MITTWOCHSKINO: IRAN

Die Kultur des Irans stößt hierzulande auf großes Interesse. Ausdruck davon sind Kulturprogramme und Städtepartnerschaften wie jene von Freiburg mit der ehemaligen Königstadt Isfahan. Insbesondere der Film bietet die Möglichkeit einer Begegnung mit der iranischen Kultur.

Innenansichten, die kontroverse Sichtweisen auf die Lebensverhältnisse ermöglichen, liefern die Filme REICH DES BÖSEN und der im freiburger filmforum laufende SONBOL. In REICH DES BÖSEN – der Titel ist eine Anspielung auf George W. Bushs Zuschreibung – äußern sich junge Iraner zu den Geschlechterverhältnissen und zu ihrer Einstellung gegenüber der religiös geprägten Gesellschaft. SONBOL portraitiert eine städtische Frau, die sich Freiheiten nimmt, die selbst in westlichen Gesellschaften nur wenige für sich beanspruchen.

Als Kontrast bietet FOUR WOMEN, ONE MAN einen selten berührenden Einblick in einen polygamen Haushalt im ländlichen Raum Irans. Etwa ein Drittel der Bevölkerung leben in solchen Strukturen und der iranischstämmigen Filmemacherin ist es gelungen, ein Portrait von den Frauen zu zeichnen, das alle Aspekte dieser Lebensform zeigt. Abgerundet wird das Programm durch ZEMESTAN, einem Spielfilm, der das Thema Wanderarbeit zum Ausgangspunkt einer vielgestaltigen zwischenmenschlichen Dynamik hat.

REICH DES BÖSEN – FÜNF LEBEN IM IRAN | IT‘S WINTER – ZEMESTAN | FOUR WIVES – ONE MAN

REICH DES BÖSEN – FÜNF LEBEN IM IRAN

Regie: Mohammad Farokhmanesh
| Deutschland 2007 | OmU | 90 Min. |

Der Dokumentarfilm REICH DES BÖSEN porträtiert das Leben fünf verschiedener Menschen in Teheran. Er begleitet zwei Frauen, zwei Männer und ein junges Mädchen in ihrem Alltag inmitten der islamisch geprägten Gesellschaft des heutigen Irans und gewährt dabei einen Blick hinter die Kulissen des »Gottesstaates«.

Denkt man an den Iran, denkt man an Ahmadineschad und Atombomben. Aber wie sieht dort der Alltag aus? Der gebürtige Iraner und Wahlhamburger Mohammad Farokhmanesh erzählt in seiner Dokumentation von einem gespaltenen Leben, einem Leben zwischen Müssen und Wollen. Offen, kritisch und auch gleichzeitig hoffnungsvoll sprechen die Protagonisten über ihre Probleme, aber auch über ihre Chancen in ihrem Land.

Mi 06.05., 19:30 | Di 12.05., 21:30 | Di 26.05., 21:30

IT‘S WINTER – ZEMESTAN

ZEMESTAN

Regie: Rafi Pitts | mit Mitra Hadjar, Ali Nicksolat, Hashem Abdi, Saeed Orkani, Zahra Jafari, Naser Madahi, Safari Ghassemi
| Iran 2005 | OmU | 86 Min. |

Es beginnt im Winter. Ein Mann verliert seinen Arbeitsplatz. Da er in seiner Heimat keine Möglichkeit mehr hat Geld zu verdienen, fasst er den Entschluss, sich im Ausland Arbeit zu suchen. So macht er sich auf den Weg und lässt Frau und Tochter zurück. Monate vergehen, ohne auch nur das geringste Lebenszeichen – keinen Anruf, keinen Brief. Dann wird es Herbst. Eines Tages kommt ein Fremder in die Stadt. Er ist Mechaniker und auf der Suche nach Arbeit. Sein Blick fällt auf die junge schöne Frau, von der es heißt, sie habe keinen Ehemann mehr. Rafi Pitt erzählt vom Überlebenskampf einer Generation, die ihre Heimat verlassen möchte und dabei in einen Teufelskreis gerät.

Mi 13.05., 19:30 | Sa 16.05., 21:30

FOUR WIVES – ONE MAN

FYRA FRUAR OCH EN MAN

Regie: Nahid Persson | Kamera: Setareh Persson
| Schweden 2007 | OmeU | 76 Min. |

Die aus dem Iran stammende schwedische Filmemacherin Nahid Persson hatte die Möglichkeit, im Iran einen Mann und seine vier Ehefrauen drei Jahre lang mit der Kamera zu begleiten. Dabei entstand ein sehr intimes Porträt einer Großfamilie – manchmal humorvoll, oft aber nicht frei von Problemen.

Farang, Goli, Shahpar und Ziba – das sind die vier Ehefrauen des wohlhabenden Schafzüchters Heda. Vier Frauen, die um die Gunst eines Mannes kämpfen müssen. Die immer wieder erleben, dass die neueste Ehefrau die meiste Zuwendung erhält, während die schon länger verheirateten Frauen an Einfluss, Macht und Stellenwert verlieren.

Materiell sind Frauen in einer Vielehe meist gut abgesichert, doch wie schwierig der Umgang mit ihren Gefühlen und ihren enttäuschten Hoffnungen ist, zeigt dieser Film.

Ein berührender und aufwühlender Dokumentarfilm der preisgekrönten Filmemacherin Nahid Persson aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums der iranischen Revolution. Eine Folge dieser gesellschaftlichen Umwälzung war die Wiederzulassung der Polygamie.

Mi 27.05., 19:30 | So 31.05., 21:30