungen im Apollo oder wie es in der ersten Zeit hieß das "neuste Kino-Theater" bewegten sich auf demselben Niveau wie diejenigen vom Welt-Kinematographen. Das Apollo spielte in einem Nebenraum des Wiener Cafés zum Beginn folgendes Programm:

"Panorama der Lagunenstadt Venedig. Aufnahme gelegentlich des Besuchs des deutschen Kaiserpaars in Venedig; Pierrot in der Hölle. Phantastische, spannende Handlung; Der kluge Hans in Dressur. Kom. Zirkusnummer; Das Pferd als Retter. Ergreifend; Die Rose, welche Alle zum Tanzen bringt. Erheiternd, koloriert; Unverfroren. Humoristisch; Trauerspiel im Zirkus. dramatisch; Die unzeitige Weckuhr. urkomisch".

Geschäftsführer des neuen Kinos war Carl Metzger; die Geldgeber im Hintergrund drei Freiburger Kaufmänner (Johann Helwig, Adolf Sibler und Georg Röbcke). Dieses Kino gab nur ein kurzes Gastspiel, schon 1911 wird die das Kino betreibende Gesellschaft Apollo-Kinematograph wieder aus dem Handelsregister gestrichen.

Saal-Theater Zentral-Kinematograph G.m.b.H:

Die nächste Kinopremiere fand im Storchen-Saal in der Schiffstraße 9 am 18. April 1908 statt. Dieser Saal im zweiten Stock des Gebäudes hatte zuvor als Varietésaal gedient; im Erdgeschoß befand sich das Gasthaus Zum Storchen. Haus und Gaststätte gehörten den Brauereigesellschaft vormals J. Bercher in Breisach. 1911 ging das Anwesen in den Besitz der Mittelbadischen Brauereigesellschaft in Emmendingen über. Gesellschafter des neuen Kinos waren Bernhard Dietsche (Kaufmann), Karl Morat (Privatmann) und Franz Steiert (Kaufmann), die alle in Freiburg ansässig waren. Die Besitzverhältnisse sollten sich allerdings in den nächsten Jahren ständig verändern, ihre Dynamik bildete damit die fortwährenden Veränderungen des Kinogewerbes ab.

Die Kinovorstellungen begannen nachmittags 3 Uhr und endeten wochentags um 10 Uhr abends. Sonn- und Feiertag startete die erste Vorstellung um 1 Uhr. Die Preise der Plätze lagen auf demselben Niveau, wie diejenigen des Weltkinos: Erwachsene. Loge 80 Pfg., I. Platz 60 Pfg., II. Platz 40 Pfg., III. Platz 20 Pfg.; Kinder und Militär: Loge 40 Pfg., I. Platz 30 Pfg., II. Platz 20 Pfg., III. Platz 10 Pfg.. Zudem bot die Direktion wie der Welt-Kinematograph ein Abonnement an: I. Pl. (12 Karten) M. 6.-, II. Pl. (12 Karten) M. 4.-. Neben den Abonnements gab es Ermäßigung für Vereine. Man offerierte ein Büfett im Saal, versprach keinen Trinkzwang auszuüben.

Im ersten Weltkrieg wurde das Zentralkino am 22. August 1917 durch Bombenabwurf, beschädigt. Die Explosion richtete nur Sachschäden an, Menschen wurden - nach Angabe der damaligen Filmvorführerin Elise Hatt – weder verletzt noch getötet, da der Betrieb gerade Mittagspause hatte.

Die Räumlichkeiten des Zentral schienen – nach Meinung des städtischen Hochbauamtes - nach dem ersten Weltkrieg im Vergleich zu anderen Spielstätten in wesentlich schlechterem Zustand gewesen zu sein. Vielleicht war dies auch eine Folge der Zerstörung im Krieg. Deshalb kündigte der Zentral-Kinematograph 1919 den Umbau des Kinos in "ein modernes, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechendes, mit Balkonen und Logen versehenes Lichtsspieltheater mit 800 Plätzen" an; dies stellte gegenüber den Anfangsjahren immerhin eine Verdoppelung des Platzangebotes dar.

