JIM JARMUSCH: POSTPUNK UND POET

»Die kaputte Gelassenheit, welche die Songs von Tom Waits auszeichnet, die Musik von John Lurie und seinen Lounge Lizards oder die ironische Katerstimmung eines Lou Reed: Sie prägten Habitus und Erzählgestus von Jarmusch.«

In unserem Februar- und Märzprogramm zeigen wir Filme des bedeutendsten Independent-Regisseurs Amerikas. Sein Name steht für ein unabhängiges amerikanisches Kino, eine radikale Autorschaft und einen unverkennbaren Stil, der geprägt ist von Coolness, Außenseiterfiguren und stiller Poesie.

»Zwar hat jeder seiner Filme einen anderen Look, einen eigenen Rhythmus und nicht zuletzt eine spezifische Musik-richtung, aber immer schwingt da etwas mit, was ganz typisch Jarmusch ist. Dieser Stil wurde als minimalistisch, puristisch oder lakonisch bezeichnet, doch um was es letztlich geht, ist eine besondere Form von Präzision, eine Reduktion auf das Wesentliche. Und dieses Wesentliche ist für Jarmusch eben nicht Action, nicht das Lösen eines Rätsels oder das Erreichen eines Ziels, sondern das Zelebrieren der Poesie des Moments.«
(Simon Spiegel)

DEAD MAN | COFFEE AND CIGARETTES | THE LIMITS OF CONTROL | BROKEN FLOWERS
Im März: THE YEAR OF THE HORSE

DEAD MAN

Regie und Buch: Jim Jarmusch | Musik: Neil Young | Kamera: Robby Müller | Schnitt: Jay Rabinowitz | mit Johnny Depp, Gary Farmer, Crispin Glover, Lance Henriksen, John Hurt, Iggy Pop
| USA 1995 | OmU | 121 Min. |

Als Exot unter den Fahrgästen eines Zuges in den Wilden Westen fällt der arglose, für die staubige Umgebung unpassend chic gekleidete Buchhalter William Blake (Johnny Depp) aus Cleveland auf. Er ist unterwegs zu einem neuen Arbeitsplatz. Doch aus der verheißungsvollen Zukunft wird nichts, die Stelle ist bereits vergeben. Als der aufgewühlte Buchhalter eher zufällig und in Notwehr einen Mann erschießt, wird er zum Ziel von Kopfgeldjägern. Mit einer Kugel im Bauch irrt er – begleitet vom exzentrischen Indianer Nobody (Gary Farmer) – durch die Wälder Arizonas und kommt während seiner Flucht in den Ruf einer unbesiegbaren Legende...

Eine einzigartige, zunehmend halluzinatorische Reise in die ewigen Jagdgründe – von Neil Youngs ungewöhnlichem Soundtrack kongenial untermalt.

Fr 05.02., 21:30 | So 07.02., 21:30 | Do 11.02., 19:30

COFFEE AND CIGARETTES

Regie und Buch: Jim Jarmusch | Kamera: Tom DiCillo | mit Roberto Benigni, Cinqué Lee, Steve Buscemi, Iggy Pop, Tom Waits
| USA 2003 | OmU | 96 Min. |

Manche Espressotasse wird in den 96 Minuten des vergnüglichen Episodenfilms geleert, in denen Freunde und künstlerische Weggenossen Jarmuschs über die Alltagsdrogen Kaffee und Zigaretten philosophieren. So beflügelt die schwarze Brühe den Kaberettisten Steven Wright beim Träumen, während sich das Koffein bei Roberto Benigni offensichtlich nervlich bemerkbar macht. Iggy Pop und Notarzt Tom Waits schwärmen über die Möglichkeiten, die das Aufhören mit dem Rauchen in sich birgt. So oder so führen die witzigen Begegnungen von Menschen am quadratischen Bistrotisch zu intimen und absurd philosophischen Gesprächen über das Leben an sich.

