VOM ERINNERN UND VERGESSEN: DEMENZ

Demenz ist mehr als eine Krankheit. Der allmähliche Verlust von Erinnerung, Sprache und Denken verändert die Persönlichkeit wie auch die Lebensweise. Während der Betroffene mehr und mehr den Boden unter den Füßen verliert, nach Orientierung und sich selbst sucht, sehen sich die Angehörigen zunehmend mit oft unverständlichen Verhaltensweisen konfrontiert.

Wir zeigen in Kooperation mit der Initiative »Stadt – Land – Demenz«, in der auch das Seniorenbüro der Stadt Freiburg mitarbeitet, Spiel- und Dokumentarfilme, die vielschichtige Einblicke in die Welt der Betroffenen wie auch in die Lebenswelt der sie begleitenden Angehörigen vermitteln. Im Sinne einer zentralen Aussage der Initiative – »Demenz geht alle an« – wollen wir mit Mitteln der Kunst für das Thema Demenz und die davon betroffenen Menschen sensibilisieren. Bei einigen Filmen stehen anschließend Fachleute für die Diskussion zur Verfügung.

www.stadt-land-demenz.de, www.freiburg.de/senioren

Doppelprogramm: HEIDELBERG | KLAGEN EINER PFLICHTBEWUSSTEN TOCHTER | IRIS | CLAIRE, EINE KURZE GESCHICHTE VOM VERGESSEN | HEUTE IST NICHT MORGEN – LEBEN MIT DEMENZ

Doppelprogramm

HEIDELBERG

Regie: Norman Richter | Kamera: Andreas Bergmann
| Deutschland 2008 | 35 Min. |

Das große Haus der Großeltern ist fast verlassen. Erinnerungsversuche werden auf unterschiedliche Arten zuerst nur hörbar, dann auch sichtbar gemacht. Der Annäherung über die Dinge des toten Großvaters, die der Filmemacher ausstellt, ausbreitet und in die Hände nimmt, folgt die Annäherung an den »Zustand« der demenzkranken Großmutter, die allein in dem großen Haus lebt. – Ein außergewöhnlich reflektierter Film über die persönliche Beziehung zu einem Ort und die Bemühungen des Andenkens.

 

KLAGEN EINER PFLICHTBEWUSSTEN TOCHTER

COMPLAINTS OF A DUTIFUL DAUGHTER

Regie: Deborah Hoffmann | USA 1994 | OmU | 44 Min. |

Wenn Eltern zu Kindern werden. Wie kann eine Tochter Zugang zu ihrer Mutter finden, wenn diese nicht einmal mehr weiß, dass sie eine Tochter hat? Deborah Hoffmann dokumentiert den geistigen Verfall ihrer Mutter, die an Alzheimer leidet. Was alle zunächst mit »normaler« Vergesslichkeit abtun, nimmt bald erschreckende Ausmaße an. Die Botschaften auf dem Anrufbeantworter werden zunehmend konfus, die Lücken im Gedächtnis immer eklatanter. Die traditionelle Mutter-Tochter-Beziehung beginnt sich aufzulösen. Was aber bleibt? Und was entsteht?

Ein schmerzlicher und doch humorvoller Film über Familienstrukturen, das Älterwerden, die Bedeutung der Erinnerung und die Beharrlichkeit der Liebe.

Caligari-Preis und Teddy Award, Berlin 1995.

Sa 06.03., 19:30, anschl. Diskussion mit Dr. Bernd Köster (Initiative »Stadt – Land – Demenz«)| So 07.03., 17:30

IRIS

Regie: Richard Eyre | mit Kate Winslet, Hugh Bonneville, Judi Dench
| Großbritannien/USA 1994 | OmU | 91 Min. |

Die Schriftstellerin und Philosophiedozentin Iris Murdoch ist eine Rebellin. Sie genießt das Leben in vollen Zügen, erobert den Literaturkritiker John Bayley – ihren späteren Ehepartner – sowie zahlreiche andere Männer und Frauen. Mit ihrer freizügigen Einstellung zu Liebe und Sexualität macht sie es John nicht leicht, doch er bleibt an ihrer Seite, auch als die Ärzte Jahre später bei ihr Alzheimer feststellen. Der physische und psychische Verfall der englischen Autorin schreitet voran, aber John will seine große Liebe nicht aufgeben und übernimmt Iris’ Pflege. Den großen Anforderungen ist er allerdings immer weniger gewachsen.

