ASIAN TAKES

CALIGARIPREIS 2009: LOVE EXPOSURE

Der »Caligari Filmpreis« ist für einen stilistisch und thematisch innovativen Film aus dem Programm des »Internationalen Forum des Jungen Films« bestimmt. Der Bundesverband kommunale Filmarbeit als Dachorganisation der Kommunalen Kinos würdigt damit die Bedeutung dieser Sektion der Berlinale für die kulturelle Kinoarbeit. 2009 war mit Timothy Simms ein Vertreter des Freiburger Kommunalen Kinos in der Jury des Preises; verliehen wurde der Preis an Sion Sono für LOVE EXPOSURE.

Die Begründung der Caligari-Jury für die Auszeichnung lautete: »In seinem atemberaubenden Film LOVE EXPOSURE wirft Sono Sion seine Zuschauer mitten hinein in einen wilden Strudel. Dem Regisseur ist ein intensiver Film gelungen, der in immer origineller und oft genug genialer Weise Formsprachen des Kinos, Motive aus Oper, Pop und Filmgeschichte und die großen Gefühle einer romantischen Liebesgeschichte sampelt. Große Kunst, die kurzweilig, stets klug und souverän ist. (...)«

Neben LOVE EXPOSURE zeigen wir mit STRANGE CIRCUS einen weiteren, ebenso bildgewaltigen Film Sonos sowie den japanischen Exploitation-Klassiker SASORI – BEAST STABLE, um Bezüge von Sonos Filmschaffen zur japanischen Populärkultur deutlich werden zu lassen.

LOVE EXPOSURE | SASORI – BEAST STABLE | STRANGE CIRCUS

LOVE EXPOSURE

AI NO MUKIDASHI

Regie und Buch: Sion Sono | Musik: Tomohide Harada | mit Takahiro Nishijima, Hikari Mitsushima, Sakura Ando, Hiroyuki Onoue, Yutaka Shimizu
| Japan 2008 | OmU | 237 Min. |

Yu ist eigentlich ein braver Schüler, der um die Aufmerksamkeit seines Priester-Vaters jedoch mit kleineren und größeren begangenen Sünden buhlt. Vor allem sexuelle Entgleisungen scheinen den Vater besonders zu verärgern. Als er bei einem seiner voyeuristischen Streifzüge auf seine große Liebe Yoko trifft, wird es kompliziert: Sie ist die Tochter der Affäre seines Vaters, die von nun an mit ihm unter einem Dach lebt. Als seine ganze neue Familie von einer wahnsinnigen Sekte gekidnappt wird, beginnt für Yu der große Kampf um seine Liebe. 237 Minuten Liebeschaos: LOVE EXPOSURE ist ein wildes und ungebändigtes Potpourri aus sexueller Perversion, Sakralem, Sektenwahn und immer wieder großen Gefühlen. Das Ganze ist so klug und einmalig kombiniert, dass knapp vier Stunden schneller als ein Musikclip vergehen.

Sa 06.02., 19:30 | Fr 26.02., 19:30 | So 28.02., 19:45

SASORI – BEAST STABLE

Regie: Shunya Ito | mit Meiko Kaji, Mikio Narita |
| Japan 1973 | OmU | 87 Min. |

Inspektor Kondo traut seinen Augen kaum: Die berüchtigte Sasori sitzt ihm in der U-Bahn gegenüber. Die Festnahme misslingt. Sasori kann entkommen und findet Zuflucht bei einer Prostituierten. Doch schon bald geraten beide in die Fänge der grausamen Tanida, die junge Frauen zu ihrem Vergnügen foltert. Obwohl Sasori die Gesetzeshüter auf den Fersen sind, wird sie auf ihre Rache nicht verzichten.

Auch der dritte Teil der SASORI-Reihe changiert mit seinen expressiven Bildern zwischen Arthouse und Exploitation. Durch Meiko Kajis starkes Spiel wurde die stoische Rächerin SASORI zu einer Ikone der japanischen Popkultur.

Di 02.02., 21:30 | Di 09.02., 22:00

STRANGE CIRCUS

KIMYÔ NA SÂKASU

Regie, Buch und Musik: Sion Sono | Kamera: Otsuka Yuichiro | mit Miyazaki Masumi, Ishida Issei, Kuwana Rie, Taguchi Tomorowo
| Japan 2005 | OmU | 108 Min. |

Taeko, die erfolgreiche, aber an den Rollstuhl gefesselte Autorin erotischer Literatur, arbeitet an einem Roman über eine durch Inzest und Missbrauch zerstörte Familie. Unterstützt wird sie dabei von ihrem jungen Assistenten Yuji, der nebenbei Taekos Vergangenheit zu ergründen versucht: die Ursache ihrer körperlichen Behinderung und das Geheimnis des verschlossenen Raums in ihrer eleganten Wohnung. Er reißt Taeko mit in eine alptraumhafte Welt der Fiktion, des Wahnsinns und einer unerträglichen Realität.

Sion Sonos Filme tun weh. Er lässt sie dort beginnen, wo die meisten anderen Regisseure sich nicht im Traum hinwagen; er sucht das Extrem in jeder Beziehung. Schwer erträgliche Bilder in einem Film von seltsamer Schönheit.

Di 16.02., 21:30 | Di 23.02., 21:30