WELTTAG SEELISCHE GESUNDHEIT 2009

Ausgehend vom Welttag für seelische Gesundheit (10.10.2009) wird der Freiburger Arbeitskreis Sozialpsy-chiatrische Hilfen auch in diesem Jahr die Öffentlichkeit über psychische Erkrankungen, den Umgang mit ihnen und mit deren Folgen aufklären.

Das Kommunale Kino beteiligt sich mit drei Filmveranstaltungen und anschließender Gelegenheit zur Diskussion mit Gästen und Fachleuten am Programm Psychische Gesundheit und Kultur.

PAUSENLOS | RECOVERY – WIE DIE SEELE GESUNDET | DER ROTE TEPPICH

PAUSENLOS

Regie: Dieter Gränicher
| Schweiz 2009 | 85 Min. |

Der Zeitdruck sitzt uns im Nacken. PAUSENLOS porträtiert Menschen mit unterschiedlichem Zeitbewusstsein:

Ohne Unterbrechung und gleichzeitig an verschiedenen Projekten arbeitet eine Informatikerin; erst zu Hause in den Armen ihres Mannes kann sie abschalten. In klösterlicher Abgeschiedenheit findet eine berufstätige Mutter Ruhe vor der alltäglichen Betriebsamkeit. Geplagt von Schlafstörungen und hoher Arbeitsbelastung erleidet eine junge Angestellte einen Zusammenbruch; nur langsam fasst sie wieder Boden unter den Füßen. Der Skitrainer Didier Plaschy – ehemaliger Weltcupsieger im Slalom – weiß vom Nutzen der Erholung für seine Jungtalente und denkt über die Wirkung von Verlangsamung und Beschleunigung nach. Die existenzielle Notwendigkeit von Pausen betont der Zeitforscher Karlheinz Geissler; pointiert und humorvoll äußert er sich zur pausenlosen Gesellschaft von heute.

PAUSENLOS – ein Plädoyer für die Kunst des Atemholens neben dem oft selbst auferlegten Leistungs- und Zeitdruck.

Do 08.10., 19:30, in Anwesenheit von Regisseur Dieter Gränicher, anschließend Filmgespräch | So 11.10., 17:30

RECOVERY – WIE DIE SEELE GESUNDET

Regie: Dieter Gränicher
| Schweiz 2008 | 70 Min. |

Wie wird man nach einer psychischen Erkrankung wieder gesund? Welche verschiedenen Wege führen zurück ins Leben? Und wie lebt man mit dem Wissen um die eigene psychische Verletzlichkeit?

In RECOVERY – WIE DIE SEELE GESUNDET erzählen vier betroffene Frauen und Männer ihre Geschichte. Jeder von Ihnen hat schon eine schwere psychische Krankheit erlebt und war in psychiatrischer Behandlung. Trotz unterschiedlicher Diagnosen verbindet sie eine zentrale Erfahrung: Sie alle haben die Hoffnung nicht aufgegeben und sind wieder gesundet, obwohl der Weg, den sie zurücklegen mussten, nicht einfach war.

Dieter Gränichers Film zeigt klar: Eine psychische Krankheit ist kein Grund, die Hoffnung aufzugeben. Gleich wie die Diagnose lautet, Gesundung ist möglich! Eine sensible und mitreißende Dokumentation – ein Film, der Mut macht!

Anlässlich des Vortrags (Fr 09.10., 18:30): Recovery – Die Kunst mit Psychosen zu leben von Wilma Boevink (Niederlande) im Hörsaal der Universitätsklinik, Hauptstraße 8, Eingang Karlstraße.

Sa 10.10., 19:30

DER ROTE TEPPICH

Regie: Andrea und Eric Asch
| Deutschland 2007 | 88 Min. |

Axel Brauns ist Asperger-Autist. Ursprünglich sollte er auf die Sonderschule gehen, wurde stattdessen schließlich Zweitbester seines Abitur-Jahrgangs. Die Interaktion mit anderen Menschen, das adäquate Mitteilen seiner Person gegenüber anderen, lernt er, indem er ständig in andere Rollen schlüpft, Sätze auswendig lernt. Seine literarische Tätigkeit erschließt ihm peu à peu den Zugang zur Realität, so dass er alleine wohnen und sogar Lesungen halten kann. Andrea und Eric Asch begleiten Axel Brauns in allenLebenssituationen, stellen ihn nicht als primär Kranken dar, sondern bringen ihn als sympathischen Menschen mit kleinen »Macken« näher und räumen damit mit so manchen gängigen Autistenklischees à la Rain Man auf.

»Als ich zwei Jahre alt war, verloren die Menschen um mich herum ihr Aussehen. Ihre Augen lösten sich in Luft auf. Nebel verschleierte ihre Gesichter. Die Stimmen verdunsteten. Meine Lippen ermüdeten. Kranke Wörter schleppten sich über meine Zunge. Die Silben verdorrten. Bald stammelte ich nur noch.« (Axel Brauns in seinem Buch Buntschatten und Fledermäuse)

Di 13.10., 19:30, mit anschließender Diskussion (Moderation Herr Wehinger, Patientenfürsprecher)