MITTWOCHSKINO: FRANKOPHONES KINO AUS AFRIKA

(D‘)AUTRES MONDES: NEUE (T)RÄUME IM FRANKOPHONEN FILM

ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE, HOFFNUNG UND ENTTÄUSCHUNG

Das Kino war seit jeher ein Ort, an dem Träume geboren und gelebt werden konnten; ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten und mannigfachen Illusionen. Es war und ist ein magischer Ort, an dem die Grenzen zu anderen Welten ausgelotet und überschritten werden können.

Von anderen, mal mythisch verklärten, mal beklemmend dunklen Welten erzählen uns die drei afrikanischen, der kanadische und die drei belgisch-französischen Filme dieser Filmreihe, welche im Rahmen des Seminars der Albert Ludwigs-Universität Freiburg »Die Erzeugung neuer (T)Räume: Immigration und kulturelle Annäherung, Tradition und Moderne im frankophonen Film« in Kooperation mit dem Frankreichzentrum, dem Centre Culturel Français und dem Deutsch-Französischen Gymnasium von Oktober bis Februar im Kommunalen Kino stattfinden wird.

Den Auftakt der Reihe bildet die Komödie OUAGA SAGA aus Burkina Faso (siehe Film des Monats), mit der Regisseur Dani Kouyaté nicht nur eine Hommage an das Kino an sich als Ort des gemeinsamen Erlebens von Emotionen gelungen ist, sondern auch an seine Heimatstadt Ouagadougou. Trotz seines beschwingten Tonfalls und der märchenhaften Elemente, macht der Film nicht halt davor, Probleme wie Korruption, Bildungsmangel, Kriminalität und Geschlechterkonflikte anzusprechen, die auch in vielen anderen afrikanischen Filmen thematisiert werden. – Wie viel Macht die alten Bräuche und vor allem die Männer, die sich dahinter verschanzen, auch heute noch haben, müssen die Protagonisten von Salif Traorés Film FARO, LA REINE DES EAUX genau wie in S. Pierre Yaméogos DELWENDE auf schmerzliche Art und Weise am eigenen Leib erfahren. Kinder und Frauen werden hier zu Opfern einer chauvinistischen, unterdrückenden Gesellschaft, ohne das Recht auf freie Meinungsäußerung und persönliche Selbstentfaltung.

Mit ganz anderen Problemen haben die beiden Protagonistinnen zu kämpfen, eine gerade mal 15 Jahre alt, die andere bereits geschieden und Mutter zweier erwachsenen Söhne, aus den belgisch-französischen Koproduktionen ROSETTA und NUE PROPRIÉTÉ. Beide Frauen sind auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und bewegen sich dabei auf einem äußerst schmalen Grad zwischen Hoffnung und Enttäuschung.

Um vier Frauen, die ihren Platz, zumindest im Hip Hop, bereits gefunden haben, geht es in dem französischen Dokumentarfilm ON S’ACCROCHE A NOS RÊVES von Keira Maameri, der nach einem Vortrag über Hip Hop und Jugendkulturen von Frau Prof. Dr. Eva Kimminich in Anwesenheit der Regisseurin am 23.01.09 gezeigt werden wird. Im Anschluss daran wird eine kleine Hip Hop-Session stattfinden, in der Künstler aus Freiburg und Straßburg ihr Können demonstrieren. – Den Abschluss der Reihe macht im Februar der kanadische Film LA FACE CACHÉE DE LA LUNE von Robert Lepage, der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen lässt.

Die TeilnehmerInnen des Seminars werden die Filme einführen und die Diskussionen leiten. Abschließend werden sie im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsrunde im CCFF am 09.02.2009 die Ergebnisse der Analysen vorstellen und mit dem Publikum diskutieren.

CINE CLUB: FARO, LA REINE DES EAUX | DELWENDE | AIDS-WAISEN IN SÜDAFRIKA

CINE CLUB: FARO, LA REINE DES EAUX

Regie: Salif Traoré
| Mali/F/Kanada/D 2007 | OmU | 96 Min. |

Zanga wurde als unehelicher Junge aus seinem Dorf am Niger vertrieben. Nachdem er lange in der Stadt gelebt und dort auch studiert hat, kehrt er in sein Dorf zurück. Seine Rückkehr löst eine Reihe von Konflikten aus.

