CINELATINO – FESTIVAL DES LATEINAMERIKANISCHEN FILMS

22.04.–29.04

Spannendes, berührendes, bildgewaltiges Kino aus Lateinamerika zeigen wir vom 22.04. bis 29.04.

Bereits zum 17. Mal findet CineLatino statt. 1992, als das Festival mit einer kleinen Filmreihe begann, war das lateinamerikanische Kino in Deutschland und auch in Europa nahezu unbekannt. Das Festival leistete wichtige, schwierige Aufbauarbeit. Mittlerweile boomt der lateinamerikanische Film weltweit und CineLatino hat sich als wichtigstes Forum des Lateinamerikanischen Film in Deutschland etabliert. Der Länderfokus liegt in diesem Jahr auf dem südamerikanischen Land Chile, das mit fünf Spiel- und Dokumentarfilmen vorgestellt wird, darunter die drei wichtigsten preisgekrönten Filme des Jahres 2008: TONY MANERO von Pablo Larraín handelt von einem Vorstadt-Tänzer im Pinochet-Chile. EL CIELO, LA TIERRA Y LA LLUVIA (José Luis Torres Leiva), der von vier Menschen im chilenischen Westpatagonien erzählt und ALICIA EN EL PAÍS von Esteban Larraín über den langen Marsch eines Mädchens der Quechua-Indianer von Südbolivien nach Nordchile, wobei diese beiden Filme vor allem durch ihre beeindruckende Bildsprache herausragen.

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Filmen gibt es ab Mitte April in der ausführlichen Programmbroschüre, auf der Homepage des Kommunalen Kinos oder unter www.filmtage-tuebingen.de/latino/.

GIGANTE | O CHEIRO DO RALO | MI VIDA DENTRO | EL CIELO, LA TIERRA Y LA LLUVIA | MEXIKANISCHE KURZFILME | LA VIDA ME MATA | INTIMIDADES DE SHAKESPEAREY VICTOR HUGO | COCHOCHI | TONY MANERO | ALICIA EN EL PAIS | PARTES USADAS | GALLERO | ANTONIA | LICENCIA NÚMERO UNO | 1973 REVOLUCIONES POR MINUTO. LAS ÚLTIMAS HORAS DE SALVADOR ALLENDE

GIGANTE

| Regie & Buch: Adrián Biniez | Kamera: Arauco Hernández Hol | mit Jara Horacio Camandule, Julia Leonor Svarcas, Julio Fernando Alonso, Omar Diego Artucio, Jaras Chef Ariel Caldarelli, Mariela Fabiana Charlo, Fidel Adrés Gallo |
| Argentinien/Uruguay/Deutschland/Niederlande 2008 | OmU | 90 Min. |

Jara arbeitet als Wachmann in einem Supermarkt. Eines Nachts erblickt er auf dem Bildschirm Julia, die schönste aller Putzfrauen. Auf den ersten Blick verliebt er sich in sie und die dröge Überwachungspflicht verwandelt sich in eine Schatzsuche im Warenhauslabyrinth. Weil er sich nicht traut, die Schöne anzusprechen, folgt er ihr wohin sie auch geht, wird ihr heimlicher, doch unbelohnter Schutzengel.

Voll liebevoller Lakonie, präziser Situationskomik und wunderbar trockenem Humor schuf Adrian Bienez eine einfühlsame Supermarkt-Romanze – mit der wohl schönsten Liebeserklärung der jüngeren Filmgeschichte. GIGANTE wurde auf der Berlinale mit gleich drei Preisen ausgezeichnet, darunter der Silberne Bär – Großer Preis der Jury.