American-Biograph, Merianstraße 8

Unter Direktor W. Krüger wurde der American-Biograph am 26.10.1910 eröffnet und spätestens 1913/14 geschlossen. Zumindest verschwand der American-Biograph in diesem Jahr aus dem Freiburger Adressbuch. Genauer konnte die Schließung bisher nicht datiert werden.

Ein Besuch kostete 1910 zwischen 60 und 20 Pfg.Auch dieses Kino wurde in den Räumen einer Gaststätte eröffnet, nämlich derjenigen "Zum Goldenen Lamm". Die Eröffnung eines Kinos stieß nicht immer auf die Begeisterung der Anwohner. Der Leiter des städtischen Amtes für Statistik Dr. Ehrler beschwerte sich am 28.10.1910 beim Freiburger Stadtrat über den neu eröffneten American-Biograph:

"Wir beehren uns ergebenst zu berichten, daß am 27 ds. Mts in den Parterreräumen des Gasthauses zum goldenen Lamm gegenüber unseren Geschäftsräumen in der Gauchstraße ein Kinematographen-Theater eröffnet worden ist, in welchem durch das ständige Musizieren am Nachmittag die Nerven so angegriffen werden, daß ein ruhiges sachgemäßes Arbeiten unmöglich ist. Wir bitten beim Großh. Bezirksamt dahier wegen Einstellung des Theaterbetriebs oder wenigstens der Musik baldgefällig vorstellig zu werden."

Friedrichsbau-Lichtspiele, Kaiserstraße 150,

Als letztes Kino der "Gründerzeit" wurden die Friedrichsbau-Lichtspiele am 15.4.1911 eröffnet. In ihrer Anzeige zur Eröffnung warben die Besitzer mit Feuersicherheit, neuzeitlicher Ventilation, der Größe und Schönheit, dem halbwöchentlichen Programmwechsel und der Musikbegleitung durch eine Künstlerkapelle. Der Friedrichsbau war das erste neuerbaute Kino in Freiburg. Inhaberin war Henriette Hansberger, die Witwe des Restaurateurs Johann Josef Hansberger in Mühlhausen. Es ist bisher noch nicht geklärt, ob dieser Johann Josef Hansberger identisch ist mit dem Herrn Hansberger, der sowohl in Basel, Colmar als auch Mühlausen Kinos besaß. Hansberger besaß in den 1910er Jahren zudem auch eine "Aktiengesellschaft für Kinematographie und Filmverleih in Straßburg".

Das neuerbaute Kino scheint die alteingesessenen Etablissements ziemlich unter Druck gesetzt zu haben. Weltkinemtograph und Zentralkino schalteten große Anzeigen, um auf ihre Leistungen hinzuweisen. Der Weltkinematograh wirbt mit dem Slogan "das 1te und feinste Lichtbild-Theater am Platze ist und bleibt der Welt-Kinematograph" und das Zentral versucht seine Gäste mit den größten Darbietungen der Saison wie dem DEUTSCH-DÄNISCHEN KRIEG oder dem Sensationsroman DER SCHRECKEN ins eigene Kino zu locken.

Die Preise fürs Kino im Friedrichsbau lagen zwischen 1,20 Mark (Parkettloge) und 30 Pfennige für den 3. Platz. In der Direktionsriege des Friedrichsbau gab es allerhand Wechsel. 1913 war C. Heinz Direktor, 1914 Ludwig Goebel, in der Verwaltung war Richard Straub tätig. Ab 1917 leitete Alfred Flügel das Friedrichsbau-Kino. Flügel betrieb auch das Café im Friedrichsbau und später einen Filmverleih.