Sa 13.02., 21:30 | So 14.02., 21:30

THE LIMITS OF CONTROL

Regie und Buch: Jim Jarmusch | Kamera: Christopher Doyle | Schnitt: Jay Rabinowitz | mit Isaach de Bankolé, Alex Descas, Jean-François Stévenin, Óscar Jaenada, Luis Tosar, Paz de la Huerta, Tilda Swinton
| Spanien/USA/Japan 2009 | OmU | 118 Min. |

THE LIMITS OF CONTROL erzählt in betörend schönen, fast magischen Bildern die Geschichte eines geheimnisvollen Fremden (Isaach De Bankolé), der nach Spanien reist, um dort einen Auftrag zu erledigen. Welchen Charakter dieser Auftrag hat, bleibt zunächst im Dunkeln.

THE LIMITS OF CONTROL – opulent und asketisch, simpel und philosophisch, wortkarg und elegisch; eine fernöstliche Meditation mit den bekannten Western-Elementen eines Roadmovie – befriedigt die Lust am Schauen und fördert eigene gedankliche Exkursionen. Nur ungern findet man sich wieder auf der Straße, ausgespuckt aus dieser stoischen Ruhe und den Wirkungen der cineastischen Gemälde des Wong-Kar-wai-Kameramanns Christopher Doyle.

Fr 19.02., 19:30 | Sa 20.02., 22:00 | So 21.02., 17:30

BROKEN FLOWERS

Regie, Buch und Produktion: Jim Jarmusch | Schnitt: Jay Rabinowitz | Musik: Mulatu Astatke | mit Bill Murray, Julie Delpy, Tilda Swinton, Homer Murray
| USA/Frankreich 2005 | OmU | 106 Min. |

Der Tag fängt gar nicht gut an für Don Johnston. Erst wird er von seiner sehr viel jüngeren Freundin Sherry verlassen, dann flattert auch noch ein rosafarbener Brief ins Haus. Keine Liebesbotschaft, sondern die späte Quittung für eine frühere Liaison des ergrauten Don Juan: Sein inzwischen 19-jähriger Sohn werde ihn aufsuchen, droht die anonyme Schreiberin.

Doch wer ist die Mutter? Ginge es allein nach Don – er würde gewiss weiter sein Sofa hüten und die Dinge auf sich zukommen lassen, wäre da nicht sein Freund Winston, der sich gerne als Hobby-Detektiv betätigt. So macht Winston die Wohnadressen von fünf verflossenen Liebschaften Dons ausfindig, die als mögliche Mütter in Frage kämen. Widerwillig steigt Don in seinen Wagen und besucht der Reihe nach Laura, Dora, Carmen, Penny und Michelle und findet nicht nur zu sich selber, sondern macht einen absurd-komischen Roadtrip durch die USA. Nach Lost in Translation zeigt Bill Murray eine weitere Glanzleistung des minimalistischen, aber tiefgründigen Schauspiels.

BROKEN FLOWERS wurde im Wettbewerb des Festivals von Cannes 2005 mit dem »Großen Preis der Jury« ausgezeichnet.

Do 25.02., 21:45 | Sa 27.02., 21:30 | Do 04.03., 19:30

THE YEAR OF THE HORSE

Regie: Jim Jarmusch
| USA 1997 | OmU | 107 Min. |

Jim Jarmusch porträtiert praktisch kommentarlos die seit den Siebzigerjahren bestehende amerikanische Rockband Crazy Horse und deren Songwriter und Vorsänger Neil Young. Die Musik erscheint als eine Art Rettung für die alternden Künstler, deren Existenz schwer belastet wirkt. Mit einfachsten technischen Mitteln realisiert, erzielt die dokumentarische Montage dank eines raffinierten Schnitts und einer hervorragenden Tonarbeit außerordentliche Effekte. (»Zoom«)

Die auf Super-8, 16 mm und Hi-8 gedrehten Szenen wurden durch älteres Archivmaterial aus den Jahren 1976 bis 1986 ergänzt. Aus Respekt vor der Musik werden die einzelnen Stücke ausgespielt. Jarmuschs Inszenierungsstil kommt dem Gestus der Musik sehr nah: geradlinig, ohne modischen Firlefanz. Ein Musikfilm im besten Sinne des Wortes, der seinen Platz in der Filmgeschichte finden wird. (»filmdienst«)

Sa 06.03., 21:30 | Mi 10.03., 21:30