Mi 22.04., 19:30

O CHEIRO DO RALO

DER DUFT DER KLOAKE

| Regie & Buch: Heitor Dhalia | Kamera: José Roberto Eliezer | mit Selton Mello, Paula Braun, Paulo Alves, Susana Alves, Roberto Audio, Flavio Bauraqui |
| Brasilien 2007 | OmeU | 99 Min. |

Für Lourenço ist alles Objekt: Er will nur besitzen, er hat Angst vor dem Sein. Als Trödelhändler hat er keine Hemmungen, die Situation derjenigen auszunutzen, die ihm ihre letzte Habe anbieten. Kalt und mit Kalkül kauft er und füllt sein bereits ansehnliches Lager – verkaufen sieht man ihn nie. Erst als er ein künstliches Auge angeboten bekommt, zeigt er menschliche Züge in Form von Gier und bildet sich ein, das Auge gehörte ursprünglich seinem im Krieg gefallenen Vater. Eine seltsame Hassliebe empfindet er für den Gestank, der dem Abfluss seiner Toilette entweicht und die Luft seines Büros verpestet. Fasziniert ist er vom Hintern einer Bedienung; auch für diesen ist er bereit, Geld zu bezahlen. Als er statt dessen mit Zuneigung und Zärtlichkeit konfrontiert wird, bricht seine Welt zusammen und seine Sammlung von Typen und Rebellen schlagen mit einem tragischen Ausgang zurück.

Die Kinoversion des gleichnamigen Buches von Lourenço Mutarelli ist eine originelle, witzige und skurrile Komödie, in der ein respektloser Trödler ein existentielles Drama erlebt.

Heitor Dhalia war 1999 Regieassistent bei UM COPO DE CÓLERA und 2000 Regisseur von CONCEIÇÃO. 2004 drehte er seinen ersten Spielfilm NINA. O CHEIRO DO RALO wurde bester Film bei der Mostra in São Paulo, gewann den Spezialpreis der Jury in Rio de Janeiro und kam in die offizielle Spielfilmauswahl beim Sundance Festival 2007.

Do 23.04., 19:30

MI VIDA DENTRO

MEIN LEBEN HIER DRIN

Dokumentarfilm | Regie & Buch: Lucía Gajá | Kamera: Erika Licea Orozco |
| Mexiko 2008 | OmeU | 120 Min. |

Über 10 Millionen Mexikaner leben in den USA, davon sind etwa die Hälfte Frauen. Im Jahr 2006 gab es 1679 Gerichtsverfahren gegen Mexikanerinnen. Dieser Film zeigt eine Gerichtsverhandlung gegen eine von ihnen: Rosa.

Rosa ist zum Zeitpunkt des Dokumentarfilms 24 Jahre alt. Sie kam als Wetback und illegal aus Mexiko nach Texas. Sie hatte den Traum von einer Familie, sie wollte Geld verdienen, um ihrer Mutter ein Haus zu bauen und ein komfortableres Leben zu ermöglichen. Von der US-amerikanischen Gesellschaft und Kultur gefielen ihr die Straßen, auf denen man gut Auto fahren kann, und die hohen Gebäude. Rosa lernte ihren ebenfalls mexikanischen Ehemann kennen und sie bekam zwei Kinder. Sie arbeitete als Kindermädchen für eine mexikanische Familie, verstand kaum Englisch und sprach noch weniger. Doch als das Kind in ihrer Obhut einen Unfall hatte, zeigte sich, wie fatal es war, dass Rosa auch ihre Rechte und Pflichten nicht kannte. Das Kind starb und Rosa wurde des Totschlags angeklagt. Hat sie in den Mühlen der US-amerikanischen Justiz überhaupt eine Chance?

Lucía Gajá studierte Film in Mexiko City. Sie besuchte Workshops bei Santiago Álvarez und Patricio Guzmán und arbeitete als Regiassistentin. 2005 erhielt ihre Kurzdokumentation »Soy« mehrere Preise. Ihr erster langer Dokumentarfilm »Mi Vida Dentro« gewann den ersten Preis bei der Documenta in Madrid, den Preis für Menschenrechte in Buenos Aires und wurde 2007 bester mexikanischer Dokumentarfilm in Morelia.

