80 JAHRE JEAN-LUC GODARD

»Der Film ist die Wahrheit 24 mal in der Sekunde.«
Jean-Luc Godard

Jean-Luc Godard ist einer der großen Innovatoren und Theoretiker des Europäischen Kinos: Zunächst Filmkritiker in den »Cahiers Du Cinema«, markiert der 1960 gedrehte AUSSER ATEM den Beginn der »Nouvelle Vague«. Godards Filme zeichnen sich durch eine tiefe Reflexion des Mediums Film und seiner emanzipatorischen Möglichkeiten aus. Sie sind Film und Filmtheorie zugleich.

DÉTECTIVE | DIE GESCHICHTE DER NANA S. | LE MÉPRIS


DÉTECTIVE

Regie: Jean-Luc Godard | mit Laurent Terzieff, Aurelle Doazan, Jean-Pierre Léaud, Nathalie Baye, Claude Brasseur, Johnny Hallyday
| Frankreich 1985 | DF | 98 Min. |

Die irreale Traumlandschaft eines Pariser Luxushotels wird zum Treffpunkt eines kuriosen Ensembles. Im Mittelpunkt stehen der Pilot Emile und seine Ehefrau Françoise, die sich nicht nur über Geld, Liebe und ihre gescheiterte Beziehung unterhalten, sondern sich auch darum bemühen, vom Boxmanager Jim Fox-Warner eine hohe Geldsumme einzutreiben, die er ihnen seit Jahren schuldet.

DÉTECTIVE ist ein hochamüsantes Puzzlespiel und eine lässige Hommage an den Film Noir. Godards referenzenreiche Geisterbahnfahrt durch das Zeichensystem Kino ist eine Mischung aus Banalität und Absurdität, die gerade in ihrer Kombination einen lakonischen Humor entwickelt, der den Meister der Nouvelle Vague in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

So 21.11., 19:30 | Di 23.11., 21:30


DIE GESCHICHTE DER NANA S.

VIVRE SA VIE: FILM EN DOUZE TABLEAUX

Regie: Jean-Luc Godard | mit Anna Karina, Sady Rebbot, Monique Messine, André S. Labarthe, Guylaine Schlumberger
| Frankreich 1962 | OmU | 79 Min. |

Eine junge Frau wird Prostituierte, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann, und findet bei einem Streit unter Zuhältern den Tod. Der durch Zwischentitel in zwölf Kapitel gegliederte Film ist Godards erster Versuch, die bislang übliche Film-Erzählung durch einen Film-Essay zu ersetzen. Die häufige Diskrepanz zwischen Bild und Ton sowie das scheinbar willkürliche Nebeneinander gegensätzlicher Stilmittel (starre und bewegliche Kamera, Montage- und Plansequenzen, Abblende und Schnitt) hält den Zuschauer auf Distanz und zwingt ihn, mitzudenken statt mitzufühlen. Indem Godard sozusagen Brechts Theorie des epischen Theaters auf den Film anwendet, vollzieht er den bis dahin radikalsten Bruch mit dem klassischen Erzählkino.

Mi 24.11., 22:00 | Do 25.11., 21:30 | Mi 01.12., 22:00


LE MÉPRIS

DIE VERACHTUNG

Regie: Jean-Luc Godard | mit Silvia Pinal, Fritz Lang, Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Georgia Moll |
Frankreich/Italien 1963 | OmU | 95 Min. |

Die Ehe eines Drehbuchautors zerbricht bei den Arbeiten zu einem Film über die Irrfahrten des Odysseus, weil seine Frau glaubt, er wolle sie an den Produzenten abtreten, um die eigene Position zu sichern.

Godards Film über das Filmemachen und die Welt des Films, komponiert in auffälliger Farbdramaturgie: Braun, Gelb und Grün dominieren bei den Außenaufnahmen; Rot, Blau und Weiß in den Innenräumen. Ein berühmter Film, der seinen inszenatorischen Reichtum in einer Vielzahl von Zitaten und Anspielungen, Dopplungen und Brechungen offenbart und damit zu einem faszinierenden Dokument unermüdlicher (Selbst-)Reflexion wird.

Do 25.11., 19:30, Einführung : Flavien Le Bouter und Mathias Schillmöller | Fr 26.11., 21:30 | So 28.11., 21:30