MITTWOCHSKINO:
LATEINAMERIKA – FILME, DIE HOFFNUNG MACHEN

In die Schlagzeilen gerät Lateinamerika zumeist nur, wenn spektakuläre Wahlerfolge zu verzeichnen sind, oder wenn es um ökonomische oder soziale Krisen und Katastrophen geht. Auch im Filmschaffen überwiegen die bedrückenden Themen, wie zum Beispiel die Auswirkungen der ökonomischen Rezession oder Gewalt in sozialen Brennpunkten der Großstädte. Diesem Bild will das Kommunale Kino ein Korrektiv entgegensetzen.

Im Film des Monats MAROA geht es um die fiktionale Auseinandersetzung mit dem Erfolg des 1975 vom visionären Musikprofessor Jose Antonio Abreu initiierten Musikprogramms, das in Venezuela zu einer Dichte von klassisch ausgerichteten Jugendorchestern geführt hat, die weltweit ihresgleichen sucht. Ebenfalls mit dem Mittel der Musik gelingt es dem Drogenkurier Anderson Sá in Rio de Janeiro die gewaltdominierte Szene seiner Favela »aufzumischen« und ein Leben jenseits von Gewalt zu führen. Diesem in FAVELA RISING dokumentierten Beispiel folgen zahlreiche andere Jugendliche, für die damit ein friedvolleres Leben in Hoffnung beginnt. Dem vielfach prämierten argentinischen Altmeister Fernando Solanas gelingt mit LA DIGNIDAD DE LOS NADIES – Die Würde der Namenlosen ein eindrucksvolles filmisches Porträt einer Bewegung von unten, die in Argentinien mehr erreicht hat als viele politischen Reformen und die zeigt, dass auch die Armen keineswegs machtlos sind.

Die hier gezeigten Bewegungen dürfen als Mut machendes Gegenbild zu der hier vorherrschenden Vorstellung eines problembehafteten Erdteils aufgefasst werden.

LA DIGNIDAD DE LOS NADIES | FAVELA RISING

LA DIGNIDAD DE LOS NADIES

DIE WÜRDE DER NAMENLOSEN

Regie: Fernando Solanas
| Argentinien 2005 | OmU | 112 Min. |

In CHRONIK EINER PLÜNDERUNG hatte der weit über Argentinien hinaus bekannte Filmemacher Fernando Solanas 2004 den Ausverkauf seines Heimatlandes an internationale Großkonzerne dokumentiert, den korrupte Politiker im Jahr 2001 betrieben hatten.

In diesem Dokumentarfilm stehen rund zwanzig Menschen unterschiedlichster regionaler und sozialer Herkunft im Mittelpunkt, die – allen widrigen Bedingungen zum Trotz – spontan soziale und politische Hilfstrupps formieren und in verschiedenen Aktionen gegen Arbeitslosigkeit und soziale Diskriminierung eine Veränderung von unten erzwingen. Ihr Grad der Selbstorganisation und die Kraft des Widerstands lassen auch den Staat nicht unbeeindruckt. So gelingt es beispielsweise verschuldeten Bauern durch den subversiven Gebrauch der Nationalhymne Gerichtsprozesse zur Verpfändung ihrer Höfe unmöglich zu machen, so dass der Staat letztendlich diese Art der Verpfändung gerichtlich untersagt. Der Film zeigt viele solcher Widerstands- und Solidaritätsaktionen, wodurch klar wird, dass dem Wunsch und dem Willen etwas zu verändern, von oben nicht dauerhaft etwas entgegenzusetzen ist.

Mi 03.12., 19:30 | Fr 05.12., 21:30

FAVELA RISING

Regie: Jeff Zimbalist; Matt Mochary
| USA/Brasilien 2004 | OmeU | 78 Min. |

Pflichtfilm für alle jene, die gerne und verschärft klagen, sich von der Welt übel behandelt wähnen und nicht wissen, was sie dagegen tun sollen. Die Antwort von FAVELA RISING ist einfach. Es ist dein Leben und du bist verantwortlich!

Erzählt wird die Geschichte des ehemaligen Drogenkuriers Anderson Sá, der in einer Favela in Rio de Janeiro lebt. Überdrüssig der Gewalt durch Drogen, rivalisierenden Gangs und korrupter Polizei, aber auch der vielen Toten und der verschwundenen Freunde, gründet er die Afro Reggae Bewegung – eine kulturelle grass-roots-Initiative, die über die Verschmelzung von Hip-Hop, afrobrasilianischen Themen und Straßenmusik die Jugendlichen anspricht und aus dem Drogenmilieu löst.

In enger Zusammenarbeit mit den Machern von Afro Reggae gelingt den Filmemachern ein atmosphärisch dichter, formal eigenwilliger und erzählerisch aufregender Film über die Kraft des Einzelnen, seine Umwelt positiv zu verändern und einen Paradigmenwechsel zur Gewaltfreiheit zu vollziehen. Über diese Botschaft hinaus brilliert der Film auch durch seine immer präsente unwiderstehliche Musik, die den Film allein für sich genommen zu einem nachhaltigen Erlebnis macht.

Mi 10.12., 19:30 | Fr 12.12., 22:00