Do 23.04., 21:30

EL CIELO, LA TIERRA Y LA LLUVIA

HIMMEL, ERDE UND REGEN

| Regie & Buch: José Luís Torres Leiva | Kamera: Inti Briones | mit Julieta Fiueroa, Pablo Krögh, Mariana Muñoz, Angélica Riquelme, Ignacio Agüero, Maité Fernández, Fernanda Gonzalez, Samuel González, Hugo Medina, Norma Ortiz, Francisco Ossa, Patrick Puigmal, Isabel Quinteros, Chamila Rodríguez, Rocío Terroba |
| Chile 2008 | OmeU | 111 Min. |

Ana ist eine einsame junge Frau mit einem Job in einem Laden. Ihre Freundin Verónica vermittelt ihr Arbeit als Haushaltshilfe bei Toro. Um eine andere Freundin, ein junges depressives Mädchen kümmert sie sich auch noch. In wechselnden Konstellationen treffen die vier sich an wiederkehrenden Orten: Die Wiese für ein Picknick, der Waldweg zum Spaziergang, die Straße als Arbeitsweg, die Fähre als Verkehrsmittel. Regisseur José Luis Torres Leiva wollte mit dem Film eine Geschichte über Reise an sich erzählen, und nicht über das Ankommen oder gar eine klassische Story mit Anfang, Mitte und einem Ende. Geduldig folgt die Kamera den Figuren durch Sonne und (viel) Regen, und gibt dem Zuschauer Zeit zu deuten. In den Wiederholungen und sehr knappen Dialogen wird beispielsweise das ewig zusammenbrechende Fahrrad von Ana ein Leitmotiv: Fortbewegungsmittel und damit auch Freiheit, Konversationsthema, wenn das Thema Männer abgehakt ist, Sorgenquell weil unzuverlässig und kostenintensiv. Und dann doch wieder die Fähre.

José Luís Torres Leiva studierte audiovisuelle Kommunikation und war Schüler bei Pedro Chaskel, und Heinz Peter Schwerfel. Seine bekanntesten Dokumentarfilme sind EL TIEMPO QUE SE QUEDA und NINGÚN LUGAR EN NINGUNA PARTE. EL CIELO, LA TIERRA Y LA LLUVIA gewann 2008 den FIPRESCI-Preis in Rotterdam.

Fr 24.04., 19:30, zu Gast: Regisseur José Luís Torres Leiva

MEXIKANISCHE KURZFILME

| Mexiko 2008 | OmeU | ca. 80 Min. |

BEYOND THE MEXICAN BAY

JENSEITS DER MEXIKANISCHEN BUCHT

| Mexiko 2008 | 17 Min. | Regie: Jean-Marc Rousseau Ruiz |

Die Mexikanerin María verkauft Schmuck auf der Straße. Eines Tages bittet ein fremder Mann sie auf französisch, ihn mit in die Wüste zu nehmen. Trotz offensichtlicher Unterschiede bezüglich Herkunft, Alter und Sprache kann dieser Ausflug die Leere und Eisamkeit im Leben der beiden für wenigstens eine Nacht ausfüllen.

BUEN PROVECHO

GUTEN APPETIT

| Mexiko 2008 | 8 Min. | Regie: Eduardo Canto |

In der Mensa: Ein Student stellt sein Tablett auf den Tisch und holt sich Besteck. Als er zurückkommt, löffelt ein Indigena-Mädchen seelenruhig seine Suppe. Um nicht als Rassist abgestempelt zu werden, sieht er sich gezwungen, das Essen zu teilen.

CAFÉ PARAÍSO

CAFÉ PARADIES

| Mexiko 2008 | 10 Min. | Regie: Alonso Ruizpalacios |

Zwei Mexikanische Einwanderer sind Köche im Café Paraíso. Wenn ihr Chef nicht in der Nähe ist, spielen sie sich gegenseitig tollkühne Kündigungsreden vor und träumen von der Liebe, einem würdevolleren Leben und Freiheit. Doch im Café Paraíso vermischen sich Realität und Fiktion.