Sonstige Kinoveranstalter

Filmvorführungen fanden von 1906 bis 1919 nicht nur in den Kinos statt. So kündigte das Colosseum beim Martinstor, Varieté-, Theater- und Veranstaltungssaal (1921 entstand hier das Casino-Kino), in der Freiburger Zeitung am 15.9.1910 die Vorführung von Kinemacolorfilmen an. Auch die Verfilmung des "grossen Faustkampfes" zwischen Jack Johnson und Jim Jeffries, der im Juli 1910 in Reno stattgefunden hatte, wurde im Colosseum präsentiert. Zum Boxkampf-Film versprach der Veranstalter sogar , daß der Deutsch-Amerikaner Mr. H. E. Neumann - einer der Inhaber der Produktionsfirma – bei der Vorstellung anwesend sein werde und dem "hochverehrlichen Publikum die Vorgänge auf den Films fachmännisch erläutern" werde.

Filme wurden auch im Saal der Gaststätte Harmonie in der Grünwälderstraße vorgeführt. Am Sonntag, den 6. Februar 1916, zeigte man in zwei Vorstellungen Aufnahmen aus dem ersten Weltkrieg:

"Serie: Mit der Kino-Kamera im Weltkriege

Die Durchbruchschlachten in Galizien. Tarnov – Gorlice – Brest-Litowsk. Lebende Orginalaufnahmen und Schilderung der offiziell vom Großen Generalstab der Armee zugelassenen kinotechnischen Abteilung der Expreß-Film (Inhaber Robert Schwobthaler, Freiburg). Verbindender Text gesprochen von Herrn von Klinkowström, Filmlänge 2 Kilometer. Ein lebendes Gesamt-Gemälde dieser 4 Wochen tobenden historischen Schlachten, wo es gelang, die Russen entscheidend zu schlagen, Galizien zu befreien und vorzustoßen in das Herz Russlands. Im Gegensatz zu den Stellungskriegen in den Vogesen zeigt dieses neue Filmwerk den Bewegungskrieg in allen seinen Phasen: die großen Mörser in voller Feuertätigkeit, Verfolgung der Russen durch Honwed Husaren usw. usw. Einzig dastehend: Lebende Bilder, aufgenommen vom Doppeldecker aus über den russischen Stellungen und im Fesselballon

Ein "richtiges" Kino wurde in der Harmonie aber erst 1927 eröffnet.

Der Freiburger Kinoskandal: DIE PROSTITUTION

Die Auseinandersetzung darüber, was auf den lebenden Bildern gezeigt werden darf, ist fast so alt wie das Medium. Am 9. Januar 1909 macht das Stadtarztamt den Freiburger Stadtrat auf einen Film im Welt-Kinematographen aufmerksam:

"Wir wurden von einem Arzt – nicht etwa von einer empfindsamen Dame – darauf aufmerksam gemacht, daß die letzte Serie im Welt-Kinematographen eine Nummer gehabt, welche das Verschlingen eines Kaninchens durch eine Riesenschlage darstellte. Derartige Vorführungen sind u. E. weniger geeignet, die naturgeschichtlichen Kenntnisse zu erweitern, als vielmehr Gefühllosigkeit und Rohheit bei der heranwachsenden Jugend groß zu ziehen."

Immer wieder wurden die Gefahren des Kinos von Gegnern unter dem Aspekt der Nachahmung des Gesehenen diskutiert. Die Auseinandersetzung über die Inhalte der Filme setzte sich auch mit den abendfüllenden Filmen fort, erste lange Kinofilme kamen ab 1912 in die Lichtspieltheater.

Weitaus heftiger reagierten verschiedene Gruppen innerhalb der Freiburger Bevölkerung allerdings auf den sogenannten Aufklärungsfilm DIE PROSTITUTION, der vom Dienstag, den 22 Juli bis zum Freitag, den 25. Juli 1919, im Freiburger Zentralkino gezeigt wurde. So wurde für den Film von Richard Oswald - einer der erfolgreichsten Filmemacher der Weimarer Republik und zugleich ihr skandalträchtigster- geworben:

"Die besten Berliner Künstler spielen in diesem größt. Film-Kunstwerk. Zum ersten Male wird das wunderbare Spiel der einzelnen Künstler besonders durch vergrößerte, wunderbare plastische Photographie wiedergegeben. Diese Filmschöpfung war vom hiesigen Bezirksamt verboten und wurde vom Ministerium des Innern wieder freigegeben. Beginn der einzelnen Vorstellungen 2.45, 5.00, 7.00, 9.00 Uhr, Freikarten sind von 5.00 Uhr an gesperrt".

