MITTWOCHSKINO

WARTEN AUF DAS GLÜCK | BAB‘AZIZ | DAS VERLORENE HALSBAND DER TAUBE


WARTEN AUF DAS GLÜCK

HEREMAKONO – EN ATTENDENT LE BONHEUR

Buch und Regie: Abderrahmane Sissako | Kamera: Jacques Besse | Musik: Anouar Brahem, Oumou Sangare | mit Maata Ould Mohamed Abeid, Khatra Ould Abdel Kader, Mohamed Mahmoud Ould Mohamed
| Mauretanien/Frankreich 2002 | OmU | 90 Min. |

Nouadhibou, eine Kleinstadt an der Küste Mauretaniens, ein Ort des Transits. Abdallah besucht vor seiner Abreise nach Europa noch einmal seine Mutter. Er sitzt in seinem Zimmer mit dem ebenerdigen Fenster und beobachtet das Leben auf der Straße als Fremder, da er die lokale Sprache nicht spricht. Fixiert auf Europa, bleibt er zunächst distanziert. Aber im Lauf der Zeit nähert er sich einigen Bewohnerinnen und Bewohnern der kleinen Stadt an, beginnt, sich für sie und ihr Leben zu interessieren. Soll er überhaupt noch fortgehen oder doch nicht? – Abderrahmane Sissako schildert in ruhigen und wunderschönen Bildern das Leben in dieser afrikanischen Kleinstadt, zeigt ihre Menschen mit großer Sympathie und subtilem Humor. Und er behandelt sein immer wiederkehrendes Thema vom Fortgehen oder Hierbleiben.

»Der eindrücklichste Film aus Afrika seit langem: ein Gedicht über die Wüste, das Warten, den Raum und die Zeit« (Walter Ruggle).

Ausgezeichnet mit dem Großen Preis als bester Film beim wichtigsten afrikanischen Festival von Ougadougou und mit dem Preis der internationalen Filmkritik in Cannes.

Mi 15.12., 19:30 | So 19.12., 17:30


BAB‘AZIZ

DER TANZ DES WINDES

Buch und Regie: Nacer Khemir | Kamera: Mahmoud Kalari | mit Parviz Shaminkou, Maryam Hamid, Hossein Panahi
| Tunesien/Iran/F/D 2003 | OmU | 98 Min. |

Zwei einsame Gestalten sind unterwegs in einem Meer aus Sand: Ishtar, ein lebensfrohes Mädchen, und ihr Großvater, der blinde Derwisch Bab‘Aziz. Ihr Ziel ist das große Derwisch-Treffen, das alle dreißig Jahre stattfindet und dessen Ort sich nur wenigen offenbart. Auf ihrem Weg durch die märchenhaft verwunschene Wüste begegnen sie anderen Wanderern und deren Geschichten: Osman etwa, der sich nach den schönen Mädchen verzehrt, die er am Grunde eines Brunnens gefunden hat; Zaid, der mit seinem Gesang eine hinreißende Frau verführt und wieder verloren hat; oder dem Prinzen, der sein Reich aufgibt, um Derwisch zu werden. Während Bab‘Aziz seiner inneren Orientierung auf dem Weg durch die endlose Weite folgt, erzählt er seiner Enkelin immer neue Geschichten und tröstet das Mädchen mit seinen Legenden auch in den kalten Wüstennächten. Schließlich gibt er Ishtar vor den Toren der verfallenen Stadt Bam noch einen letzten Kuss, bevor er sie mit Zaid in den Strudel aus wilden Farben und betörenden Klängen schickt, durch den sich das Treffen von weitem ankündigt. Denn für den alten Mann ist die Zeit gekommen, mit dem Sand zu verschmelzen…

Das episodisch verflochtene Erzählen Nacer Khemirs steht ganz in der Tradition arabischer Erzählkultur: Aus einer Geschichte entwickelt sich eine andere, und aus dieser eine weitere und so fort, wobei ihre Vielzahl für die unterschiedlichen Wege stehen, die zur Erkenntnis führen. Die Liebe – für die die arabische Sprache allein sechzig verschiedene Begriffe kennt – ist das Schlüsselmotiv, das die Geschichten miteinander verbindet. Und sie ist ein zentrales Motiv des Sufismus, jener islamischen Mystik, welche die Derwische verkörpern und die den Hintergrund dieses prächtigen, äußerst reichen Films bildet.

Mi 22.12., 19:30 | Do 23.12., 21:30 | So 26.12., 21:30 | So 02.01., 21:30


DAS VERLORENE HALSBAND DER TAUBE

TAWK AL HAMAMA AL MAFKOUF

Regie: Nacer Khemir
| Tunesien 1991 | OmU | 90 Min. |

Im Andalusien des 11. Jahrhunderts, der Blütezeit der andalusisch-arabischen Kultur, erlernt Hassan bei einem Meister der Kalligraphie die Kunst der arabischen Schönschrift. Seine Suche nach den verlorenen Blättern eines Manuskripts und den sechzig arabischen Begriffen für die kontrastreichen Facetten der Liebe schafft den Rahmen für einzelne, im Stil von »Tausend und eine Nacht« erzählte Episoden. Dabei beginnt die Grenze zwischen Realität und Illusion für den Schreiberling allmählich zu verschwimmen – er gerät in den Bann und in die Geschichte der Prinzessin von Samarkand, deren Bild er auf einer versengten Buchseite ständig bei sich trägt.

Mi 29.12., 19:30