CARRETERA DEL NORTE

AUTOBAHN NORD

| Mexiko 2008 | 10 Min. | Regie: Rubén Rojo Aura |

Am Rande der Carretera del Norte verkauft eine Familie Gegenstände an Vorbeireisende. So karg wie die Wüstenlandschaft am Straßenrand, so lieblos sind auch die Beziehungen zwischen Großvater, Mutter und Enkelsohn. Die einzige Hoffung auf ein Leben jenseits der Armut stellt für die Mutter ihr Neugeborenes dar.

DE CÓMO LOS NIÑOS PUEDEN VOLAR

DER JUNGE, DER FLIEGEN KONNTE

| Mexiko 2008 | 7 Min. | Regie & Buch: Leopoldo Aguilar |

Ein Kind reitet auf seinem Schaukelpferd, während die Mutter ihre Hausarbeit verrichtet. Sie verlässt den Raum und das Kind entdeckt draußen einen Vogel. Beim Versuch, ihn einzufangen, fliegt dieser aufs Dach. Das Kind klettert hinterher, doch das Tier entwischt ...

PALOMA

TAUBE

| Mexiko 2008 | 10 Min. | Regie: Roberto Fiesco |

Román möchte sein Heimatdorf verlassen. Die Menschen dort leben seit jeher von der Bewirtschaftung des kargen Ackerlandes. Doch zuvor muss er sich noch von seiner Großmutter Paloma verabschieden.

XÁNI XÉPIKA

DIESER NICHTSNUTZ!

| Mexiko 2008 | 7 Min. | Regie, Buch & Produktion: Dominique Jonard |

José wird bald Atzimba heiraten. Sein Schwiegervater bittet ihn häufig um kleine Gefälligkeiten, die er gekonnt in den Sand setzt. Als er in den Bergen einen Baum fällen soll, kommt er nackt und ohne Baum zurück.

Fr 24.04., 21:30

LA VIDA ME MATA

DAS LEBEN TÖTET MICH

| Regie: Sebastián Silva | Buch: Sebastián Silva, Pedro Peirano | Kamera: Sergio Armstrong | mit Gabriel Díaz, Diego Muñoz, Bélgica Castro, Catalina Saavedra, Claudia Celedón, Amparo Noguera, Alejandro Sieveking |
| Chile 2007 | OmeU | 92 Min. |

Kameramann Gaspar neigt zu Depressionen. Der frühe Tod seines Bruders hat ein gähnendes Loch in seinem Leben hinterlassen. Auch sein Engagement bei einem schrägen Kurzfilmprojekt mit der Möchtergern-Schauspielerin Susana hält ihn nicht von ständig neuen, hablherzigen Selbstmordversuchen ab. Auf einer Beerdigung lernt er den exzentrischen Álvaro kennen. Im Gegensatz zu Gaspar begegnet dieser dem Tod mit einer skurrilen Neugier, an der er Gaspar von nun an teilhaben lässt. Ob bei einem Ausflug in die Leichenhalle oder mit einem toten Vogel, Álvaro verblüfft Gaspar immer wieder und bringt ihn dazu, dem Tod in die Augen zu sehen. Wenig später verfolgen sie gebannt die letzten Atemzüge von Gaspars Großvater. Sebastián Silvas rabenschwarzer Humor hinterlässt ein Schmunzeln auf den Lippen und die Erkenntnis im Bewusstsein, dass man dem Tod nicht mehr Beachtung schenken sollte als dem Leben.

Sebastián Silva studierte Film und Animation. LA VIDA ME MATA gewann den chilenischen Oscar »Pedro Sienna« in den Kategorien bester Film, beste Nebendarstellerin, bester Schnitt, beste Effekte und beste Maske. Beim SANFIC in Santiago de Chile erhielt er den Preis für die beste Schauspielerin und den Publikumspreis.

| Sa 25.04., 19:30 |

INTIMIDADES DE SHAKESPEAREY VICTOR HUGO

VERTRAULICHKEITEN ZWISCHEN SHAKESPEARE UND VICTOR HUGO

Dokumentarfilm | | Regie & Buch: Yulene Olaizola | Kamera:Yulene Olaizola und Rubén Imaz |
| Mexiko 2008 | OmeU | 83 Min. |