Der sozialhygienische Film DIE PROSTITUTION war kommerziell so erfolgreich, daß Oswald noch im selben Jahr einen zweiten Folge mit dem Titel DIE SICH VERKAUFEN drehte und über seinen eigenen Verleih verlieh. Als wissenschaftlicher und medizinischer Berater arbeitete Dr. Magnus Hirschfeld, Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft in Berlin mit.

In Freiburg wurde die Kampagne gegen die Aufführung der PROSTITUTION zunächst durch den Universitätsprofessor Engelbert Krebs initiiert, der den Kinotheaterbesitzern in einem Leserbrief an die Freiburger Zeitung vorwarf aus "Mammonismus" nur noch "Dirnengeschichten und Bordellszenen" zu zeigen. In der Sitzung der Vertrauensmänner des Zentrums am 25. Juli 1919 vertraten die Anwesenden die Meinung, daß der Film "die größte Schweinerei vor halbwüchsigen Personen männlichen und weiblichen Geschlechtes" zeige.

Deshalb beantragte das Zentrum in einem Antrag vom 20. Oktober, daß die Kinos nur noch eine Spielerlaubnis für die Zeit zwischen 8 und 10 Uhr abends erhalten sollten. Der katholische Jungmännerbund forderte sogar:

"Falls die Gesamtrichtung der in den Kinos aufgeführten Stücke dieselbe bleibt wie bisher, schließt die Stadt aus einfacher Notwehr sämtliche Kinobühnen, indem sie die Stromlieferung an die Lichtspieltheater endgültig verweigert, und läßt es auf den Prozeß gegen sich sowie auf die Entscheidung des Landtags ankommen"

Dem Ansinnen schloß sich ein großes Spektrum vor allem katholischer Vereine an: katholischer Frauenbund, Mütterverein, Elisabethenverein, Fürsorgeverein, Frauen-Vinzentius-Verein, Mädchenschutzverein, katholischer Lehrerinnenverein, kath. Kaufmännischer Verein Veritas, kath. Kaufmännischer Verein Treubund, Arbeiterinnenverein, Dienstbotenverein und der Handwerkerinnenverein an.

Der Jungmännerbund erhielt aber auch Unterstützung von Frauenvereinen abseits der katholischen Bewegung; das Spektrum der Unterzeichnerinnen reichte von der Sozialdemokratischen Frauensektion bis zur deutschnationalen Frauengruppe, dem Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten bis zum Hausfrauenbund, vom altkatholischen Frauenverein über dem Verband evangelischer Frauenvereine bis zum Israelitischen Frauenverein. Diese gemeinsame Plattform jenseits von Konfessions- und Parteigrenzen reichte eine eigene Antragsbegründung nach. In den beanstandeten Filmen würde nicht nur das Frauentum entwürdigt, sondern sie verstießen auch gegen die allgemeinen Sittlichkeitsvorstellungen:

"Die vorgeführten Filme verderben unsere Jugend und unser Volk. Sie verbreiten den Geist der Faulheit und der Genusssucht [sic!], des Bordell- und Dirnenwesens. Sie verherrlichen das Abenteuer- und Verbrechertum und Zersetzen das gesunde Gefühl für Familie und Ehe. Eine Flut von Schmutz wird über unsere Stadt ausgegossen"

Am 27. September meldete sich der Intendant des Freiburger Stadttheaters Schwantge zu Wort und forderte eine lokale Zensurbehörde nach elsässischem Vorbild. In Mühlhausen beurteilte der örtliche Theaterdirektor als Zensor das Kinoprogramm. Damit könnten nach Schwantges Meinung auch in Freiburg die Auswüchse der Kinos bekämpft werden und große ernste Kunst gefördert werden. Nicht zuletzt sei der schlechte Besuch der großen Klassiker und anderer ernster künstlerischer Schauspielaufführung dieser Entwicklung zu verdanken.

