MITTWOCHSKINO

Fluchtpunkt USA
DAS KURZE LEBEN DES JOSÉ ANTONIO GUTIERREZ | DE L’AUTRE CÔTÉ

Mexico
JAPÓN | LA ZONA

FLUCHTPUNKT USA

Die USA ist noch immer ein Einwanderungsland. Über die mexikanische Grenze reisen jedes Jahr tausende Lateinamerikaner/-innen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir zeigen mit DAS KURZE LEBEN DES JOSÉ ANTONIO GUTIERREZ einen Film, der ein Einwandererschicksal in den Mittelpunkt rückt und mit DE L’AUTRE CÔTÉ eine herausragende Dokumentation von Chantal Akerman, die sich mit der Grenze, die die USA von Mexiko trennt, beschäftigt.

DAS KURZE LEBEN DES JOSÉ ANTONIO GUTIERREZ

Regie: Heidi Specogna
| Deutschland/Schweiz 2006 | OmU | 90 Min. |

José Antonio Gutierrez war einer der 300.000 Soldaten, die von der amerikanischen Armee in den Irak-Krieg geschickt wurden. Wenige Stunden nach Kriegsbeginn ging sein Foto um die Welt. Er war der erste Soldat auf amerikanischer Seite, der in diesem Krieg im Gefecht gefallen ist. Als sogenannter Greencard-Soldier – einer von etwa 32.000 – kämpfte er in der US-Armee für ein fremdes Vaterland.

Der Film erzählt die Geschichte des ehemaligen Straßenkindes aus Guatemala, das sich auf die Reise nordwärts machte – voller Sehnsucht und Hoffnung nach einer Zukunft – und schließlich, weitab von seiner Heimat, als »amerikanischer Held« starb. Erzähler des Films sind Menschen, die Gutierrez gekannt haben: Freunde von der Straße, Sozialarbeiter im Waisenhaus, seine Schwester, die amerikanische Pflegefamilie, schließlich die Kameraden bei den Marines im Camp Pendleton. Erzähler im Film sind aber auch jene, die sich täglich dem endlosen Strom der Emigranten anschließen, mit nichts anderem im Gepäck, als ihrer Arbeitskraft und der Bereitschaft, für eine kleine Chance auf Zukunft, ihrer Heimat und Familie den Rücken zu kehren.

Mi 07.01., 19:30 | Sa 10.01., 21:30

DE L’AUTRE CÔTÉ

FROM THE OTHER SIDE

DESDE EL OTRO LADO

Buch und Regie: Chantal Akerman Produktion: Amip, Chemah IS, Arte Courtesy Marian Goodman Gallery New York/Paris
| 2002 | Dokumentation, Video/16mm | OmU | 102 Min. |

2002 war der Film der Künstlerin und Filmemacherin Chantal Akerman, auf 18 Monitore verteilt, bei der Documenta 11 eine vielbeachtete Arbeit. Die Belgierin, die auch mit verschiedenen Spielfilmen (EINE COUCH IN NEW YORK) auf sich aufmerksam machte, widmet sich in diesem als Langfilm präsentierten Werk der Grenzregion zwischen den USA und Mexiko. Mit diesen dokumentarischen Videoaufnahmen verdeutlicht sie, dass mexikanische Flüchtlinge auf dem Weg in den reichen Norden und der dort vermuteten Freiheit bereitwillig ihr Leben aufs Spiel setzen. Allerdings bleibt sie ihrer politischen Grundhaltung, ihrem Anspruch auf Ausgewogenheit treu. Neben den nüchtern ins Bild gerückten Symbolen der Gefangenschaft, Trennung und Zerrüttung – ein nicht enden wollender, riesiger Stacheldraht oder die tristen Grenzstellen – interessiert sie sich vorrangig für die Menschen hinter den zahllosen Gesichtern. Dabei verfolgt sie das Konzept, sich keiner dramaturgischen Einheit zu unterwerfen und ohne Kommentierung neben den mexikanischen Flüchtlingen auch einen amerikanischen Rancher zu Wort kommen zu lassen. Hierbei wird deutlich, dass die Menschen diesseits und jenseits der Grenze eine Gemeinsamkeit haben: die Angst sitzt allen im Nacken.