Gleich beim Einzug sagte Jorge Riosse zu Rosa Carbajal: »Ich möchte hier wohnen, aber ich werde nicht lange bleiben.« Rosa wusste nicht, ob er bald sterben oder bald weiterziehen wird. Doch dann lebten sie acht Jahre gemeinsam unter einem Dach an der Ecke Shakespeare/Victor Hugo-Straße in Mexiko Stadt und Jorge wurde Rosas bester Freund. Gleichwohl blieb er ein Mann voller Geheimnisse: Was macht er den ganzen Tag, womit verdient er sein Geld, warum kann er so gut zeichnen, warum malt er immer nur Frauen und wieso singt er so traurige Lieder?

Rosa erzählt 20 Jahre später, was sie von Jorge beobachtet hat, stellt Vermutungen an und berichtet doch lediglich von der Einsamkeit und vom Wunsch, für jemanden vertraut zu sein. Ihre Erinnerungen verdichten sich zum Portrait eines Abwesenden und seiner Tragödie.

Yulene Olaizola gewann ein Stipendium des »Fondo Nacional para la Cultura y las Artes« (FONCA) für den Dreh von INTIMIDADES DE SHALKESPEARE Y VICTOR HUGO. 2007 erhielt sie für die Postproduktion Unterstützung vom Jan Vrijman Fund. Sie führte Regie bei VIEJO GORDO SOL (2003), CAFÉ AMERICANO (2004) und TE VOY A DORMIR (2006).

Sa 25.04., 21:30

Programmänderung (statt GASOLINA)

COCHOCHI

| Spielfilm von Laura Guzmán und Israel Cárdenas, Mexiko / USA 2007, 87 Min., 35 mm, Farbe, OmeU |

Die Brüder Evaristo und Tony haben gerade die Schule beendet, als sie von ihrem Großvater den Auftrag bekommen, Medizin an das andere Ende der Sierra Tarahumara zu bringen. Der Weg ist weit und so borgen sie sich das Pferd des Grossvaters aus, um schneller voranzukommen. Die Reise entwickelt sich jedoch ganz anders als geplant.

So 26.04., 19:30

TONY MANERO

Regie: Pablo Larrain
| Chile/Brasilien 2007 | OmeU | 99 Min. |

Während der brutalen Pinochet-Diktatur verfolgt der fünfzigjährige Raúl Peralta nur ein einziges Ziel: Er ist besessen von der Idee, bei einem Wettbewerb von Tony Manero Imitatoren im nationalen Fernsehen zu gewinnen. Um so zu tanzen wie John Travolta in SATURDAY NIGHT FEVER, übt er täglich mit seiner Tanzgruppe auf der maroden Holzbühne einer Bar in Santiago de Chile. Oft besucht er als einziger Kinozuschauer die Vorstellung von SATURDAY NIGHT FEVER und spricht die Dialoge wortgetreu nach. Um sein Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Als eines Tages statt seines Lieblingsfilms plötzlich GREASE im Kino läuft, gerät er außer sich vor Wut und Enttäuschung. Wer sich ihm in den Weg stellt, wird kurzerhand ausgeschaltet. TONY MANERO ist eine dunkle Parabel zur Pinochet-Diktatur: zum Streben nach wirtschaftlichem Ruhm und zum American Dream inmitten einer kalten und identitätslosen Gesellschaft.

Pablo Larraín ist Dozent an der Universidad de las Comunicaciones in Santiago de Chile. TONY MANERO ist sein zweiter Spielfilm und wurde u.a. in Cannes, Toronto und Rotterdam gezeigt. Er gewann den Italienischen Filmkritiker Preis beim Internationalen Filmfestival in Turin und in den Kategorien bester Film und bester Schauspieler.

So 26.04., 21:30

ALICIA EN EL PAIS

ALICIAS WEG

| Regie & Buch: Esteban Larraín | Kamera: Juan Pablo Urioste |
| Chile 2008 | OmeU | 86 Min. |

ALICIA EN EL PAÍS ist die Geschichte von Alicia und dem Land. Filmaufnahmen, die die Natur in ihren riesigen Ausmaßen abbilden, zeigen sie als kleine Figur. Die Kamera stolpert bisweilen mit ihr durch Wüsten, Täler Berge und Höhlen und bildet so filmisch ihre Körperbewegung ab.

