MITTWOCHSKINO: DIE DRITTE WELT IM ZWEITEN WELTKRIEG

AUSSTELLUNG, VORTRÄGE, LESUNG, HIP-HOP-TANZTHEATER

Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Allein Indien stellte 2,5 Millionen Kolonialsoldaten und China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Rekruten aus den Kolonien, ob Freiwillige oder Zwangsverpflichtete, mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre »weißen Kameraden« abfinden. Weite Teile der Dritten Welt dienten als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Fakten wie diese kommen in der hiesigen Geschichtsschreibung bislang kaum vor.

Die Ausstellung Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg erinnert mit Fotos, Texten, Video- und Hörstationen daran. Sie wird am 4. November um 19:00 Uhr im Centre Culturel Français Freiburg und in der Galerie im Alten Wiehrebahnhof (Kommunales Kino) eröffnet und ist bis zum 22. Januar zu sehen. Die Ausstellung wird begleitet von Filmen, einer Lesung, Vorträgen, Führungen und einem spektakulären Hip-Hop-Tanztheater.

In Kooperation mit: recherche international e. V., Rhein-sches JournalistInnenbüro, informationszentrum 3. welt (iz3w), Centre Culturel Français und Eine Welt Forum.

Veranstaltungen im November 2010:
EINFÜHRUNG IN DAS CINEASTISCHE BEGLEITPROGRAMM: DER FREUND AUS DEN KOLONIEN | EINE FRAGE DER EHRE
CAMP DE THIAROYE | INDIGÈNES – TAGE DES RUHMS | UNTERWEGS ALS SICHERER ORT | LESUNG FÜR KINDER: | ALICE CHERKI:

Dezember 2010:
DOPPELPROGRAMM: GESCHICHTE WIRD GEMACHT – HISTOIRES VIVES | AUCH AFRIKANER HABEN DAS ELSASS BEFREIT
DEUTSCHE PROPAGANDA GEGEN AFRIKANISCHE KOLONIALSOLDATEN

weitere Veranstaltungen:
ANGELS OF WAR – KRIEGSENGEL | THEMENABEND »TROSTFRAUEN« – ZWANGSPROSTITUIERTE DER JAPANISCHEN ARMEE | »DIE VERGESSENEN BEFREIER«

Begleitausstellung:
FREIBURG, DEUTSCHE KOLONIALGESCHICHTE UND AFRIKA

FILME

In Afrika sind die Folgen des Zweiten Weltkriegs bis heute präsent. Insbesondere afrikanische Filmemacher haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt, wie z. B. Ousmane Sembène, der erste, auch international anerkannte Filmemacher Afrikas, der selbst als Kolonialsoldat an der Befreiung Deutschlands teilgenommen hat. Nach der Unabhängigkeit Senegals hat er seine Kriegserfahrungen in dem preisgekrönten Film Camp de Thiaroye (1987) verarbeitet. Jüngeren Datums ist der Spielfilm Indigènes des algerischen Regisseurs Rachid Bouchareb, der von vier maghrebinischen Soldaten erzählt, die im Zweiten Weltkrieg für die Befreiung Frankreichs von den Nazis kämpfen. Neben Spielfilmen sind herausragende Dokumentarfilme wie Baroud d’honneur und C’est nous les Africains… zu sehen, die sich sechs Jahrzehnte später mit der Geschichte und der Lebenssituation afrikanischer Kolonialsoldaten beschäftigen.


EINFÜHRUNG IN DAS CINEASTISCHE BEGLEITPROGRAMM

VON KARL RÖSSEL (Rheinisches JournalistInnenbüro Köln)

DER FREUND AUS DEN KOLONIEN

L’AMI Y’A BON

| Frankreich 2005 | OmU | 9 Min. | Regie: Rachid Bouchareb |

Animationsfilm des algerischen Regisseurs Rachid Bouchareb über einen senegalesischen Kriegsheimkehrer in Erinnerung an das Kolonialmassaker von Thiaroye 1944.


EINE FRAGE DER EHRE

BAROUD D’HONNEUR

| Frankreich 2006 | OmU | 54 Min. | Regie: Grégoire Georges-Picot |

Sechzig Jahre nach Landung der alliierten Truppen in der Provence (1944) sind erstmals auch fünfzehn afrikanische Veteranen zu den Gedenkfeierlichkeiten nach Frankreich eingeladen. Sie stehen stellvertretend für hunderttausende Afrikaner, die für die Befreiung Europas vom Faschismus ihr Leben riskierten. Die Kamera folgt zwei von ihnen: den Marokkanern El Ghazi Amnaye und Hammou Lhedmat.

