MITTWOCHSKINO: CLAUDE LÉVI-STRAUSS

Letztes Jahr im November, kurz vor seinem 101. Geburtstag, ist Claude Lévi-Strauss, einer der wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts gestorben. Aus diesem Anlass zeigen wir in Kooperation mit dem europäischen Kulturkanal ARTE eine filmische Hommage.

CLAUDE LÉVI-STRAUSS, DAS SELBSTBILDNIS DES ETHNOLOGEN

Regie: Pierre-André Boutang
| Frankreich 2008 | ARTE France | OmU | 93 Min. |

Der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss ist der Begründer der strukturalen Anthropologie. Als Mitbegründer des Strukturalismus revolutionierte er in den fünfziger Jahren das wissenschaftliche Denken.

Lévi-Strauss wird am 28. November 1908 in Brüssel als Kind französischer Eltern geboren. Mit zwanzig schließt er ein Philosophiestudium ab. Mitte der 30er Jahre wird er als Professor für Soziologie an die neu gegründete Universität in São Paulo berufen. Dort begeistert er sich bei Begegnungen mit verschiedenen Indianergruppen für die Feldforschung. Er unternimmt zwei längere Expeditionen durch das Amazonas-Gebiet und in den Mato Grosso. Seine Erfahrungen wird er zwanzig Jahre später unter dem Titel Traurige Tropen veröffentlichen, sein berühmtestes Buch. Das Buch analysiert die Struktur so genannter primitiver Kulturen und warnt vor ihrem drohenden Untergang durch die eindringende westliche Zivilisation.

Der Dokumentarfilm zeichnet ein faszinierendes Porträt dieses großen Forschers. Zahlreiche Ausschnitte aus Interviews mit Lévi-Strauss, von den 60er Jahren bis heute, geben Einblick in sein Denken.

Mi 03.02., 19:30 | So 07.02., 17:30

Der Eintritt ist frei!

MITTWOCHSKINO: ALLTAG IN AFGHANISTAN

Krieg, Anschläge und ideologische Auseinandersetzungen bestimmen das aktuelle Bild Afghanistans – zumindest in den Medien. Wir zeigen Filme, die, ohne diese Realität zu verleugnen, einen anderen Blick auf den Alltag dieses Landes werfen. Helga Reidemeister, die bei der Präsentation ihres Films anwesend sein wird, rückt mit der Dokumentation einer berührenden Liebesgeschichte die Geschlechterverhältnisse in der afghanischen Hauptstadt ins Licht. Ebenso der Dokumentarfilm WOMEN BEHIND THE WHEEL der afghanischen Filmemacherin Sahraa Karimi: Er proträtiert Taxifahrerinnen in Kabul, die in eine Männerdomäne einbrechen.

SHELTER | AFGHAN WOMEN BEHIND THE WHEEL

SHELTER

PANAA

| Afghanistan 2006 | Regie: Mohsen Hossaini | Animation, 5 Min. |

Hossainis eigene Erlebnisse von Flucht und Migration sind die Grundlage der Erzählung. »Teil einer kriegerischen Wirklichkeit zu sein, gehört zur Lebenswirklichkeit so gut wie aller Afghanen«, sagt der Autor. »Shelter ist die Summe vieler Geschichten, die ich selbst erlebt oder von denen ich gehört habe.«

MEIN HERZ SIEHT DIE WELT SCHWARZ – EINE LIEBE IN KABUL

Regie und Buch: Helga Reidemeister | Kamera: Lars Barthel | Schnitt: Marzia Mete
| Deutschland 2009 | OmU | 87 Min. |

Hossein und Shaima lieben sich seit ihrer Kindheit. Der Krieg reißt sie als Halbwüchsige auseinander. Im Kabul der 90er Jahre finden sie sich wieder. Die Armut zwingt Hossein im Krieg zu kämpfen. Hossein wird durch Granatsplitter verletzt und ist danach querschnittsgelähmt. Shaima wird als vierte Ehefrau an einen vierzig Jahre älteren Mann verkauft und schwanger. Shaimas Ehemann bleibt die Hälfte des Brautgeldes schuldig. Deshalb holt ihr Vater sie zurück in die partriarchalische Enge seiner Familie, wo sie mit ihrer inzwischen fünfjährigen Tochter noch heute lebt. Das hindert die beiden Liebenden nicht, sich gegen den Willen ihrer Familien so oft wie möglich zu sehen. Sie träumen von einem gemeinsamen Leben in Frieden. In Bedrängnis und in Angst vor der drohenden Rache durch die (strengen Stammesgesetzen folgenden) männlichen Mitglieder beider Familien, versuchen Hossein und Shaima unter schwierigsten Umständen ihre Liebe zu leben.

Der Film beschreibt einen Tabubruch, dessen Ausgang ungewiss ist. Wenn Armut und Krieg alle Mitmenschlichkeit beschädigt haben und die Familie das einzige soziale Band bedeutet, kann es kein persönliches Glück geben.

Mi 10.02., 19:30, zu Gast: die Filmemacherin Helga Reidemeister | Fr 12.02., 21:45 | So 21.02., 19:45 | Mo 01.03., 20:00

AFGHAN WOMEN BEHIND THE WHEEL

Regie und Buch: Sahraa Karimi | Kamera: Nicol Šuplatová
| Afghanistan 2008 | OmeU | 52 Min. |

Ein Führerschein ist für Frauen in Afghanistan ein »Sesam öffne dich« für persönliche und ökonomische Freiheiten. Gibt es aber in der afghanischen Gesellschaft die erforderliche Bereitschaft, dass Frauen im Straßenverkehr sichtbar sind und am Steuer agieren?

Diesem Fragekomplex spürt die junge talentierte Filmemacherin umsichtig nach. Geboren und aufgewachsen in Kabul, erwarb sie den Führerschein. Von dieser Sachkenntnis profitiert ihr Film. Und auch von ihrem Vermögen, die Gesprächspartnerinnen in der Privatsphäre der Familie eingehend befragen zu können. Welches »Geschlecht« sollen nun Straßen und Straßenverkehr in Afghanistan haben?

Im Vordergrund stehen vier afghanische Frauen, alle verheiratet und mit Kindern: Eine hat bereits den Führerschein: ihr Kleinbus ist ihre Einnahmequelle. Ähnliche Verhältnisse können sich die drei anderen nur herbeisehnen...

Gespräche und Positionen also im Spannungsfeld von Möglichkeiten, Verhinderungen und Träumen: nicht zuletzt über Wünsche, die von der sozialen Herkunft immer stark mitgeprägt sind.

Mi 17.02., 19:30 | Fr 19.02., 21:45 | Mi 24.02., 19:30