Der Film von Esteban Larraín zeichnet den Weg, den sie bereits zweimal gemacht hatte, nochmals nach. Diese Nachzeichnung macht den Film zu einem Spielfilm mit dokumentarischen Elementen. Genau das ist seine Faszination: die ästhetisch perfekten Landschaften sind untrennbar verquickt mit geo-politischer Realität. Alicia musste die Reisen mit 13 und 15 machen, um in der Stadt Geld zu verdienen. Zwischen den Szenen von ihrem langen Marsch gibt es Einschübe über ihre Familie und Herkunft. Gesprochen wird wenig, aber gehört viel: Regen, Donner und vor allem Wind. Nicht zuletzt erzählt der Film die Beziehung von Menschen zum Land: Weideland, Ackerland, Vaterland, Heimat und Fremde.

Esteban Larraín studierte Journalismus, Regie und Politikwissenschaften. Im Mittelpunkt seiner Filme stehen aktuelle politische und soziale Themen im Leben weiblicher Charaktere. ALICIA EN EL PAÍS gewann 2008 in Locarno den Spezialpreis der Jury und wurde zum besten Film beim Dokumentarfilmfestival in Navarra gekührt.

Mo 27.04., 19:30

PARTES USADAS

ERSATZTEILE

| Regie & Buch: Aarón Fernández Lesur | Kamera: Javier Morón | mit Eduardo Granados, Alan Chávez, Carlos Ceja, Damayanti Quintanar, Pilar Padilla |
| Mexiko 2007 | OmeU | 95 Min. |

Iván, 14 Jahre, lebt mit seinem Onkel Jaime, einem durchschnittlichen Gebrauchtwarenhändler. Beide träumen von einem besseren Leben und sparen für die illegale Emigration nach Chicago. Als sie sich bewusst werden, dass sie mehr Geld als geplant für den Übergang benötigen, beschließt Jaime, seinen Neffen in die Machenschaften des Raubes von Autoteilen einzuweisen. Iván lernt schnell und überzeugt seinen Freund Efraín, ihm zur Seite zu stehen. Die Jungs erfüllen mit Sorgfalt und Freude, was Jaime von ihnen verlangt, doch bald merkt Iván, dass sich die Vorstellungen seines Onkels von der Reise verändert haben ...

Zwei Jungs auf einem Moped, dunkle Sonnenbrillen und ein breites Grinsen im Gesicht. Sie fühlen sich für einen Moment als die Könige der Stadt und glauben, dass eine Zukunft vor ihnen liegt, die sie reich und glücklich machen wird. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg für Iván und Efraín. Denn noch sind sie erst am Anfang ihrer Karriere als Autodiebe. Unbeobachtet entfernen sie wertvolle Autoteile und verscherbeln sie bei einem Händler. Iván möchte mit seinem Onkel illegal in die USA auswandern. Doch das ist teuer. Als sein Onkel beschließt, ihn nachkommen zu lassen, will Iván auf eigene Faust weitermachen und heuert seinen besten Freund Efraín an. Zuerst geht auch alles gut, doch dann gerät eine Waffe ins Spiel und beendet jäh die Diebeszüge.

PARTES USADAS gewann in der Kategorie »Bester Film eines Erstregisseurs« bei Mexikos renommiertesten Filmfestival in Guadalajara und war Mexikos Beitrag zum Golden Globe 2008.

Aarón Fernández Lesur studierte Film in Paris und ist Mitbegründer der mexikanischen Produktionsfirma Cinta Negra. Er dreht Kurz-, Dokumentar- und Werbefilme. »Ersatzteile« ist sein erster Spielfilm.