Es ist ihr erster Besuch in Frankreich seit Kriegsende und dabei erfahren sie, dass sie als Kriegsteilnehmer das Recht auf französische Pensionszahlungen haben, wenn sie mindestens neun von zwölf Monaten im Jahr in Frankreich leben. So landen sie schließlich in einem der trostlosen Heime in Südfrankreich, in dem Dutzende alte Kämpfer aus Nordafrika eher verbittert und isoliert die Zeit totschlagen, um ihren Familien zu Hause mit den – nur in Frankreich ausgezahlten – Kriegsrenten das Überleben zu sichern.

Fr 05.11., 19:30, zu Gast: Karl Rössel


CAMP DE THIAROYE

DAS LAGER VON THIAROYE

Regie: Ousmane Sembène
| Senegal 1987 | OmeU | 147 Min. |

Spielfilm des senegalesischen Regisseurs Ousmane Sembène über das Massaker, das französische Streitkräfte 1944 in der Kaserne von Thiaroye am Stadtrand von Dakar an revoltierenden westafrikanischen Kriegsheimkehrern verübten, denen man den Sold verweigert hatte. Die Kriegsheimkehrer, darunter Männer aus allen Teilen der Kolonie »Französisch Westafrika« (von Mali und Niger über Obervolta und Guinea bis zur Elfenbeinküste und dem Senegal) hatten ihren ausstehenden Sold und die versprochenen Entlassungsprämien eingefordert. Ein Klassiker des afrikanischen Kinos, in dem Sembène auch eigene Erfahrungen als Kolonialsoldat in der Armee des »Freien Frankreich« verarbeitet hat.

Mi 10.11., 19:30, Einführung: Birgit Morgenrath (Rheinisches JournalistInnenbüro Köln)


INDIGÈNES – TAGE DES RUHMS

Regie: Rachid Bouchareb
| Algerien/Marokko/F/B 2006 | OmU | 119 Min. |

Der algerische Regisseur Rachid Bouchareb erzählt die Geschichte von vier Kolonialsoldaten der französischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg: von ihrer Rekrutierung in Nordafrika bis zu ihren Fronteinsätzen gegen die deutsche Wehrmacht in Italien, der Provence und schließlich in einem abgelegenen Dorf im Elsass. Mit großartigen Schauspielern, die in Cannes 2007 kollektiv als beste männliche Hauptdarsteller ausgezeichnet wurden, erinnert dieser Film an die weitgehend vergessene Beteiligung von hunderttausenden afrikanischer Soldaten an der Befreiung Europas.

Di 16.11., 19:30, ciné club mit einer Einführung von Flavien Le Bouter und Mathias Schillmöller |
| Fr 19.11., 21:30 | Sa 20.11., 19:30


UNTERWEGS ALS SICHERER ORT

Regie: Dietrich Schubert
| Deutschland 1997 | 92 Min. |

Im Jahre 1942 wird der Großvater des Kölner Schriftstellers Peter Finkelgruen im KZ Theresienstadt ermordet. Die Auseinandersetzung mit dem Mord an seinem Großvater ist für Peter Finkelgruen zu einer Spurensuche nach der Geschichte seiner Familie geworden. In Begleitung des Filmemachers Dietrich Schubert begab er sich auf die Reise zu Stationen ihres Lebens von Köln über München und Prag bis nach Haifa und Theresienstadt. Dazwischen lagen die Jahre im jüdischen Ghetto von Shanghai, wo Finkelgruens Vater gestorben ist.

Die Dokumentation zeigt nicht nur das Schicksal dieser jüdischen Flüchtlingsfamilie, sondern erinnert auch an die Situation verfolgter Juden in der chinesischen Hafenstadt und an den Umgang der Bundesrepublik mit Nazi-Tätern.

Mi 24.11., 19:30, zu Gast: Der Schriftsteller Peter Finkelgruen


LESUNG FÜR KINDER:

OPA UND OMA HATTEN KEIN FAHRRAD – KINDHEIT IM KRIEG IN SHANGHAI UND DEUTSCHLAND

| für Kinder von 10 bis 12 Jahren |

Der jüdische Schriftsteller Peter Finkelgruen und seine Frau Gertrud Seehaus lesen aus ihrem Buch Opa und Oma hatten kein Fahrrad, in dem sie ihre Kriegserlebnisse in Shanghai und im Saarland beschreiben.

Peter Finkelgruen wurde im jüdischen Ghetto von Shanghai geboren und hat dort seinen Vater verloren; Gertrud Seehaus hat den Krieg in Deutschland als Kind miterlebt.