Salif Traoré lässt den Protagonisten seines Spielfilms als Verkörperung der modernen Welt auf eine geschlossene malinesische Dorfgemeinschaft am Niger treffen, die den afrikanischen Traditionen, dem Aberglauben und dem Glauben an die spirituelle Kraft des Flusses verhaftet ist. »La reine des eaux«, der Geist des Flusses, wendet sich vermeintlich gegen den Rückkehrer. Hierarchische Mechanismen einer männerdominierten Gesellschaft treten zu Tage, gegen die die Frauen am Ende aufbegehren. Die Geschlossenheit der Dorfgemeinschaft und die Rolle der einzelnen Mitglieder, werden hier in beinahe theatralischer Weise dargestellt.

Traorés Film ist eine zeitlose Fabel, die gängige Machtverhältnisse hinterfragt und die Notwendigkeit gegenseitigen Respekts herausstellt. (Gabriela Seidel)

Di 11.11., 19:30, ciné club in Kooperation mit DFG & CCFF mit Einführung: Flavien Le Bouter & Mathias Schillmöller | Mi 12.11., 19:30

DELWENDE

DELWENDE – LÈVE-TOI ET MARCHE

Regie und Buch: S. Pierre Yaméogo Kamera: Jürg Hassler mit Blandine Yameogo, Claire Ilboudo, Célestin Zongo, Abdoulaye Komboudi
| Burkina Faso 2005 | OmU | 90 Min. |

Ganz der schnörkellosen Erzähltradition des westafrikanischen Kinos verpflichtet, erzählt S. Pierre Yaméogo in seinem fünften Spielfilm von der Männerherrschaft, dem Diktat des Brauchtums und dem Aufbegehren einzelner Frauen. Die ersten Szenen führen in ein Dorf. Ein Fest wird gefeiert, die Frauen tanzen und die junge Pougbila erweckt Begehrlichkeit unter den Männern und Neid bei den Frauen. Denn die 16-Jährige ist von üppiger Schönheit und die Tochter eines der mächtigen Dorfältesten. Wenig später wird das Dorf von Unheil heimgesucht: Täglich sterben Kinder, Angst geht um. Als Pougbila ihrer Mutter berichtet, dass sie vergewaltigt wurde, scheint dieses Delikt vernachlässigbar, und ohne den Namen des Täters wissen zu wollen, verheiratet ihr Vater sie in ein benachbartes Dorf. Inzwischen führt der Ältestenrat den Tod der Kinder in Missachtung der Radiobeiträge über kursierende Meningitis auf den Fluch einer »Hexe« zurück und veranstaltet einen magischen Ritus, um die Schuldige zu entlarven. Es trifft Pougbilas Mutter, die, zur Flucht gezwungen, eine entbehrungsreiche Odyssee in die Stadt antritt. Ein Film über falsch verstandene Traditionen und den Umgang mit Frauen, die als Schuldige herhalten müssen.

Mi 26.11., 19:30, Einführung: Dr. Rita Schäfer | Fr 28.11., 19:30

AIDS-WAISEN IN SÜDAFRIKA

WE ARE TOGETHER

Regie: Paul Taylor Buch: Slindile Moya, Paul Taylor
| GB/Südafrika 2006 | OmeU | 83 Min. |

Dieser bei vielen Festivals vom Publikum gefeierte und mit Jury-Preisen überhäufte Debütfilm des Engländers Paul Taylor darf als Geschenk bezeichnet werden. Taylor dokumentiert drei bewegte Jahre im Leben eines Chors südafrikanischer AIDS-Waisen. Zwar steht das Schicksal eines zwölfjährigen Mädchens und deren Freunde im Zentrum des Film, der wahre Star des Films ist der Gesang: denn Singen spielt eine zentrale Rolle im Leben der Waisen. Um nicht Almosenempfänger zu werden, nehmen die Kinder das Projekt eines Chors in Angriff und spielen schließlich sogar CDs ein, womit sie ihrem Leben eine positive Richtung geben. Als das Waisenhaus bei einem Brand vollständig abbrennt, gelingt es den Kindern, mit den Auftrittserlösen ein neueres, größeres und schöneres Heim zu finanzieren.

Der Film vermittelt die Botschaft, dass viel getan werden kann und viel erreicht worden ist. Ein inspirierendes Beispiel, das auch beim Zuschauer nicht ohne Wirkung bleibt. Die Einnahmen dieses Films kommen AIDS-Waisen in Südafrika zugute.

Mi 19.11., 19:30 | Sa 29.11., 21:30 | So 30.11., 17:30