Mo 27.04., 21:30

GALLERO

| Regie & Buch: Sergio Mazza | Kamera: Mauriccio Riccio, Sergio Mazza | mit Gustavo Almada, Silvia Zerbini |
| Argentinien 2008 | OmeU | 100 Min. |

Mario lebt auf dem Land und züchtet Kampfhähne, denen er seine ganze Liebe und Aufmerksamkeit schenkt. Ansonsten ist er ein Einzelgänger. Ab und zu fährt er für Gelegenheitsjobs aufs Land hinaus. Eines Tages trifft er auf dem Weg zu einem dieser Jobs zufällig Julia, eine ältere Frau, die einsam in ihrem abseits gelegenen Haus lebt. Durch einen Unfall hat sie ihre ganze Familie verloren und sich seitdem zurückgezogen und der Welt verschlossen. Zunächst kommt Mario nur, um ihr bei verschiedenen Reparaturen zu helfen. Allmählich entspannt sich eine zarte Freundschaft und es entwickeln sich zunehmend Gefühle, die verwirren und die keiner von beiden zulassen kann. Die Unsicherheit im Umgang miteinander und die vielen Worte, die unausgesprochen bleiben, erzeugen zunehmend Spannung beim Zuschauer. Als Julia schließlich beim entscheidenden Kampf von Marios stärkstem Hahn auftaucht, scheint der Bann gebrochen.

Sergio Mazza hat mit GALLERO einen Film komponiert, der durch seine plastischen Bilder besticht. Er handelt von einer Welt, in der Einsamkeit, Liebe und Brutalität Hand in Hand gehen, eine Welt zwischen Realität und Absurdität.

Der 1976 in Argentinien geborene Sergio Mazza studierte Bild- und Sounddesign an der Universität von Buenos Aires. Er drehte mehrere Kurzfilme sowie zahlreiche Werbespots. Aktuell bereitet er seinen nächsten Film TRIPLE FRONTERA vor. EL AMARILLO lief u.a. auf dem Internationalen Filmfestival von Venedig 2008, und wurde auf dem CineLatino 2007 mit dem Publikumspreis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet. GALLERO lief auf dem internationalen Filmfestival Mar de Plata in Argentinien.

Di 28.04., 19:30

ANTONIA

| Regie: Tata Amaral | Buch: Roberto Moreira, Tata Amaral | Kamera: Jacob Sarmento Solitrenick | mit Negra Li, Cindy, Leilah Moreno, Quelynah, Thaíde, Sandra de Sá, Nathalye Cris, Markus Vinicius Kamau, Fernando Macário, Chico Santo, Ezequiel da Silva, DJ Negro, Rico, DJ Hadji, Maionezi |
| Brasilien 2006 | OmeU | 90 Min. |

Die vier Freundinnen Preta, Barbara, Mayah und Lena verwirklichen ihren Traum und gründen die Rap-Band Antônia in der Hoffnung, berühmt zu werden und Armut, Macho-Gehabe und Gewalt zu trotzen. So wie die Menschen erfindet sich die Umgebung im Film ständig neu. Eine unglaubliche Parallele zwischen Häusern in permanenter Konstruktion und dem Leben in ständiger Veränderung entsteht. In Vila Brasilândia, einem Vorort von Såo Paulo, schlägt das Schicksal jedoch zu und trennt die Gruppe. Ihr einstmals gemeinsamer Traum scheint zu scheitern.

ANTÔNIA ist ein Einblick in das elende Leben an armen Orten dieser Welt und eine musikalische Reise zugleich. Antônia sind vier mutige Frauen, die all die Menschen verkörpern, die sich einen Traum zu erfüllen suchen.

Tata Amaral zählt zu den bekanntesten Filmemacherinnenn Brasiliens. ANTÔNIA ist der dritte Teil einer Trilogie über archetypische Frauenbilder. Der Film wurde bester Spielfilm beim Internationalen Filmfestival in São Paulo und gewann in der Kategorie beste Filmmusik in Havana. Weitere Filme, die beim CineLatino zu sehen waren und die Regisseurin anwesend war: UM CÉU DE ESTRELAS 1997, ATRAVÉS DA JANELA 2000.

