MITTWOCHSKINO

MIGRANTINNEN – EINE FILMREIHE ANLÄSSLICH DES WELTFRAUENTAGS

Migration gabes bereits, lange bevor von Globalisierung die Rede war. Doch gab es vermutlich nie zuvor so viele Menschen, die sich aus verschiedenen Anlässen fernab ihrer Herkunftskultur zu arrangieren versuchten und nach vielgestaltigen Möglichkeiten der Überwindung ihrer Fremdheitserfahrung suchten. Dies trifft in besonderem Maße auch auf das weibliche Geschlecht zu. Anlässlich des Weltfrauentages haben wir im März den Programmschwerpunkt Migrantinnen zusammengestellt.

Alle Protagonistinnen in den vier Filmen eint das Bestreben, in einem Prozess von Anpassung und Selbstbehauptung dem Ziel des inneren Friedens näher zu kommen. Hierbei ist ein Aufeinanderprallen von Widersprüchen fast unvermeidlich. Diese Widersprüche können in der Person selbst, wie auch in der Konfrontation mit der fremdartigen Außenwelt auftreten. Allerdings ist nicht zu übersehen, dass es stark divergierende Formen des Umgangs mit dieser konflikthaften Situation gibt und dass sich naturgemäß Vertreterinnen der ersten Migrationsgeneration besonders schwer tun. Doch lässt sich auch in allen hier dargestellten Fällen auch ein optimistisch stimmender Grundton erkennen.

SPAGAT – MÜTTER UND TÖCHTER IN DER MIGRATION | FREMDE HAUT | ICH GEHE JETZT REIN | ELLI MAKRA – 42277 WUPPERTAL

SPAGAT – MÜTTER UND TÖCHTER IN DER MIGRATION

Regie und Buch: Margrit Pfister, Claudia Pfister Kamera: Claudia Pfister
| Schweiz 2007 | 60 Min. |

Mütter spielen bei der Tradierung von Rollenbildern für ihre Töchter eine wichtige Rolle. Doch wie weit greift das Muster auch in den Beziehungen zwischen Müttern mit Migrationshintergrund und deren Töchtern? In einem bunten Kaleidoskop von Interviews und Alltagsszenen werden in SPAGAT die Konfliktlinien in den stürmischen Zeiten der Pubertät sichtbar, und zwar im doppelten Spagat zwischen generationen- und migrationsbedingtem Wertewandel.

Der Film erzählt differenziert vom Ringen der Töchter um Selbstbestimmung, ohne den Zusammenhalt der Familie aufs Spiel zu setzen. Mit erstaunlicher Offenheit reden Mütter und Töchter über Erziehungsmethoden, Aufklärung, Sexualität, Zukunftswünsche und -ängste.

Von außen besehen bewegen sich die Töchter mit einer Leichtigkeit »in zwei Welten«: in den überlieferten Familienstrukturen, den ethischen Werten und religiösen Traditionen der Herkunftskultur ihrer Eltern und ihrem neuen Umfeld. Schwieriger wird es dort, wo Tradition und/oder Religion der Eltern den Töchtern auch in persönlichen Angelegenheiten kaum Selbstbestimmungsrecht gewährt.

Mi 04.03., 19:30 | Sa 07.03., 21:30

FREMDE HAUT

Regie: Angelina Maccarone | mit Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau, Navid Akhavan, Hinnerk Schönemann, Jens Münchow
| Deutschland/Österreich 2005 | 97 Min. |

Sie ist jung, attraktiv und intelligent. Und sie liebt Frauen. Dafür droht der Dolmetscherin Fariba in ihrem Heimatland Iran die Todesstrafe. Nachdem ihr lesbisches Verhältnis von Sittenwächtern entdeckt wird, flieht sie nach Deutschland. Nach Ablehnung ihres Asylantrages droht ihr die Abschiebung. Um dem zu entgehen, nimmt sie eine fremde Identität an und versucht in Deutschland zu überleben. Politisches Drama, bewegende Liebesgeschichte und deutsche Wirklichkeit.