Sogar die Zeitung der Sozialdemokratie, die Freiburger Volkswacht, stellte sich auf die Seite der Konservativen, obgleich sie sich von der generellen kulturpolitischen Stoßrichtung des Zentrums, die sich z.B. auch gegen Theaterstücke von Frank Wedekind richtete, distanzierte.

"Müssen wir wirklich da bloß mit geballten Fäusten zusehen wie die durch die Roheit der Kriegsjahre erkrankten Seelen mit ekler, infektiöser Jauche überflutet werden?".

Konsequenz der Diskussion war die Einrichtung einer neuen lokalen Zensurkommission – eine einheitliche gesetzliche Regelung fehlte zu diesem Zeitpunkt noch -, die aus den bisher damit befaßten Polizeibeamten Raus, Hölle und Umbauer sowie aus sechs Bezirksratsmitgliedern ( Klett, Klieber, Hörburger, Marbe, Schramm und Zimmermann) gebildet wurde.

Diese Kommission besuchte nach einem festgelegten Fahrplan zweimal pro Woche jedes der drei Freiburger Kinos. Die Kinobesitzer stimmten dieser Regelung zu, da sie damit noch am glimpflichsten aus der Sache herauskamen. Gleichzeitig verwahrten sie sich gegen die Forderung eine Vorzensur vor der Programmierung des Filmes durchführen zu lassen.

Das Ansinnen, ihre Spielzeit auf zwei Stunden abends einzuschränken, konnten sie augenscheinlich mit dem Hinweis auf den darauf folgenden unvermeidlichen wirtschaftlichen Ruin abwenden.

Die Kinomacher setzten sich gegen die Kinohetze zur Wehr: Zum einen würden die Freiburger Kinos zur Zeit sowieso nur zu verkürzten Zeiten spielen, zum anderen erziele die Stadt durch die von Kinos bezahlte Lustbarkeitssteuer nicht unbeträchtliche Einnahmen. Und endlich würden durch eine Reduzierung der Spielzeiten viele Kinoangestellte arbeitslos werden und damit zu Empfängern von staatlicher Unterstützung.

Die Diskussion um die Überwachung der Lichtspielhäuser wurde in den Jahren unmittelbar nach Kriegsende nicht nur auf kommunaler Ebene geführt, sowohl der badische Landtag als auch die Nationalversammlung diskutierten, ausgelöst durch Filme der unmittelbaren Nachkriegszeit, über die Filmzensur. Schließlich wurde am 15. Mai 1920 ein Reichsgesetz zur einheitlichen Regelung der Filmzensur in Kraft gesetzt.

Ein kommunales Kino für Freiburg

Die Forderung nach einem kommunalen Kino war keine originäre Idee der 1970er Jahre. Sie entwickelte sich bereits in den frühen zwanziger Jahren, wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Im Rahmen der Auseinandersetzung um die sogenannten Aufklärungsfilme kam auch in Freiburg die Überlegung auf, ein Kino in städtischer Regie einzurichten.

Das Anliegen wurde in die Diskussion um Filmzensur, wenn auch mit unterschiedlichen Implikationen, von der Stadtverwaltung und der sozialdemokratischen Volkswacht eingebracht. Die Volkswacht forderte nicht nur die Kommunalisierung der Kinos, sondern die Sozialisierung der Filmindustrie.