Di 28.04., 21:30

LICENCIA NÚMERO UNO

LIZENZ NUMMER EINS

| Regie & Buch: Matilde Michanié | Kamera: Ada Frontini, Pablo Zubizarreta, Sven Kische, Gaby Lingke | mit Micaela Saldívar, José Rotela |
| Argentinien/Deutschland 2008 | OmeU | 78 Min. |

Marcela Acuña wird »La Tigresa« (die Tigerin) genannt. Sie war die erste Frau Argentiniens, die eine Lizenz zum Boxen erhielt und somit die Möglichkeit, professionelle Boxerin zu werden. Marcela Acuña schildert in diesem Film ihren Lebensweg, der sie aus einer der ärmsten Regionen Argentiniens in den Weltklasse-Ring führte. Sie schildert die Probleme, die sie überwinden musste und immer noch muss, und wir erhalten einen sehr eindrucksvollen Einblick in die Welt des Frauen-Boxens. Zu Wort kommen auch andere argentinische und deutsche Boxerinnen, unter ihnen die bekannte Regina Halmich und Barbara Buttrick, die Präsidentin der Women’s International Boxing Federation (WIBF).

Die Regisseurin, Matilde Michanié sagt über ihre Intention zu dem Film: »Das Frauenboxen und insbesondere das Leben von ›La Tigresa‹ erzählt eine Geschichte vom Überschreiten festgelegter gesellschaftlicher Regeln und in ihrem Fall ist es ein Überschreiten mit Erfolg. Was meiner Heldin passiert, ähnelt den Erfahrungen von Millionen von Frauen überall in der Welt, im Norden wie im Süden, in ihren eigenen privaten ›Boxringen‹.«

Matilde Michanié ist Drehbuchautorin, Regisseurin und Produktionsleiterin. Die Argentinierin studierte Visuelle Kommunikation, Film und Fernsehen in Kassel. Sie drehte die Dokumentarfilme LA PALESTINA CHICA 2003, HITLER EN PARAGUAY 2002, EL CHE VIVE 1997, u.a.

Mi 29.04., 19:30

1973 REVOLUCIONES POR MINUTO. LAS ÚLTIMAS HORAS DE SALVADOR ALLENDE

1973 REVOLUCIONES POR MINUTO: DIE LETZTEN STUNDEN VON SALVADOR ALLENDE

Dokumentarfilm | Regie: Fernando Valenzuela | Buch: Fernando Valenzuela, RodolfoQuebleen | Kamera: Alejandro Moya |
| Chile 2008 | OmeU | 65 Min. |

Ramiro Sandoval macht sich auf den Weg zu einem besonderen Auftritt. In der U-Bahn von New York liest er »Die Göttliche Komödie«. »Der Pfad, dem du folgst, führt dich zum Tod«, steht dort. Freunde, die er unterwegs trifft, fragen ihn, »Töten sie dich heute wieder?« Der Schauspieler betritt ein verlassenes Theater, beginnt sich zu schminken und kommt als Salvador Allende auf die Bühne. In einem Monolog leben die letzten Stunden des chilenischen Präsidenten wieder auf. Es ist der 11. September 1973. Dokumentaraufnahmen in schwarzweiß zeigen, wie unter dem Befehl Pinochets Panzer die Prachtstraßen entlangfahren und schießen. Regierungsgebäude werden von Kampfflugzeugen angegriffen. Nur vom Präsidentenpalast La Moneda kommt Gegenwehr. Ramiro-Allende versucht in hektischen Telefonaten, die Lage unter Kontrolle zu halten, seine Familie zu retten, aber das Militär siegt. Die unter Schock stehenden Menschen blicken ausdruckslos in die Kamera.

Fernando Valenzuelas Film 1973 REVOLUCIONES POR MINUTO wurde im Museum für zeitgenössische Kunst in Castilla de León gezeigt. Der Film gewann 2007 in Alatri den Goldenen Saturn in der Kategorie bester Schauspieler und den ersten Preis in der Kategorie Salvador Allende beim chilenischen Festival de Cine Social y Derechos Humanos CINE OTRO 2009.

Mi 29.04., 21:30