Intelligent, humorvoll und ironisch verwebt der Film, der auf John Bayleys Memoiren basiert, die Krankheitsgeschichte mit Erinnerungen in Form von Rückblenden an jene Jugendjahre in Oxford, als Iris Murdoch John Bayley kennen lernte.

Kate Winslet überzeugt als junge, lebenshungrige Iris, während die arrivierte Schriftstellerin, die allmählich verliert, was ihr am meisten bedeutet – nämlich den Verstand, die Worte und die Liebe – durch Judi Dench verkörpert wird.

Di 09.03., 19:30 | So 14.03., 19:30 | Di 16.03., 21:45

CLAIRE, EINE KURZE GESCHICHTE VOM VERGESSEN

SE SOUVENIR DES BELLES CHOSES

Regie: Zabou Breïtmann | Buch: Zabou Breïtman, Jean-Claude Deret | mit Dominique Pinon, Bruno Abraham-Kremer, Isabelle Carré, Bernard Campan
| Frankreich 2001 | OmU | 114 Min. |

Claire, eine junge Frau um die dreißig, wird von ihrer Schwester in eine Klinik gebracht, weil sie auffällig viel vergisst. Ist ein Blitzschlag während eines Spaziergangs der Grund für ihre Gedächtnisschwäche oder ist sind es erste Anzeichen einer Alzheimererkrankung wie bei ihrer Mutter?

Erzählerisch differenziert, visuell erfindungsreich und überzeugend stellt sich der Film der Aufgabe, das angstbesetzte Thema Alzheimer darzustellen.

Do 01.04., 19:30 | Fr 02.04., 21:45 | So 04.04., 17:30

HEUTE IST NICHT MORGEN – LEBEN MIT DEMENZ

Schweiz 2008 | OmU | 52 Min. |

Der Film zeigt Interviews mit drei von einer Demenz betroffenen Paaren und Szenen aus ihrem alltäglichen Leben. Diese sollen dem Zuschauer eine Sicht auf das Thema „Demenz“ ermöglichen, die sehr nah beim individuellen Erleben ist und dem gesellschaftlich weit verbreiteten Schreckensbild ein differenzierteres, persönlicheres Bild gegenübergestellt.

Der Regisseur Nico Gutmann ist den portaitierten Paaren zurückhaltend aber mit grossem Einfühlungsvermögen begegnet. Es ist ihm damit gelungen aufzuzeigen, dass sie mit den individuell gestalteten Unterstützungsmassnahmen gemeinsam ihren Alltag meisten und ihr Leben den sich ständig verändernden Umständen anpassen können. Dank der umsichtigen Begleitung und Betreuung ihrer Partner erleben die Kranken neben Unsicherheit und Hilflosigkeit sinnerfülltes Tun und das Gefühl von Geborgenheit und Liebe. Auf beeindruckende Weise stellen sich die Angehörigen den grossen Herausforderungen mit Mut und Zuversicht ohne ihre Ängste aber auch Wut und Enttäuschung zu unterdrücken. Für sie alle birgt das Leben mit ihren kranken Partnerinnen oder Partnern neben Belastung und Leiden auch viele bereichenden Erfahrungen heitere, freud- und damit wertvolle Momente

Fr 09.04., 19:30, Zu Gast: Regisseur Nico Gutmann. Diskussion und Gespräch: Regina Bertsch (Seniorenbüro Stadt Freiburg)