MONDO ANIMALE: FOTOAUSSTELLUNG & FILME (10.06. – 01.08.2010)

Alexandra Heneka hat Tiere im Zoo fotografiert. Die Meisterschülerin von Arno Fischer rückt surreale Aspekte der Begegnung von Mensch und Tier ins Zentrum ihrer Aufnahmen und schafft fotografische Werke von eindrucksvoller Intensität. Weder süß noch nützlich, auch nicht dokumentarisch oder anklagend rückt das fotografierte Tier im Zoo ins Bild. Der Betrachter der Fotografie tritt in einen zeitlich, räumlich und technisch vermittelten Dialog mit dem Tier im Gehege. In eng begrenzten Bildräumen entspinnt sich eine widerspruchsvolle und zugleich anregende Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch und Tier, von Betrachter und Betrachtetem, von Geborgenheit und Gefangenschaft.« (Sebastian Lux)

Alexandra Heneka, geb. 1969 in Triberg im Schwarzwald. Nach ihrem Studium der Soziologie und Ethnologie in Freiburg begann sie in Hamburg als Filmdramaturgin zu arbeiten. Seit 2006 besucht Alexandra Heneka den Meisterkurs für Fotografie bei Arno Fischer an der Ostkreuzschule in Berlin. Sie lebt in Hamburg und arbeitet als Filmdramaturgin, im Filmvertrieb der KurzFilm-Agentur Hamburg und als Fotografin.

Do 10.06., 19:00, Ausstellungseröffnung, in Anwesenheit von Alexandra Heneka, Einführung: Dr. Nicoletta Torcelli


Filme zur Ausstellung: TIERE IM ZOO

Was für Träume und Phantasien erzeugt die Beobachtung von Tieren in uns? Begleitend zur Ausstellung zeigen wir keine gewöhnlichen »Tierfilme«, sondern künstlerische, zum Teil auch experimentelle Arbeiten, einige davon als Freiburger Premieren. Ohne auf sprachliche Erklärungen zurückzugreifen, spüren sie dem vielschichtigen Verhältnis zwischen Mensch und Tier, Freiheit und Gefangenschaft, Beobachten und Beobachtetwerden nach. Im Juli wird die Reihe fortgesetzt.

I WENT TO THE ZOO THE OTHER DAY | KÄFIG | ELEFANTEN

Im Juli: ONCE UPON A TIME | RENDEZ-VOUS IM ZOO | THE ONE MAN VILLAGE | THE MUZZLED HORSE OF AN ENGINEER IN SEARCH OF MECHANICAL SADDLES


I WENT TO THE ZOO THE OTHER DAY

| Kanada 2009 | OmeU | 69 Min. | R: Luo Li |

Zwei junge Immigranten aus Ex-Jugoslawien. Zwei Freunde in der Fremde: zwei eigensinnige Beobachter im Zoo in Toronto. Danilo ist »down«. Dragana entführt ihn in den Zoo. Den ganzen Tang lang sondieren sie die Schaustellungen (und die anderen Zoobesucher). Unentwegt sprechen sie über Tiere.

Eine leise, vielschichtige Filmreflexion. Über Menschen und Tiere. Über die Wahrnehmung von anderen und Anderem. Und, im Vorzeichen globaler Migrationsbewegungen, über Gemeinsamkeiten von modernen Großstadtbewohnern und Zootieren. Vielschichtig ist auch die Projektgeschichte selbst. Idee und Planung entstanden in China, wo der Künstler Luo Li herstammt. In Kanada wurde der Film gedreht. Geschrieben und produziert zwar in englischer Sprache, doch mit serbischen Dialogen: in der Herkunftssprache der beiden Hauptdarsteller.

Do 10.06., 21:30, zur Ausstellungseröffnung MONDO ANIMALE


KÄFIG

| Deutschland 2009 | ohne Dialoge | 14 Min. | Regie: Karl Kels |

Einerseits ist ein Käfig eine reale Sache, andererseits kann er auch als Metapher für verschiedene existentielle Zustände begriffen werden. Der Film Käfig versucht diese beiden Bedeutungsebenen zu erzeugen und zum Ausdruck zu bringen. Das ursprüngliche Material des Films besteht aus zwei Einstellungen, die Kels im Frankfurter Zoo im Nashorn-Gehege auf 35mm S/W-Film aufgenommen hat.



ELEFANTEN

| Deutschland 2000 | ohne Dialoge | 62 Min. | Regie: Karl Kels |

Auf eine ganz besondere Art und Weise bieten die Tierfilme von Karl Kels eine Reflexion über das Sehen. Die Parallelität zwischen Zoobesucher und Kinogänger reicht bei weitem nicht aus, um das zu umreißen, was sein stummer, experimenteller Dokumentarfilm ELEFANTEN thematisiert. Kels war über fünf Jahre hinweg immer wieder im Wiener Zoo, um das Elefantenhaus während des Umbaus zum Affengehege zu filmen: in festen, unbeirrten Einstellungen. Die Bewegung vollzieht sich im Bild. Während man innerhalb dieses festgesteckten Rahmens Dickhäuter, Bulldozer, Schuttcontainer, Bäume, Paviane, Wärter und vieles mehr beobachten kann, sieht man vor allem auch sich selbst beim Sehen zu und wird sich dabei seiner Erwartungen bewusst, die mal enttäuscht und dann wieder überrascht werden.

