HOMMAGE AN DEREK JARMAN (1942–1994)

Derek Jarman war einer der originellsten und radikalsten britischen Filmemacher.

Wir zeigen neben dem Dokumentarfilm DEREK über Jarmans Leben und Werk mit SEBASTIANE seinen ersten Langfilm, mit EDWARD II. Jarmans erfolgreichsten Film und mit BLUE Jarmans letzen Film.

DEREK | SEBASTIANE | EDWARD II | KINO AVANTGARDE: BLUE

DEREK

Regie: Isaac Julien | Buch, Erzählerin: Tilda Swinton | Kamera: Nina Kellgren
| Großbritannien 2008 | OmU | 76 Min. |

Ein Off-Kommentar. Tilda Swinton fängt an ihren Letter To An Angel vorzulesen; einen eindringlichen und verführerischen Text, geschrieben 2002. Zu diesem Zeitpunkt war Jarman, einer der meistgeliebten und originellsten Künstler Großbritanniens, bereits acht Jahre tot. Ein aufrichtiges und bislang nicht veröffentlichtes Interview, 1991 gedreht, mit einem schon von der tödlichen Krankheit gezeichneten Jarman, ist das Herz dieses Films.

Der Brief und das Interview sind verwoben mit kaum bekannten Super-8-Filmen des Künstlers und seiner Eltern, Archivmaterial, Ausschnitten aus Spielfilmen, Popvideos, privaten Aufnahmen und neuen Bildern: Tilda in Dungeness und London, Isaac Julien im Jarman-Archiv. Derek Jarman machte aus seinem Leben ein Fest, zu dem alle eingeladen waren. Der Maler, Autor, Gärtner, Aktivist – und vor allem Filmemacher – hatte eine besondere Ausstrahlung auf seine Zeit. Tilda Swinton und Isaac Julien, der sein künstlerisches Erbe antrat, haben sich zusammengetan, um für DEREK Jarmans Kunst und Leben auf die Leinwand zu bringen.

Di 03.02., 21:30 | Do 05.02., 19:30 | Fr 27.02., 21:30 | So 01.03., 17:30

SEBASTIANE

Regie: Derek Jarman, Paul Humfress | mit Leonardo Treviglio, Barney James, Neil Kennedy, Richard Warwick, Ken Hicks, Janusz Romanovi
| Großbritannien 1976 | lateinisch, OmU | 85 Min. |

Der bei Kaiser Diokletian in Ungnade gefallene Gardist Sebastiane wird auf einem Außenposten des Reichs verbannt. Die anderen Soldaten dort vertreiben sich die Zeit mit Schwertübungen, Schwimmen, Körperpflege und erotischen Spielen. In dieser aufgeheizten Situation gerät er in einen Konflikt mit dem sadistischen Hauptmann Severus, der heimlich in ihn verliebt ist. Da Sebastiane sich ihm verweigert und sich zum Christentum bekennt, wird er von seinen Kameraden mit Pfeilen erschossen.

Der erste Spielfilm von Derek Jarman ist ein Kult-Klassiker des erotischen Kinos und nun erstmals in den deutschen Kinos zu sehen. Er greift auf die christliche Märtyrerlegende zurück, inszeniert den Heiligen Sebastian aber nach berühmten Vorbildern als schwule Ikone. Der erste und einzige Erotikfilm mit lateinischen Dialogen.

Di 04.02., 21:30 | Do 12.02., 21:45 | Sa 01.03., 19:30

EDWARD II

Regie: Derek Jarman | mit Steven Waddington, Andrew Tiernan, Tilda Swinton, Nigel Terry, John Lynch, Jerome Flynn, Jody Graber, Kevin Collins, Dudley Sutton, Annie Lennox
| Großbritannien 1991 | OmU | 90 Min. |

England, Anfang des 14. Jahrhunderts. Nach dem Tod seines despotischen Vaters kann der junge König Edward II. endlich seinen verstoßenen Liebhaber Gaveston zurück nach London holen. Die obsessive Liebe des Herrschers bringt schnell die Lords und Kirchenmänner gegen den Günstling auf, der von Edward mit Adelstiteln und Reichtümern überhäuft wird. Die verschmähte Königin Isabella verbündet sich mit dem machthungrigen Lord Mortimer gegen ihren Ehemann, und auch Nichtadlige in London erheben sich gegen die unkonventionelle Liebe. Während Edward verzweifelt sein Recht auf Glück einfordert, versinkt das Land im Bürgerkrieg...

Eine schwule Liebe, die eine homophobe Gesellschaft ins Chaos stürzt – das ist der Stoff, den Derek Jarman frei nach dem Stück des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe 1991 für das Kino entwirft. Derek Jarmans erfolgreichster Film, ein wüstes Sex- und Gewalt-Panorama, mit einer Tilda Swinton als Rache-Diva und einem Auftritt von Annie Lennox, zu deren Ev’rytime we say Goodbye das verzweifelte Paar für immer Abschied nehmen muss.

Do 05.02., 21:30 | So 08.02., 19:30 | Di 10.02., 21:30

kino avantgarde

BLUE

| Großbritannien 1993 | OF | 74 Min. |

BLUE, der letzte Film von Derek Jarman, hat kein einziges Bild, nichts. Er ist nur blau. Ein reiner, ungestörter Film. Jarman, durch seine AIDS-Erkrankung erblindet, hat diesen Film Yves Klein gewidmet, mit dem er die Überzeugung teilt, dass »es mehr gibt, als das Auge trifft«. Das Testament eines Künstlers, der seine Einigung mit dem Tod gefunden zu haben scheint und mit einer Geste von erstaunlicher Schlichtheit und Reinheit zeigt, was Kunst sein kann. Geblendet von Blau.

Di 24.02., 19:30, Einführung: Robert Meßner