MITTWOCHSKINO: WEST- UND ZENTRALAFRIKA

Die Karriere des ghanaischen Regisseurs King Ampaw, dessen aktuellen Film NO TIME TO DIE wir als Film des Monats Juli zeigen, ist eine deutsch-afrikanische Geschichte besonderer Art, denn Ampaw hat – als Austauschstudent in die DDR geschickt, um etwas nützliches zu lernen – statt der Feinmechanik, sich ganz dem Film verschrieben und sein »Handwerk« als Filmemacher in Deutschland gelernt.

NO TIME TO DIE ist eine Komödie, in der sich die Protagonisten gegen traditionelle Widrigkeiten durchsetzen. Hier, wie auch in JUJU und KUKURANTUMI – ROAD TO ACCRA, den beiden anderen Spielfilmen von King Ampaw, wird in augenzwinkender Weise die Leichtigkeit des afrikanischen Lebensgefühls dargestellt. Ergänzt wird der Ghana-Schwerpunkt durch den Dokumentarfilm FUTURE REMEMBRANCE und den kongolesischen Film ON THE RUMBA RIVER – eine afrikanische Variante von BUENA VISTA SOCIAL CLUB. Wie beim kubanischen Vorbild werden auch hier betagte Männer zusammen getrommelt, um nach Jahrzehnten wieder das zu tun, was sie zeitlebens am besten konnten: mitreissende Musik machen.

KUKURANTUMI – ROAD TO ACCRA | ZUKÜNFTIGE ERINNERUNG – FOTOGRAFIE UND BILDENDE KUNST IN GHANA | JUJU | ON THE RUMBA RIVER

KUKURANTUMI – ROAD TO ACCRA

Regie: King Ampaw Buch: King Ampaw, Ralf Franz mit Evans Omar Hunter, Amy Appiah, David Dontoh
| Ghana 1983 | OmU | 90 Min. |

Kukurantumi ist ein Dorf in Ghana. Addey, ein Lorry-Fahrer lebt dort mit seiner Familie. Jeden Tag pendelt er mit seinem Lorry – einem schrottreifen Lkw mit Holzbänken für die Passagiere auf der Ladefläche – zwischen seinem Dorf und der 100 Kilometer entfernten Hauptstadt Accra. Eines Tages ereignet sich ein Unfall. Addey trifft zwar keine Schuld – die Bremsen versagten –, aber er verliert trotzdem seinen Job. Er versucht sein Glück in Accra. Seine Frau Sewa und seine Tochter Abena will er später nachholen.

Mit geliehenem Geld repariert sich Addey einen alten Lorry. Als »reicher Mann« kehrt er nach Kukurantumi zurück und möchte seine Tochter mit seinem Gläubiger verheiraten.

Aber Abena liebt Bob und flieht mit ihm. Allein kehrt Addey nach Accra zurück. Immer tiefer verwickelt er sich in die Widersprüche zwischen traditioneller Lebensform und hauptstädtischer Geschäftemacherei.