Die Stadtverwaltung prüfte, ob und wie eine Kommunaliserung für die Stadt zu bewerkstelligen wäre. Dazu beauftragte der Stadtrat die Leiter des Rechnungsamtes und des Verkehrsamtes, Daten und Information über die Kinosituation in Freiburg zusammenzutragen. Mit der Raumsuche wurde das städtische Hochbauamt beauftragt. In seinem Bericht zieht Gruber, Leiter des Amtes, Bilanz über die Raumsuche. Geeignet wäre seiner Meinung von der Freiburger Kinos nur der Friedrichsbau. Dieser habe eine sichere und bequeme Anlage. Einen städtischen Raum, der als Kino genutzt werden könnte, wie z.B. Aulen oder das alte Theater an der Sedanstraße, gäbe es nicht. Ein Neubau könnte jedoch in der Hildaschule erstellt werden. Dies würde allerdings ungefähr 100 000 Mark kosten. Das städtische Rechnungsamt kommt zum Ergebnis, daß nach Besucherzahlen, Einnahmen und Lustbarkeitssteuern sich mit der Kommunalisierung der Kinos ein Betriebsüberschuß für die Stadtkasse erzielen lassen würde. Allerdings gibt das Amt zu bedenken, daß der Umsatz natürlich auch von den gezeigten Filmen abhinge:

"Es ist eine betrübende und bezeichnete Erscheinung, daß die belehrenden Filme nicht die Einnahmen erbringen, die der Unternehmer von den sogenannten zugkräftigen Stücken mit Sicherheit erwarten darf."

Der Leiter des städtischen Verkehrsamtes Dufner gab zu bedenken, daß sein Amt im Frühjahr 1919 ein Schulkino in städtischer Regie eröffnen wollte. Dieses Vorhaben sei aber durch Ermangelung eines geeigneten Raumes gescheitert. Zudem lägen ihm keinerlei Angaben zu den Hauptkosten des Kinobetriebs, nämlich den Filmmieten und der Reklame, vor.

Er betonte, daß Filme als Handelsware keine festen Preise hätten:

"Selbst für denselben Film können die Preise von einigen Hundert bis zu einigen Tausend Mark schwanken. Ein Film-Schlager z.B., der von einem Kino sofort nach dem Erscheinen erworben wird, kann auf 2-3000 Mark zu stehen kommen, während er am Ende seiner Tournee nur noch 5-800 Mark kostet. Hierin das Richtige zu treffen und Ein- und Ausgaben in erträgliches Verhältnis zu setzen, ist die hauptsächliche Geschäftsaufgabe der Kinotheater-Besitzer. Von zugkräftigen Films hängt der Besuch und damit die Rentabilität des Kinotheaters ab. Zugkräftige Films sind aber um ein mehrfaches teurer als "matte Ware".

Den Effekt der Kommunalisierung auf die künstlerische und sittliche Qualitätsverbesserung beurteilte Dufner skeptisch, eine Verbesserung in dieser Hinsicht könnte eher durch den Einfluß auf Filmproduktion und –handel erzielt werden.

Nach diesen ernüchternden Rechercheergebnissen versandete damals das Interesse an einem kommunalen Kino.

Ausblick auf die weitere Kinogeschichte

Wie wir gesehen haben, siedelten sich alle Kinos bis 1919 im unmittelbaren Stadtzentrum an. Sie nutzten zunächst bereits vorhandene Gebäude der Innenstadt, wie ein Ladengeschäft (Welt-Kinematograph) oder Varietésäle bzw. Nebenräume von Gaststätten (Apollo, Amerikan-Biograph, Zentral). Diese zentrale Lage entsprach den Wünschen des Kinopublikums, Stammgäste waren nicht in erster Linie Arbeiter, sondern Frauen, Kinder und Jugendliche, die ihren Aufenthalt in der Stadt zu einem oftmals auch spontanen Kinobesuch nutzten. So erging 1912 die Anweisung des Bezirksamtes Freiburg an die Schulkommission, die Kinematographen so zu überwachen, daß Kinder nur spezielle Kindervorstellungen besuchen dürften. Auch in Begleitung ihrer Eltern dürften sie keine andere Vorstellung anschauen.

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs gab es in Freiburg noch drei Kinos: Das Central.-Kino (Schiffstraße 8), die Kammerlichtspiele (früher Friedrichsbau, Kaiserstraße 150) und das Weltkino (Kaiserstraße 68).

