MITTWOCHSKINO

DIE LIST DER FRAUEN – ARABISCHE FILMEMACHERINNEN

Begleitend zum Projekt Wechselstrom zeigen wir bis Ende Oktober preisgekrönte Filme von arabischen Regisseurinnen. Dass es unabhängige arabische Filmemacherinnen gibt, die eigene Bilder entwerfen und dabei gesellschaftliche und politische Restriktionen hinterfragen, läuft westlichen Klischees von Frauen in arabischen Gesellschaften zuwider.

LA ZERDA UND DIE GESÄNGE DES VERGESSENS | LIKE TWENTY IMPOSSIBLES | NEWS TIME | ZEIT DER MÄNNER, ZEIT DER FRAUEN

DRAUSSEN BLEIBEN | SIS CE VEGE – NEBEL UND NACHT

LA ZERDA UND DIE GESÄNGE DES VERGESSENS

LA ZERDA ET LES CHANTS DE L’OUBLI

Regie: Assia Djebar Buch: Assia Djebar, Malek Alloula Schnitt: Nicole Schlemmer
| Algerien 1980 | OmU | 60 Min. |

Assia Djebar ist die bekannteste Schriftstellerin Nordafrikas. Während einer zehnjährigen Schreibkrise wandte sie sich einem neuen Medium zu und drehte zwei international preisgekrönte Filme: LA NOUBA und LA ZERDA ET LES CHANTS DE L’OUBLI.

In LA ZERDA entwirft Assia Djebar ein komplexes Bild der Kolonialgeschichte Algeriens, wobei sie sich besonders auf die Rolle der Frauen in dieser schwierigen Epoche konzentriert. In kunstvoller Montagetechnik verbindet sie Erinnerungen und Gesänge von Algerierinnen mit Filmmaterial aus französischen Wochenschauen der Kolonialzeit.

»ZERDA ist ein einheimisches Wort für Lustbarkeit, für ein Volksfest. Der Film feiert die Auffindung solcher Stücke der Vergangenheit, von denen Assia Djebar geglaubt hatte, sie wären für das kollektive Gedächtnis für immer verloren.«

(Clarisse Zimra, im Nachwort zu Djebars Roman Die Frauen von Algier)

Fr 03.10., 19:30 | So 05.10., 19:30

Die Entwicklung des palästinensischen Filmschaffens ist untrennbar mit der israelischen Besatzung verbunden. Wir zeigen Werke von zwei der bedeutendsten zeitgenössischen Filmemacherinnen, die selbstkritisch und ironisch den Prozess des Filmemachens unter den Bedingungen des Krieges reflektieren.

LIKE TWENTY IMPOSSIBLES

Regie: Annemarie Jacir Kamera: Phillipe Bellaiche mit Reem Abu-Sbaih, Ismail Dabbagh, Raja’i Khateeb, Rami Mussalem
| Palästina 2003 | OmU | 17 Min. |

Besetztes Palästina: Eine mit militärischen Checkpoints durchzogene Landschaft. Um geschlossene Übergänge zu meiden, benutzt eine Filmcrew kleine Nebenstraßen. Ihre Erfahrungen zeigen die Brutalität der militärischen Besetzung. In Form eines visuellen Gedichtes und mit kurzen Erzählungen fragt der Film aber auch ironisch nach der künstlerischer Verantwortung und der Politik des Filmemachens.

Mi 08.10., 19:30 | So 12.10., 21:00

NEWS TIME

ZAMAN AL-AKHBAR

| Palästina 2001 | OmeU | 52 Min. |

NEWS TIME wurde in den ersten Monaten der zweiten Intifada gedreht. Wie aber dreht man einen Dokumentarfilm über die wohl meist gefilmte Krise der Welt, ohne an der üblichen Berichterstattung zu partizipieren? Die Filmemacherin Azza El-Hassan möchte nicht noch mehr schockierende Fernsehbilder produzieren, sondern die Menschen anders zeigen: privater, menschlicher, alltäglicher.