Mi 01.07., 19:30 | So 05.07., 21:30

ZUKÜNFTIGE ERINNERUNG – FOTOGRAFIE UND BILDENDE KUNST IN GHANA

FUTURE REMEMBRANCE – PHOTOGRAPHY AND IMAGE ARTS IN GHANA

Regie: Tobias Wendl, Nancy du Plessis
| Deutschland 1996 | OmeU | 54 Min. |

Kultur und Gesellschaft der ghanaischen Küstenstädte aus dem Blickwinkel einheimischer Bildkünstler. Im Mittelpunkt stehen dabei Geschichte und soziale Praxis der Studiofotografie sowie ihr wachsender Einfluss auf die Kunstformen der Erinnerungsplastik und Malerei. Gezeigt werden Alltag und Arbeiten im Studio: das Posieren ebenso wie die Interaktion mit gemalten Kulissen und die am lokalen Schönheitsideal orientierte Negativretusche. Einige Aufnahmen werden in ihrem Entstehungszusammenhang dokumentiert. Durch kurze, von den Künstlern selbst erbrachte Bildinterpretationen und Kommentare zeichnen sich die Grundzüge einer indigenen Bildästhetik ab und ergeben sich Einblicke in das Berufsethos der Bildermacher. Der Film folgt den Wegen der »zukünftigen Erinnerung«, die sich mit den Bildern (und ihrer Übertragung in andere Bildmedien) verknüpft. Dieser übergeordnete, wiederkehrende Bezug zur Kunst des Erinnerns und zum kulturellen Gedächtnis zeigt sich nirgends deutlicher als an den Lebenswendepunkten (insbesondere in der Initiation, der Heirat und der Todesrituale), die im Bildschaffen der Fotografen eine Schlüsselrolle spielen und auf höchst unterhaltsame Weise präsentiert werden.

Mi 08.07., 19:30 | Sa 11.07., 21:45

JUJU

NANA AKOTO

Regie: King Ampaw, Ingrid Mertner | Buch: King Ampaw, Elisabeth Jensen, David Kwame | mit Joe Eyison, Emmanuel Agbinowu, Osei Kwabenar
| Ghana 1986 | OmU | 94 Min. |

Nana Akoto, der alte Häuptling, pflegt die traditionelle Art seiner Amtsausübung allzu mürrisch und starrsinnig, während seine Autorität anfängt zu bröckeln. Auf Biegen und Brechen will er sein Lebenswerk, den Bau eines neuen Palasts, vollenden. Ausgerechnet sein Neffe und Nachfolger Kwame beflügelt die zahlreicher werdenden Befürworter einer moderneren Dorfpolitik. Aus der Hauptstadt bringt er den Plan für den Aufbau einer Viehzucht mit und einen Bohrturm für die Wassersuche. Nana Akoto wendet sich an den Medizinmann, denn nur »Juju«, die Zauberkraft der Ahnengeister kann da noch helfen. Vermeintlich gestärkt will er es den Besserwissern zeigen: Er verdonnert die Dorfuntertanen zu einer Spendenaktion, um auf dem Schwarzmarkt Zement für seinen Palast zu organisieren, und zum Beweis seiner unverminderten Potenz will er die junge Verlobte seines Neffen zur Zweitfrau. Doch mit seinem Erfolg als Liebhaber klappt es nicht so recht, wieder soll »Juju« helfen, und dazu bedarf es eines mächtigen, kräftigen Opfertieres: des soeben angeschafften Zuchtbullen…

Eine heitere Komödie, die durchaus realistische Einblicke in den ghanaischen Alltag vermittelt.

Mi 15.07., 19:30 | Fr 17.07., 21:30

ON THE RUMBA RIVER

Buch und Regie: Jacques Sarasin
| Kongo/Frankreich 2006 | OmU | 85 Min. |

Von seiner Frau gedrängt, den Schatten seines Baums zu verlassen und sich nach Arbeit umzusehen, nimmt Papa Wendo wieder Kontakt zu seinen früheren Gefährten auf. Dreißig junge und weniger junge Musiker trommelt er zusammen, mit denen er die kongolesische Rumba wiederbeleben möchte. Gitarren, Patengué und Mukuassa sollen erneut von Kinshasa bis nach Europa zu hören sein.

Im Jahr 1925 geboren und als »lebendes Denkmal« der kongolesischen Musik bekannt, verdankt Papa Wendo seinen Ruhm dem Lied Marie-Louise, dem man im Volk magische Kräfte zuschrieb. Da es angeblich Tote wieder zum Leben zu erwecken oder die Flussgeister zum Tanzen zu bringen vermochte, wurde der Interpret von den belgischen Missionaren exkommuniziert. Wendos Leben gleicht einem Roman: Schon früh zum Waisen geworden, war er zehn Jahre lang Fährmann und anschließend Boxer, bevor er Sänger wurde. Jacques Sarasin zeigt nicht nur Wendos Wiedersehen mit seinen alten Musikern, sondern auch Szenen aus dem Alltag der Familie. Ein wundervoll fotografierter Musikfilm!

Mi 22.07., 19:30 | Fr 24.07., 21:30 | So 26.07., 19:30