FREIBURGER FENSTER

DIE BIPOLAREN

Buch, Regie, Produzent: Ernst Jünger Kamera: Ingo Behring, Achim Girnth Ton und Schnitt: Mark Klotz Musik: Michael Summ, Matthias Stich
| Deutschland 2008 | 43 Min. |

Zu Gast im Freiburger Fenster ist im Januar (ausnahmsweise nicht montags, sondern an einem Donnerstag) der Freiburger Filmemacher Ernst Jünger.

Miami Airport, 7. Dezember 2005. Ein ängstlich-gehetzt wirkender Passagier behauptet während einer Zwischenlandung, eine Bombe sei an Bord. Ebenfalls in der Maschine: zwei US-Marshals, deren Aufforderungen der Passagier jedoch nicht Folge leistet. Die Situation eskaliert, schließlich erschießen die Marshals den Passagier gezielt. Es stellt sich heraus, dass der Mann weder Waffen noch Sprengstoff bei sich hatte, jedoch an einer manisch-depressiven (= bipolaren) Störung litt. Der Film beginnt mit der Re-Inszenierung dieses Vorfalls.

Der Autor begibt sich auf die Suche nach Menschen mit dieser Krankheit und stellt im Film mehrere Bipolare vor. Unter anderem: Die Deutsch-Amerikanerin Marylou Selo, Simultanübersetzerin, die ihre Erkrankung gut im Griff hat. Sie reist mit uns an die Schauplätze ihrer Erkrankung, »gräbt« ihre alte psychiatrische Kranken-geschichte aus und trifft sich nach vielen Jahren mit ihrer Psychiaterin, die ihr damals das Leben gerettet hat. Kay Redfield Jamison, Psychologie-Professorin, die in der Psychiatrie arbeitet und viele Bücher zum Thema »Bipolar« geschrieben hat. »Nur wer es selbst durchgemacht hat, kann ermessen, was es bedeutet, diese Krankheit zu haben.« – Die Hälfte der Bipolaren begeht einen Suizidversuch, 15 Prozent bringen sich um. Dass unter Kreativen bipolare Störungen besonders häufig anzutreffen sind, ist einer ihrer Forschungsschwerpunkte. Den international renommierten Psychiater Jules Angst: Ihn interessieren die Grauzonen zwischen Gesundheit und Krankheit. Und er erzählt von den Bezügen zwischen Verliebtheit und Manie. Die Schauspielerin Margot Kidder, die sagt, es genüge nicht, zum Psychiater zu gehen und zu hoffen, dass die Schwankungen aufhören würden. Jeder müsse seine eigene Strategie finden. Die Botschaft des Films: Die bipolare Erkrankung zeigt extreme Facetten menschlicher Existenz – von grandiosen künstlerischen Höhenflügen, ruinöser Überaktivität bis hin zur Leere der Depression mit Suizid. Eine scharfe Unterscheidung zwischen Gesundheit und Krankheit ist nicht möglich. Betroffene sollten nicht allein auf die Angebote der Medizin vertrauen, sondern sich intensiv informieren, um zu einem individuellen Bewältigungskonzept zu kommen.

Anschließend findet wie immer ein moderiertes Gespräch mit dem Filmemacher statt. In Kooperation mit Wolfgang Stickel, Freiburger Medienwerkstatt. Do 29.01., 19:30, zu Gast: Filmemacher Ernst Jünger