MITTWOCHSKINO: SÜDAFRIKA ABSEITS DER WELTMEISTERSCHAFT

Zum ersten Mal in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaft ist ein afrikanisches Land Gastgeber. Südafrika steht für einen Monat im Mittelpunkt des Weltinteresses. Unsere Filmreihe richtet den Blick weg vom Fußballfeld auf die Geschichte der Apartheid und deren Folgen für das heutige Südafrika.

MEMORIES OF RAIN | FOOLS | ZULU LOVE LETTER | AMANDLA! | WE ARE TOGETHER

MEMORIES OF RAIN

SZENEN AUS DEM UNTERGRUND

Regie: Gisela Albrecht, Angela Mai | Buch: Gisela Albrecht | Kamera: Matthias Seldte
| Deutschland 2004 | OmU | 155 Min. |

Der preisgekrönte Dokumentarfilm MEMORIES OF RAIN erzählt in Rückblenden die Geschichte von Jenny Cargill und Kevin Qhobosheane, die beide beim Nachrichtendienst des bewaffneten Flügels des African National Congress (ANC) in führender Position gegen den Apartheidstaat gekämpft haben. Jenny stammt aus der weißen, begüterten Schicht, Kevin aus dem schwarzen Township Soweto. Der Film ist keine historische Studie des bewaffneten Kampfes des ANC, sondern die Geschichte der persönlichen Erfahrungen zweier Menschen: Wie sie aufgewachsen und mit dem Untergrund in Berührung gekommen sind, ihre Ziele und Ideale, und wie sie kämpfen mussten, um diese im Angesicht der düsteren Realität des militärischen Konfliktes aufrechtzuerhalten. Es ist auch die Geschichte der Untergrundarbeit in Südafrika selbst. Ein Leben in der Tarnung, abseits der normalen Gesellschaft. In ihren Berichten entfaltet sich ein profundes Bild des Untergrundkampfes. Wie konnte sich ein so perfides System wie die Apartheid halten? Was waren die Triumphe des ANC, was seine Aporien, welchen Preis verlangte er von den Aktivisten?

Mi 05.05., 19:30

FOOLS

Regie: Ramadan Suleman
| Südafrika/Frankreich/Mosambik/Zimbabwe 1996 | OmU | 90 Min. |

Charteston, ein Township im Osten Johannesburgs, Ende des Jahres 1989. Noch zu Zeiten der Apartheid, aber nur wenige Monate bevor Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft freikommen wird. Alle im Township wissen, dass Lehrer Zamani eine seiner Schülerinnen vergewaltigt hat. Doch sie wollen es nicht wissen, denn der Lehrer ist kraft seines Amtes eine Respektsperson; er ist gebildet, er ist mit der Tochter des Pastors verheiratet und früher hat er gegen die Apartheid rebelliert. Seit einiger Zeit hat er seinen Frieden mit dem System gemacht. Eines Tages kehrt Zani, der Bruder des vergewaltigten Mädchens vom Studium nach Charteston zurück. Zani konfrontiert seinen ehemaligen Lehrer mit dessen Tat.

FOOLS war der erste Spielfilm eines schwarzen südafrikanischen Regisseurs und wurde 1997 beim Filmfestival in Locarno mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet.

Mi 12.05., 19:30

ZULU LOVE LETTER

Regie: Ramadan Suleman | Buch: Bhekizizwe Peterson, Ramadan Suleman | Kamera: Manuel Teran | mit Pamela N. Marimbe, Mpumi Malatsi, Sophie Mgcina, Kurt Egelhof
| Frankreich/Südafrika 2004 | OmU | 100 Min. |

Während die Mehrheit der Südafrikaner die Zeit der Apartheid möglichst schnell vergessen will, ist das für Thandi unmöglich. Als Journalistin war sie damals mit ihrem Kollegen Mike verhaftet worden, als sie Zeugen der Ermordung einer jungen Freiheitskämpferin wurden.

Mike überlebte die Gefangenschaft nicht, Thandi brachte, nachdem sie in der Haft gefoltert wurde, eine Tochter zur Welt: Mangi – sie leidet seit Geburt an einer Behinderung.Die nunmehr 13-jährige Mangi besucht eine Gehörlosenschule und lebt mehr bei ihren Großeltern und ihrem Vater als bei ihrer Mutter. Obwohl sie nichts dafür kann, plagen Thandi Schuldgefühle wegen der Behinderung ihrer Tochter und sie entfremdet sich immer stärker von ihrer Familie. Doch auch Mangi leidet unter der (eher unbewältigten) Vergangenheit und hofft für sich und ihre Mutter auf die heilenden Kräfte des Zulu Love Letter, einem aus Perlenstickereien und Stoffapplikationen angefertigten Amulett, das sie im Geheimen herstellt.

Beim Filmfestival in Ouagadougou (FESPACO) wurde ZULU LOVE LETTER mehrfach prämiert.

Sa 15.05., 21:30 | Mi 19.05., 19:30

AMANDLA!

Regie und Buch: Lee Hirsch | Schnitt: Johanna Demetrakas | Musik: Miriam Makeba, Vusi Mahlasela u. v. a.
| Südafrika 2002 | OmU | 103 Min. |

Der Dokumentarfilm AMANDLA! blendet zurück auf vierzig Jahre Kampf gegen die »Rassentrennung« in Südafrika. Regisseur Lee Hirsch tut das, indem er die Geschichte des Widerstands über die Musik erzählt. Unter dem Apartheidregime war es Schwarzen verboten laut zu singen, Lieder aufzunehmen oder Musikaufnahmen zu besitzen. Heute sind viele dieser verbotenen Lieder zu Nationalhymnen geworden – und AMANDLA! zu einem bewegenden Musikfilm über die Pflicht zum Widerstand gegen das Unrecht. Der Titel stammt aus dem Xhosa und bedeutet übersetzt: Power, Kraft.

Der Filmemacher hat neun Jahre lang an diesem bewegenden Film gearbeitet. Er hat Lieder von Musikerinnen und Musikern aufgenaommen und sie mit exklusiven Interviews zahlreicher Beteiligter und mit Material aus Filmarchiven verwoben. Zu Wort kommen musikalische Größen wie Hugh Masekela, Miriam Makeba, Abdullah Ibrahim, Vusi Mahlasela und Sibongile Khumalo.

Mi 26.05., 19:30 | So 30.05., 17:30

WE ARE TOGETHER

Regie: Paul Taylor | Buch: Slindile Moya, P. Taylor
| GB/ Südafrika 2006 | OmeU | 83 Min. |

Mi 02.06., 19:30 Di 08.06., 21:30