Am beliebtesten war 1919 das Zentral mit 232.752 Zuschauern, während das Welt-Kino nur von 147.532 und der Friedrichsbau sogar nur von 53.980 Kinogängern aufgesucht wurde. Die Freiburger/innen gingen durchschnittlich sieben Mal pro Jahr ins Kino.

In den nächsten beiden Jahren vollzog sich eine Konzentration auf dem Freiburger Kinomarkt.

Das Zentralkino übernahm nicht nur den Friedrichsbau, dessen Kauf die Kinoleitung in einer Anzeige in der Freiburger Zeitung wie folgt begründete:

"Das hiesige Lichtspieltheater zum Friedrichsbau ist durch Kauf in unseren Besitz übergegangen. Der seitherige Besitzer, Herr Alfred Flügel, wird das Theater bis Mitte August 1920 weiterbetreiben. Eröffnung unter anderem Namen nach vollständiger Renovierung. Anfang September. Durch die Vereinigung zweiter Lichtspieltheater am Platze (Zenral-Theater, Schiffstraße 9 und Lichspieltheater zum Friedrichsbau Kaiserstraße 150), sind wir durch Verringerung der Betriebskosten in die Lage versetzt, unseren verehl. Besucherinnen und Besuchern noch Besseres wie seither zu bieten. Für die kommende Spielzeit haben wir uns nur Groß-Filme der größten deutschen Fabrikate (im Genre von Herrin der Welt) UFA, Decla usw. in Erstaufführung gesichert. Durch unseren erprobten Hauskapellmeister werden die Films absolut tonrein feinsinnig und künstlerisch illustriert. Durch bewährte Fachleute mit langjähriger Praxis, niedere Betriebsspesen, äußerst günstige Abschlüsse nur erstklassiger Films bis Sommer 1921, setzen wir uns in den angenehmen Stand, jeder Konkurrenz die Spitze zu bieten".

Auch das älteste Kino, der Welt-Kinematograph, wurde vom Zentral aufgekauft. Aber das Zentralkino wechselte den Betreiber und Besitzer. Karl Thoma, zuvor nur anteilsmäßiger Gesellschafter des Zentralkinematographen GmbH, erwarb den Kinobetrieb. Bis 1924/25 zeigt der Welt-Kinematograph in der Kaiserstraße Filme, dann ist seine Zeit als Kino beendet. Der Hauseigentümer Otto Hackenjos eröffnet in den Räumen des Kinos ein Schuhgeschäft.

1921 wurde das Casino-Kino in der Belfortstraße neu eröffnet. Geschäftsführer waren bei der Eröffnung Mathias Göringer, Kaufmann aus Karlsruhe, der Freiburger Kaufmann Kurt Kitt, Leiterin des Kinos war Vera Bern.

Der Complex Casino umfaßte nicht nur ein Kino, sondern auch ein Restaurant, ein Café, eine Konditorei und Weinstuben. Die Leiterin des Casino-Kinos, Vera Bern, prophezeite in der Fachzeitung "Der Kintematograph", daß in Freiburg Filmgeschichte geschrieben werden würde:

"Das Casino soll das schönste Kino von ganz Baden sein. Schon möglich. Uebrigens ist das Casino nicht nur ein Kino, sondern eine ganze Mausefalle, wie die Casinos der französischen Modebäder: eine Kombination von angenehmen Möglichkeiten.(...) Alle Achtung vor so einer Stadt, die noch vor kurzem von allem Großstadttum unbeleckt war. Aber das ist nicht alles! Es gibt noch viel mehr hier. Es gibt eine Filmfabrikation [Berg- und Sportfilm; M.Burkhardt]. Nein, nicht den Welt-Kinematographen meine ich, das heißt, den gibt’s auch, sondern etwas ganz Besonderes, ganz Neues! Etwas Junges. Etwas symthathisches! Etwas, was mich mit Stolz erfüllt für unsere deutsche Kinematographie, die wieder einmal bahnbrechend wirkt."


 
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