»WAS DAMALS RECHT WAR...«

FÜR VOLK UND FÜHRER...
WEHRMACHT, WIDERSTAND UND GEHORSAM IM DEUTSCHEN FILM DER FÜNFZIGER JAHRE

» Kampf und Selbstbehauptung – Kernstück sozialdarwinistischen faschistischen Gedankengutes. Das Militär als Inkarnation des Siegeswillens spielte eine prominente Rolle in der Ideologie der Kriegsjahre. Seine Infragestellung (durch Desertion) und seine Schwächung wurde von der Militärgerichtsbarkeit mit drakonischen Strafen belegt. Der Mythos des wehrhaften, opferbereiten Volkes findet seinen Niederschlag in einer Unrechtsjustiz, im zivilen Bereich ebenso wie in der Wehrmacht.

Wenige deutsche Filme der fünfziger Jahre beschäftigen sich mit den »tausend Jahren« davor, selten war in der nach Bequemlichkeit strebenden Bundesrepublik der kritische Blick zurück. Die, die ihn wagten, waren zum Teil selbst Opfer von Verfolgung: Falk Harnack war im Umfeld der »Weißen Rose« und später im Exil selbst im Widerstand. Bernhard Wicki war als Mitglied der Bündischen Jugend zehn Monate im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Andere, wie Regisseur Wolfgang Staudte, haben erst nach dem Untergang des Nationalsozialismus ihre kritische Stimme gefunden. Die Filme ermöglichen den doppelten historischen Blick: den auf die Ereignisse der vierziger Jahre und den auf die (verhaltenen) Bemühungen der Fünfziger, zu verstehen und daraus Lehren zu ziehen. Harnack und Wicki beleuchten das frühere Geschehen im Rückblick: Harnacks Film DER 20. JULI zeigt nicht nur das Stauffenberg-Attentat, sondern bemüht sich in seiner fiktiven Rahmenhandlung um eine Rechtfertigung der Tat – moralisch und in Bezug auf die Offiziersehre. DIE BRÜCKE von Bernhard Wicki zeigt die Folgen der Ideologisierung und Idealisierung des Krieges für eine Gruppe Schüler, die im letzten Moment noch eingezogen werden.

Eine Filmreihe zur Wanderausstellung: »Was damals Recht war...« – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht. Die Ausstellung, veranstaltet von der »Stiftung Denkmal«, ist vom 06.11.–08.12. mit einem vielfältigen Begleitprogramm im KG I der Universität zu sehen.

DER 20. JULI | DIE BRÜCKE

DER 20. JULI

Regie: Falk Harnack Buch: F. Harnack, Werner Jörg Lüddecke, Günther Weisenborn Kamera: Karl Löb mit Wolfgang Preiss, Annemarie Düringer, Robert Freitag
| BR Deutschland 1955 | 97 Min. |

Der Film bettet den Ablauf des Stauffenberg-Attentates auf Hitler in eine fiktive Rahmenhandlung um eine Sekretärin und einen Offizier, die selbst am Rande Unterstützer des Geschehens sind, und durch ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Dritten Reich zu der Überzeugung gelangen, sich diesem Regime zu widersetzten. In einer Zeit, in der die Geschehnisse während des Nationalsozialismus weitgehend unerwähnt blieben, wagt Falk Harnack eine breite Anklage gegen ein Unrechtsregime, in dem Euthanasie, Judenverfolgung und andere Greuel klar benannt werden. Der Widerstand kommt nicht nur aus einer kleinen Gruppe von Offizieren, sondern wird mit seiner Basis auch im linken, christlichen und intellektuellen Antifaschismus gezeigt. Eine beindruckende Auseinandersetzung über Moral, Pflichtbewusstsein und (nicht nur soldatische) Ehre.

Di 02.12., 19:30 | Sa 06.12., 21:30

Die Brücke

DIE BRÜCKE

|Regie: Bernhard Wicki Kamera: Gerd von Bonin | Buch: Michael Mansfeld, Karl-Wilhelm Vivier nach dem Roman von Manfred Gregor mit Folker Bohnet, Fritz Wepper, Cordula Trantow, Volker Lechtenbrink, Günter Pfitzman, Vicco von Bülow
| BR Deutschland 1955 | 103 Min. |

Eine Gruppe Schüler fiebert dem nahenden Krieg entgegen, beseelt vom Wunsch, sich in der Schlacht zu beweisen und dem Vaterland ein Opfer zu bringen. Als die Front an den Heimatort heranrückt, werden sie als letztes Aufgebot eingezogen. Der Unteroffizier, der die Jungen abseits der Kampfhandlungen betreuen soll, wird Opfer des fatalen Irrtums, dass er ein Deserteur sei. Die Jungs halten sich genau an die Anweisungen, die sie während einer eintägigen Wehrmachtsausbildung und früher in der HJ und bei Wehrsportübungen gelernt haben – bis zum bitteren Ende.

Dieser Klassiker des Antikriegsfilms orientiert sich an einem Tatsachenroman über die letzten Kämpfe einer Volkssturm-Einheit. Regisseur Bernhard Wicki erarbeitete mit dieser Vorlage nicht nur eine scharfe Kritik am Militarismus und eine beißende Anklage gegen Indoktrination, sondern auch ein genaues Gesellschaftsportrait über alle Schichten im nationalsozialistischen Deutschland und einen anrührenden Film über die Nöte des Erwachsenwerdens.

So 14.12., 17:30 | Mi 17.12., 21:30