»Ich muss etwas Schönes filmen, eine Liebesgeschichte zum Beispiel«, sagt El-Hassan und erzählt von der Liebe zwischen ihrem Vermieter und dessen Frau. Während der Dreharbeiten wird Ramallah bombardiert. Das Paar flieht und zurück bleibt eine Filmemacherin mit einem unfertigen Film. In einem neuen Anlauf wendet sie ihre Aufmerksamkeit vier Jungen aus der Nachbarschaft zu, die ihre Zeit mit Steinschleuder-Übungen verbringen, um sich im Fall eines Angriffs verteidigen zu können. Als einer der Jungen erschossen wird, muss sie auch diesen Versuch abbrechen.

In Kooperation mit NAJDEH e.V. Freiburg

Mi 08.10., 19:30 | So 12.10., 21:00

ZEIT DER MÄNNER, ZEIT DER FRAUEN

LA SAISON DES HOMMES

Regie und Buch: Moufida Tlatli Kamera: Youssef Ben Voussef mit Rabiaa B. Abdallah, Sabah Bouzouita, Ghalia B. Ali
| Tunesien/Frankreich 2000 | OmU | 124 Min. |

Drei Generationen von Frauen stehen im Zentrum des zweiten Spielfilms der Tunesierin Moufida Tlatli. Aïcha hat Said geheiratet, als sie achtzehn war. Wie seine Brüder arbeitet er elf Monate im Jahr in Tunis und lässt seine Frau in Djerba unter der Aufsicht seiner Mutter zurück. Einmal im Jahr kommen die Männer für kurze Zeit nach Djerba zurück – für Aïcha und ihre Schwägerinnen ein Fest, auf das die Frauen sich vorbereiten wie auf ihre Hochzeitsnacht. Doch die junge Aïcha will mit der Tradition brechen und bei ihrem Mann in Tunis leben...

Mi 22.10., 19:30 | So 26.10., 19:30

MITTWOCHSKINO

DRAUSSEN BLEIBEN

Regie: Alexander Riedel
| Deutschland 2007 | 84 Min. |

Zwei Freundinnen, die sich in einer Münchner Flüchtlingsunterkunft kennengelernt haben. Valentina ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder vor elf Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland geflohen. Eine Aufenthaltsgenehmigung haben sie nie bekommen. Sie sind immer nur für zwei oder drei Monate geduldet. In dieser Unsicherheit ist Valentina aufgewachsen. Suli ist Uigurin. Vor neun Jahren ist die Familie aus dem Nordwesten Chinas geflohen. Sie hatten mehr Glück: alle wurden schnell als politische Flüchtlinge anerkannt und konnten inzwischen in eine kleine Wohnung am westlichen Stadtrand von München ziehen. Draußen fühlen sich die beiden Freundinnen frei. In der Anonymität der Stadt, wo sie nicht dem Einfluss der Brüder, Eltern, Lehrer oder Behörden ausgesetzt sind, hängen sie gemeinsam mit Diana, Yasi und den anderen Mädchen in U-Bahnhöfen, beim Chatten oder auf dem Bolzplatz ab.

In Zusammenarbeit mit den Flüchtlingsbetreuern von Caritas und Diakonie.

Mi 01.10., 19:30, mit anschließender Diskussion | So 05.10., 21:30

SIS CE VEGE – NEBEL UND NACHT

Regie: Turgut Yasalar Buch: Turgut Yasalar nach dem Roman von Ahmet Ümit mit Ugur Polat, Selma Ergec, Oktay Kaynarca, Ílyas Salman
| Türkei 2006 | OmU | 97 Min. |

Mine, die heimliche Geliebte des Geheimdienstmitarbeiters Sedat, ist verschwunden. Er selbst hat bei der Aushebung eines Terroristenunterschlupfs kaltblütig auf Fliehende geschossen. Gibt es zwischen diesen beiden Ereignissen einen Zusammenhang? Sedat, der nur knapp einem Attentat entkommen ist, macht sich auf die Suche. Sie führt ihn in Istanbuls Künstlerszene, in die Schattenwelt der Kinderprostitution und Kleinstadtganoven. Kategorien wie »Gut« und »Böse« lösen sich auf. Das herrschende System verliert für Sedat Tag für Tag an Glaubwürdigkeit. Je näher er der Lösung des Falls kommt, desto mehr zerfällt seine Selbstsicherheit.

Im Rahmen der Interkulturellen Woche 2008, in Zusammenarbeit mit dem Trägerkreis Interkulturelle Wochen.

Mi 15.10., 19:30