So 20.06., 17:30, Einführung: Robert Messner


Rendez-vous im Zoo

ONCE UPON A TIME

| D 2005 | 25 Min. | Regie: Corinna Schnitt |

Eine Versuchsanordnung: Eine Kamera auf dem Teppich eines Wohnzimmers rotiert um ihre eigene Achse. Das leere Zimmer füllt sich allmählich mit Tieren: Katzen, Hunde, Kaninchen, Papageien, Ziegen, Ponys und Kühe bevölkern und nutzen den für den Menschen gestalteten Raum auf ihre Weise.

RENDEZ-VOUS IM ZOO

Regie und Buch: Christoph Schaub | Kamera: Pio Corradi | Schnitt: Fee Verena Liechti | Musik: Michel Seigner
| Schweiz 1995 | OmU | 82 Min. |

RENDEZ-VOUS IM ZOO lädt uns ein zu einer abwechslungsreichen und packenden Filmsafari durch die Zoos der Welt. Eine Zeitreise von der Gegenwart des Basler Zoos in die kolonial geprägte Vergangenheit der Tiergärten von Hamburg und Berlin, eine Reise von den Gitterstäben des 18. und 19. Jahrhunderts im Pariser »Jardin des Plantes« ins 20. Jahrhundert mit den künstlich angelegten Regenwald- und Wüstenanlagen von Arnheim sowie in die Zukunft des synthetischen und hyperrealen Dschungels im Zoo der New Yorker Bronx.

Mal heiter, mal nachdenklich rückt RENDEZ-VOUS IM ZOO Zoogeschichte und Zoogeschichten ins Bild.

Wir erleben den Zoo als Naturspektakel für Stadtbewohner, als Ort der Forschung, vor allem aber auch immer wieder als Ort des faszinierenden Rendez-vous mit dem wilden Tier, zu dem sich der Mensch von Zeit zu Zeit einfindet – vielleicht auch in der Hoffnung, etwas über sich selbst zu erfahren. Freiburger Premiere!

Sa 03.07., 19:30 | So 04.07., 17:30


The One Man Village

THE ONE MAN VILLAGE

SEMAAN BIL DAY‘IA

Regie, Buch und Schnitt: Simon El Habre | Kamera: Bassem Fayad, Marc Karam
| Libanon 2008 | OmU | 86 Min. |

In dem preisgekrönten Dokumentarfilm zeigt Simon El Habre das Leben des einzigen Bewohners des Dorfes Ain El-Halazoun. Der libanesische Bürgerkrieg zwang die Dorfbevölkerung 1982 zur Flucht und hatte die Zerstörung ihrer Häuser zur Folge. Dauerhaft zurückgekehrt ist nur Semaan, der in einem von Ruinen umgebenen Haus lebt, allein mit seinen Tieren. »Ich habe mir versprochen, dass ich eines Tages wieder Kühe haben werde«, sagt er. Darum kam er vor fünf Jahren zurück in sein Heimatdorf. Semaan wollte wieder leben wie früher – im engen Kontakt mit Tieren und der Natur, und nahe bei seinen Wurzeln.

Do 22.07., 19:30 | So 25.07., 17:30


THE MUZZLED HORSE OF AN ENGINEER IN SEARCH OF MECHANICAL SADDLES

Regie: Khavn De La Cruz | Buch: Alvin Yapan, Khavn De La Cruz, Angelo V. Suarez | Kamera: Albert Banzon | mit Ian Lomongo, Michelle Si
| Philippinen 2008 | OmU | 80 Min. |

Nachdem ein Angestellter seinen Job verliert, beginnt er einen Irrlauf durch Manila. Von existenziellen Ängsten getrieben, fühlt er sich wie magisch von Pferden angezogen, bis seine zwanghafte Fixierung schließlich zum vollständigen Kontrollverlust führt.

Der Film ist, gespickt mit Pferdesymbolen und unterlegt mit elektronischer Punk-Musik, ein surreal angelegtes Werk voller Widersprüche und Zwiespältigkeit. Eigenwillig und faszinierend präsentiert der Regisseur die Flucht eines zermürbten Individuums, das, getrieben von Männlichkeit und Monströsität, aus Kultur und Gesellschaft entkommen will – und am Ende seiner Odyssee doch deren Gefangener bleiben muss.
(A. Vogt, Berlinale Forum)

Freiburger Premiere!

So 17.07., 21:30, Einführung: Timothy Simms | Fr 23.07., 21:30, Einführung: Timothy Simms