BITTE WENDEN! 20 JAHRE MAUERFALL IN DER LITERATUR – LESUNGEN, GESPRÄCHE, FILME

19.–21. Juni 2009

Gibt es eine Literatur der Wende?

Wie wurde und wird der historische Umbruch in literarischen Texten verarbeitet?

Worin liegt die spezifische Qualität dieser Literatur für Erinnerung, Aufarbeitung und Verständnis der Wende?

Im Gedenkjahr 2009 beleuchtet das Projekt bitte wenden! den Beitrag von Autorinnen und Autoren aus Deutschland und den Ländern Mittelosteuropas zur Beschreibung und Deutung der Zeitenwende 1989/90 – vom Erzählen über die letzten Jahre des Sozialismus bis zu den Geschichten über das Leben danach. In Lesungen und Gesprächen diskutieren Herta Müller, Juri Andruchowytsch, Thomas Rosenlöcher, Kurt Drawert und zahlreiche weitere Autoren über die Wechselwirkungen von Zeitgeschichte und künstlerischer Auseinandersetzung zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution in Europa. Begleitet werden die Veranstaltungen von der Retrospektive Winter adé. Filmische Vorboten der Wende, einem Hörspiel und einer Schreibwerkstatt für Jugendliche.

Veranstalter: Literaturbüro Freiburg und inter:est Kulturprojekte in Kooperation mit dem Kommunalen Kino Freiburg und dem SWR2. Gefördert u.a. durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und den Deutschen Literaturfonds.

Fr 19.06.–So 21.06.

HörBAR: PITCHER | LESUNG UND SCHREIBWERKSTATT MIT ANNETT GRÖSCHNER
WINTER ADÉ | ÜBERALL IST ES BESSER, WO WIR NICHT SIND | DER KLEINE VALENTINO | ICH, DIE GRÄFIN

Detailliertes Programm: www.bitte-wenden.org

HörBAR: PITCHER

Autor und Regisseur: Walter Filz | Produktion: WDR 2000, ca. 50 Min.

Ein abgehalfterter Profi-Synchronsprecher soll und will seine Stimme aufpolieren, um wieder im Mediengeschäft mitmischen zu können. Dabei gerät er an einen Klangspezialisten und Sound-Designer, den sogenannten Pitcher. Der bietet im Erzgebirge mit einem Institut verkaufsför-dernde Dienstleistungen für die im Osten gewendete neue Gesellschaft an. Aus dieser kuriosen Konstellation entwickelt sich ein skurriles Spiel.

Der Autor und Regisseur Walter Filz wird am 18.06. anwesend sein und für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Geboren 1959, arbeitet Filz als Redakteur für Literatur und Feature des Südwestrundfunks, lebt in Köln und macht Radio und Fernsehen. Für den Lauschangriff produzierte er neben zahlreichen Features zuletzt das Hörspiel Resonanz Rosa: Eine Frau hört mehr, mit dem er 1999 den Publikumspreis »Lautsprecher« gewann. Für Pitcher erhielt er 2001 den deutschen Hörspielpreis der Kriegsblinden.

Do 18.06., 20:00, Kinosaal im Alten Wiehrebahnhof, Eintritt: 5,00/4,00 Euro

LESUNG UND SCHREIBWERKSTATT MIT ANNETT GRÖSCHNER

Werkstatt für Oberstufenschülerinnen und -schüler. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Annett Gröschner werden eigene Texte zur »Wende« geschrieben und diskutiert.

Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt in Berlin. Nach dem Roman Moskauer Eis erschien zuletzt Parzelle Paradies. Berliner Geschichten (2008). Nach der Werkstatt stellt Annett Gröschner um 20.00 Uhr in einer öffentlichen Lesung ausgewählte eigene Texte vor.

Anmeldung und weitere Informationen im Literaturbüro unter 0761. 28 99 89 oder info@literaturbuero-freiburg.de.

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg in Kooperation mit dem Regierungspräsidium Freiburg.

Fr 26.06., 9:00–12:30 Uhr und 14:00–18:00 Uhr, Literaturbüro Freiburg, 2. OG, Eintritt frei | Fr 26.06., 20:00, Lesung mit Annett Gröschner, Galerie, Eintritt: 5,00/3,00 Euro

WINTER ADÉ – FILMISCHE VORBOTEN DER WENDE

Die von der Kulturstiftung des Bundes und der Deutschen Kinemathek initiierte Reihe Winter adé – Filmische Vorboten der Wende rückt ein filmhistorisches Kapitel in den Fokus, dem in der Erinnerung an die friedliche Revolution 1989 besondere Bedeutung zukommt: Fünfzehn abendfüllende Programme zeigen deutsche und osteuropäische Filme, die im letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges entstanden sind – und in denen sich die Ahnung des bevorstehenden, tief greifenden Wandels bereits abzeichnet. Jeder der Filme hat auf formale oder inhaltliche Weise Grenzen erweitert und durch seine mutige künstlerische Artikulation Veränderungsbedarf eingeklagt. Die Filmreihe wurde bei den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin im Februar 2009 erstmals öffentlich aufgeführt.

WINTER ADÉ

Regie: Helke Misselwitz | Kamera: Thomas Plenert
| DDR 1988 | Dokumentarfilm | 115 Min. |

Noch nie vorher waren Frauen in der DDR derart offen und gleichzeitig selbstverständlich vor der Kamera aufgetreten, um von ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen zu erzählen.

So 21.06., 19:30

ÜBERALL IST ES BESSER, WO WIR NICHT SIND

Regie: Michael Klier | Kamera: Sophie Maintigneux | mit Mirosław Baka, Marta Klubowicz
| BR Deutschland 1988 | 78 Min. |

Polnische Flüchtlinge revidieren ihre Utopien vom Westen; Berlin-West erweist sich als Durchgangsstation. Auf beiläufige, dabei fast visionäre Weise nimmt der Film Entwicklungen globaler Migrationsbewegungen vorweg.

Mi 24.06., 21:30

DER KLEINE VALENTINO

A KIS VALENTINÓ

Regie: András Jeles | Kamera: Sándor Kardos | mit János Opoczki, István Iványi, József Farkas
| Ungarn 1979 | OmU | 95 Min. |

Der 20-jährige László brennt mit der Lohnkasse durch, gibt das Geld mit vollen Händen aus, zuletzt stellt er sich der Polizei. Sein Weg durch diesen Tag entfaltet sich als surreal-dokumentarisches Sittenbild aus Budapest und Umgebung.

Fr 26.06., 21:30

ICH, DIE GRÄFIN

AZ, GRAFINYATA

Regie: Petar Popzlatev | Kamera: Emil Hristov | mit Svetla Yancheva, Alexander Doynov, Itzhak Finz
| Bulgarien 1989 | OmU | 119 Min. |

Bulgarien 1968: Sybilla, genannt »Die Gräfin«, gerät in einen Kreislauf von Drogen, Psychiatrie und Gefängnis, ihr Freiheitsdrang bleibt ungebrochen. Stilistisch eindrucksvoller und sehr ungewohnter Einblick in die Randzonen des Sozialismus.

Di 30.06., 21:30