Mi 14.01., 19:30 | Fr 16.01., 21:30

MEXIKO

Mexiko ist ein Land der Gegensätze: Großstadtdschungel und Naturschönheit, große soziale Gegensätze. Wir zeigen mit LA ZONA einen aktuellen mexikanischen Film, der bei den Filmfestspielen in Venedig den Newcomerpreis gewonnen hat. In LA ZONA ringt eine »gated community« um Sicherheit. Ein Film, der in der Stadt spielt, ganz anders JÁPON: Ein enttäuschter Mensch, einsam in den Bergen, der nur langsam wieder ins Leben zurückfindet.

JAPÓN

Buch und Regie: Carlos Reygadas Kamera: Diego Martínez Vignatti mit Alejandro Ferretis, Magdalena Flores, Yolanda Villa, Luis Martín Serrano
| Mexiko/Spanien 2002 | OmU | 122 Min. |

Ein namenloser Mann hinkt durch das mexikanische Hochland, auf einer Reise, die seine letzte sein soll. Er hasst sich und hat genug vom Leben. Er sucht die Einsamkeit der Berge, um sich auf den Tod vorzubereiten. In einem kleinen Dorf findet er Unterschlupf bei Ascen, einer alten Witwe, die etwas abseits in einer Steinhütte lebt. Ihr Neffe jedoch will sie aus der Hütte vertreiben. Vorsichtig entwickelt sich zwischen dem Mann und Ascen eine Beziehung. Gleichzeitig kämpft er jedoch mit seinem Drang nach Selbstzerstörung und seinen Gefühlen für Ascen und dem Wunsch, ihr zu helfen.

»Dieser Film ist von einer Schönheit und einer Kühnheit, die einem die Luft nimmt… JAPÓN ist aufgrund der Art und Weise seiner Entstehung und durch seinen ästhetischen Ton ein höchst politischer Film. Eine Art Wutschrei gegen die Diktatur der liberalen Ökonomie und strengen Bilderordnung. Ein Film, der seine ganze Würde denen gibt, die nicht das Glück haben, mit der herrschenden Heuchelei und dem globalen Fortschritt konform zu gehen.«
(Jacques Mandelbaum, Le Monde)

Mi 21.01., 19:30 | So 25.01., 21:30

LA ZONA

Regie: Rodrigo Plá mit Maribel Verdú, Andrés Montiel, Daniel Giménez Cacho, Carlos Bardem, Alan Chávez, Daniel Tovar, Marina de Tavira, Mario Zaragoza, Enrique Arreola
| Mexiko 2007 | OmU | 95 Min. |

Utopie oder bereits düstere Wirklichkeit? Drei Jugendliche aus dem Armenviertel von Mexiko-City dringen in das von Mauern geschützte und privat überwachte Villenviertel »La Zona« ein. Der spontane Einbruch in eines der Luxushäuser geht schief und die leichtsinnigen Eindringlinge werden geschnappt. Doch nicht etwa von der Polizei, sondern vom aufgebrachten Mob werden die Jugendlichen gerichtet. Eine Hetzjagd ohne Erbarmen beginnt… Ein hochaktueller Film über Kontrolle, Selbstjustiz und eine auseinanderdriftende Gesellschaft.

»Zu Recht wurde der mexikanische Regisseur Rodrigo Plá mit seinem Film mehrfach ausgezeichnet. LA ZONA zeigt Probleme, die in dieser Zuspitzung bei uns – noch – kaum Thema sind, aber deren gesellschaftliche Grundierung sich immer mehr verfestigt: die massiven Unterschiede zwischen denen da unten und jenen da oben, das fehlende Vertrauen in Autoritäten und das Streben, selbst für bessere Bedingungen zu sorgen.«
(Der Tagesspiegel)

Mi 28.01., 19:30 | Fr 30.01., 21:30 | Sa 31.01., 19:30 | So 01.02., 21:30