In FREMDE HAUT erzählt Angelina Maccarone detailliert von Entwurzelung und Sehnsucht nach Identität, von unmöglicher Liebe in Zeiten von Exil und Verfolgung, vom unbeugsamen Willen einer Frau, ihren Platz im Leben zu finden, anzukommen – in einem anderen Land, einer anderen Kultur, einer neuen Liebe. Sie ist eine Kämpferin und will leben.

Der Film beeindruckt durch Jasmin Tabatabais große schauspielerische Leistung, geht in seiner radikalen Intensität unter die Haut und schmerzt durch eine seltene Wahrhaftigkeit.

Mi 11.03., 19:30 | So 15.03., 19:30

ICH GEHE JETZT REIN

Regie: Aysun Bademsoy
| Deutschland 2008 | 73 Min. |

ICH GEHE JETZT REIN ist der dritte Teil eines dokumentarischen Langzeitprojekts über das Leben einer Gruppe Berliner Türkinnen. Die Filmemacherin Aysun Bademsoy hatte die jungen Frauen vor dreizehn Jahren entdeckt und begonnen, ihren Lebenszusammenhang, ihre Familiensituation, ihre Leidenschaft für den Fußball zu dokumentieren.

Ihre Existenz als Türkinnen in Deutschland und ihr ungewöhnliches Hobby hatte aus den jungen Frauen eine Gemeinschaft geformt, die nun am Zerfallen ist. Zu sehr sind ihre Leben auseinandergedriftet, härter geworden, aber jede der Frauen zeugt auf ihre Art von einem wunderbaren Widerstandsgeist, einem vielleicht ein wenig gebrochenen Stolz. Wie die Filmemacherin von diesen Leben erzählt, hat etwas Solidarisches und Achtungsvolles, eine Verbundenheit und manchmal etwas wunderbar Beschützendes.

Mi 18.03., 19:30 | Sa 21.03., 21:30

ELLI MAKRA – 42277 WUPPERTAL

Regie und Buch: Athanasios Karanikols
| Deutschland 2007 | 80 Min. |

Elli ist Griechin. Seit ihrer Kindheit lebt sie in Deutschland. Ihr Leben besteht aus Arbeit, Ärger mit dem Ehemann und dem Kreis der Familie. Ein wenig Ablenkung findet sie bei einem Kollegen, mit dem sie ein Verhältnis hat. Trotzdem ist Elli einsam. Sie ist gebrochen, hat sich aber nicht aufgegeben. Anders als ihre Schwestern Anna und Tassia plant sie, in ihre Heimat, nach Griechenland, zurückzukehren. Elli hofft dort auf ein besseres Leben und glaubt dann keine Kompromisse mehr machen zu müssen. Doch lässt sich das auch so realisieren?

Der Film ELLI MAKRA zeigt das Leben einer griechischen Einwandererfamilie, fokussiert auf vier Frauen aus der ersten, zweiten und dritten Generation. Elli ist mit ihrem Rückkehrwunsch in ihr Heimatland kein Einzelfall. Viele junge Migranten sehen in ihrem Heimatland einen Zufluchtsort für ein besseres Leben. Dem Regisseur Athanasios Karanikolas gelingt hiermit ein Sozialdrama, was nicht nur die Suche nach Heimatfindung, sondern auch das familiäre Zusammengehörigkeitsgefühl sowie die Stärke der Frauen einer Migrationsfamilie nachdrücklich ins Bild setzt. Dadurch, dass viele Rollen mit Laiendarstellerinnen besetzt wurden, gewinnt der Film zusätzlich an authentischer Dichte.

Mi 25.03., 19:30 | Sa 28.03., 19:30 in Anwesenheit des Regisseurs | So 29.03., 21:30