MITTWOCHSKINO: CINE ARGENTINO – FERNANDO SOLANAS

Anlässlich der diesjährigen Buchmesse, bei der Argentinien Ehrengast ist, zeigen wir Werke von Fernando Solanas, dem wohl bekanntesten argentinischen Regisseur.

Mit LA HORA DE LOS HORNOS, einem revolutionären dokumentarischen Filmessay über die Ausbeutung Lateinamerikas, gelangte er 1968 zu Weltruhm. Während der Militärdiktatur verbrachte er mehrere Jahre im Pariser Exil, in einem Zustand der Sehnsucht, den er filmisch in TANGOS – EL EXILIO DE GARDEL thematisiert. Nach seiner Rückkehr beschwört Solanas in SUR und EL VIAJE mit phantastischen, wenn nicht surrealen Bildern die Melancholie, aber auch das utopischen Potenzial seines Landes herauf. Stets ist Musik ein integraler Bestandteil der Filme: Astor Piazzollas Soundtrack zu SUR ist weltbekannt und EL VIAJE ist nicht nur ein Roadmovie, sondern auch eine musikalische Reise durch Lateinamerika.

Nicht nur Solanas Filmschaffen zeugt von seinem politischen Engagement. Von 1993–97 war er Abgeordneter im argentinischen Parlament, wendete sich aber nach Ablauf der Legislaturperiode wieder dem Kino zu. Die breite Protestbewegung vom 19. und 20. Dezember 2001 trieb ihn mit der Kamera auf die Straße. MEMORIA DEL SAQUEO ist eine eindringliche Beschreibung der politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die das Land zusammenbrechen ließen.

SUR | LA HORA DE LOS HORNOS | TANGOS – EL EXILIO DE GARDEL | EL VIAJE

SUR

SÜDEN

Regie und Buch: Fernando E. Solanas | Kamera: Felix Monti | Musik: Astor Piazzolla
| Argentinien/Frankr. 1998 | OmU | 127 Min. |

Ein Mann kehrt zurück. Fünf Jahre lang war Floreal als politischer Flüchtling in Gefängnissen und Lagern in Patagonien. Es ist 1983, das Ende der Militärdiktatur. Floreal wandert ruhelos durch das nächtliche Buenos Aires. Die lange Nacht, die SUR beschreibt, ist das Resümee aller Nächte und eines ganzen Lebens. Eine Rückkehr in eine veränderte Stadt, in einen politischen Umbruch, in eine frühere Liebesgeschichte. Alles ist neu und anders: das alte Viertel, die Lokale, Gesichter, Geräusche, der Klang des Bandoneons.

In ausdrucksstarken Bildern komponierter, mit wehmütig-begehrlicher Tango-Musik unterlegter, poetisch verdichteter Film, der die Sehnsucht nach Glück und Freiheit bildhaft macht und sich für die Überwindung gesellschaftlicher und privater Hindernisse ausspricht.

Mi 08.09., 19:30 | Fr 10.09., 21:30 | So 12.09., 17:30


LA HORA DE LOS HORNOS

DIE STUNDE DER FEUER

Regie: Fernando Solanas
| Argentinien 1968 | OmU | 96 Min. |

Ein Klassiker des politischen Kinos ist LA HORA DE LOS HORNOS. Sein revolutionärer Inhalt hat den Studentenbewegungen in Nord- und Südamerika sowie in Westeuropa entscheidende Impulse gegeben. LA HORA DE LOS HORNOS – »Notizen und Zeugnisse zum Neokolonialismus, zur Gewalt und zur Befreiung«, so der Untertitel – war viele Jahre lang in Lateinamerika verboten.

Wir zeigen den ersten Teil des mehrstündigen Werks, in dem Solanas Argentinien als Beispiel der Kolonisierung Lateinamerikas analysiert. In dreizehn »Notizen« beschreibt er die Geschichte des Landes als eine Folge wechselnder Abhängigkeiten, enthüllt das System von Ausbeutung und Unterdrückung sowie seine Folgen: Analphabetismus,

Hunger, Krankheit, Prostitution; er führt die Gruppe der Besitzenden und ihre Herrschaftsformen vor und fordert schließlich mit dem Bild Che Guevaras zur Revolution auf.

Mi 15.09., 19:30


TANGOS – EL EXILIO DE GARDEL

Regie: Fernando Solanas
| Argentinien/Frankr. 1985 | OmU | 119 Min. |

Eine Gruppe – die vor dem argentinischen Militärputsch 1976 ins Pariser Exil geflohene Tanzgruppe – probt ein musikalisches Spektakel über den Tango. Juan uno, ein begnadeter Bandoneonspieler, erhält dabei von Juan dos, der in Buenos Aires geblieben ist und der Diktatur widersteht, das Buch mit der Geschichte des legendären Sängers Carlos Gardel. Die Inszenierung kommt jedoch zu keinem Abschluss...

Fernando Solanas entwirft eine zauberhafte Tangedia, eine Mischung aus Tanz, Komödie und Tragödie zum Thema Exil. Über der Handlung des Spielfilms schweben konstant schwermütige Tangorhythmen. Und Piazzollas Bandoneonklänge sind nicht nur auf der Tonspur omnipräsent, sondern beschwingen auch das Bild.

Mi 22.09., 19:30 | Fr 24.09., 21:45 | So 26.09., 19:30


MEMORIA DEL SAQUEO

CHRONIK EINER PLÜNDERUNG

Regie: Fernando Solanas
| Argentinien 2004 | OmU |

Eine andere Welt ist möglich. Fernando Solanas beschreibt beeindruckend und ergreifend die katastrophalen Auswirkungen der Globalisierung. Er zeichnet die argentinische Krise der letzten Jahre nach und zeigt beispielhaft auch für andere Länder die Folgen neoliberaler Politik. Dabei arbeitet er mit Beobachtungen, Betrachtungen, Interviews und Archivmaterial, um Themen wie Korruption und Verschwendung öffentlicher Gelder in Privatisierungen zu thematisieren. Er setzt bei den Volksaufständen in Argentinien an, um zurückzublenden auf die Geschichte, die das reiche Land ruiniert hat.

Mi 29.09., 19:30


EL VIAJE

DIE REISE

Regie und Buch: Fernando E. Solanas | Kamera: Felix Monti | Musik: Egberto Gismonti, Astor Piazzolla und Fernando E. Solanas
| Argentinien/Frankr. 1991 | OmU | 139 Min. |

Die Suche nach dem Vater führt den 17-jährigen Martin, der mit seiner Mutter im antarktischen Süden Patagoniens lebt, quer durch ganz Lateinamerika. Seine Reise ist gleichermaßen die Geschichte seiner Selbstfindung und ein Bericht zur Lage des Kontinents. Martin entdeckt die reichen Mythen des Kontinents, die Geschichte der Azteken und der Indios in den Anden genauso wie die katastrophalen sozialen und ökologischen Zustände der Gegenwart.

»Ich will Lateinamerika durch das Prisma der Jugend wieder entdecken«, hat Fernando Solanas, dieser Márquez des Kinos, beim Erscheinen seines Filmes gesagt, »denn es gibt kein schöneres und kein rebellischeres Alter, das so voller Liebe, Träume und kritischer Hellsicht wäre wie dieses.«

Fr 01.10., 19:30 | So 02.10., 21:30