Do 25.11., 11:00 | Galerie


ALICE CHERKI:

DAS VICHY-REGIME IN ALGERIEN

Die Publizistin Alice Cherki spricht über das Vichy-Regime in Algerien und die Bedeutung des Zweiten Weltkrieges für die antikolonialen Theorien Frantz Fanons. Die Psychiaterin

Alice Cherki stammt aus Algerien, wo sie in den 1950er Jahren an der Seite Fanons kämpfte. Vortrag auf Französisch. Übersetzung von Beate Thill.

In Zusammenarbeit mit dem Frankreich-Zentrum der Universität.

Fr 26.11., 20:00 | Centre Culturel Français Freiburg


DOPPELPROGRAMM:

GESCHICHTE WIRD GEMACHT – HISTOIRES VIVES

Regie: Fitouri Belhiba und Jean-Marie Fawer |
| Frankreich 2007 | OmU | 52 Min. |

HISTOIRES VIVES ist eine Dokumentation über die Entstehung des HipHop-Musicals Die vergessenen Befreier (A Nos Morts), in der die Beteiligten auch ihre persönliche Beziehung zum Thema Kolonialsoldaten schildern. »Wir haben es zur Aufgabe gemacht, die Seiten der französischen Geschichte zu füllen, die bislang fehlten«, sagt Yassine, einer der Choreographen der Künstlergruppe. Die französischen Musiker und Tänzer erinnern auf eindrucksvolle Weise an die Kolonialsoldaten: mit HipHop-Songs und Break-Dance vor Video-installationen mit historischen Filmausschnitten und Fotos.
Aufführung des HipHop-Tanztheaters: Di 22.03.2011, 20:00 und 11:00 (Schulvorstellung) im E-Werk.


AUCH AFRIKANER HABEN DAS ELSASS BEFREIT

C’EST NOUS LES AFRICAINS… EUX AUSSI ONT LIBÉRÉ L’ALSACE

| Frankreich 1994 | OmU | 26 Min. | Regie: Jean-Marie Fawer |

Überlebende Kolonialsoldaten aus Nordafrika berichten in Interviews, wie sie rekrutiert und in de Gaulles Armee des »Freien Frankreich‹« diskriminiert wurden. Einige blieben im Elsass und wurden »auf dem Papier Franzosen«... sie fühlen sich aber auch ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende nicht als gleichberechtigte Menschen anerkannt. In Anwesenheit des Regisseurs Jean-Marie Fawer und des Zeitzeugen Mechri Miloud, Veteran der 3. division d’infanterie algérienne.

Mi 01.12., 19:30, in Anwesenheit des Regisseurs Jean-Marie Fawer und des Zeitzeugen Mechri Miloud, Veteran der 3. division d’infanterie algérienne


DEUTSCHE PROPAGANDA GEGEN AFRIKANISCHE KOLONIALSOLDATEN

Vortrag der Historikerin Sandra Maß mit einer Einführung von Heiko Wegmann, freiburg-postkolonial/iz3w

Mo 06.12., 20:00 | Centre Culturel Français Freiburg


ANGELS OF WAR – KRIEGSENGEL

Regie: Andrew Pike, Hank Nelson, Gavan Daws
| Australien 1982 | OmeU | 54 Min. |

Preisgekrönter Dokumentarfilm über die Folgen des Zweiten Weltkrieges für die BewohnerInnen Neuguineas.

Mi 12.01., 19:30, Einführung: Heiko Wegmann, freiburg-postkolonial/iz3w


THEMENABEND »TROSTFRAUEN« – ZWANGSPROSTITUIERTE DER JAPANISCHEN ARMEE

63 YEARS ON

| Südkorea 2008 | 60 Min. | Regie: Kim Dong-Won |

Mit Interviews und Archivmaterial dokumentiert der Film die sexuelle Versklavung von hunderttausenden Frauen durch die japanischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs in Asien.

Mi 19.01., 19:30, Zu Gast: Nataly Jung-Hwa Han (Koreaverband) und der Fotograf Dsukasa Yajima


»DIE VERGESSENEN BEFREIER«

Hip-Hop-Tanztheater aus Strasbourg in Erinnerung an die französischen Kolonialsoldaten im 1. und 2. Weltkrieg.

Di 22.03., 11:00 (Schulaufführung) und 20:00 (Abendvorstellung)
Eintritt: 6,00 Eur (Schulauf.), 12,00 Eur(ermäßigt)/15,00 Eur (Abendv.) Tickets: www.reservix.de |


BEGLEITAUSSTELLUNG:

FREIBURG, DEUTSCHE KOLONIALGESCHICHTE UND AFRIKA

18.11.–17.12.2010, Mo–Fr 10:00–16:00 im informationszentrum 3. welt (iz3w) Freiburg