125 JAHRE FRANZ KAFKA

»Unter den Voraussetzungen Kafkas ist nicht die geringfügigste, daß das kontemplative Verhältnis von Text und Leser von Grund auf gestört ist. Seine Texte sind darauf angelegt, daß nicht zwischen ihnen und ihrem Opfer ein konstanter Abstand bleibt, sondern dass sie seine Affekte derart aufrühren, daß er fürchten muss, das Erzählte käme auf ihn los wie Lokomotiven aufs Publikum in der jüngsten, dreidimensionalen Filmtechnik.«
(Theodor W. Adorno)

Am 3. Juli 1883 wurde in Prag Franz Kafka geboren. Kafkas Werke – großteils posthum und gegen seinen erklärten Willen von seinem Freund Max Brod veröffentlicht – üben einen bleibenden Einfluss auf die Weltliteratur aus. Und auf das Kino: Regiegrößen wie Orson Welles und die Filmkünstler Jean-Marie Straub und Danièle Huillet verfilmten Kafkas Werke. Neben Straub-Huillets »Amerika«-Adaption zeigen wir mit K.AF.KA-FRAGMENT eine filmische Reflexion über Literatur und Kino anhand der Briefe Kafkas an Felice.

K.AF.KA FRAGMENT | KLASSENVERHÄLTNISSE

K.AF.KA FRAGMENT

Regie: Christian Frosch mit Ursula Ofner, Lars Rudolph
| Österreich/Deutschland/Schweiz 2001 | 85 Min. |

Wäre es ein Märchen, dann würde es vielleicht so lauten: Es war einmal ein Herr K. aus Prag, der liebte ein Fräulein F. in Berlin. Sie schrieben sich viele, viele Briefe. Gesehen haben sie sich kaum, denn K. war ein umständlicher Mensch und liebte das Schreiben fast noch mehr als F. Sie verlobten und trennten sich und verlobten sie aufs Neue. Am Ende ist K. krank geworden und beide entzweiten sich für immer. Warum Kafkas Briefe an Felice? Vielleicht weil es keine ergiebigere Quelle für den geben soll, der sich für die psychologische Seite des Kunstschaffens interessiert. « Für diese psychologische Seite braucht es auch eigene Bilder: Christian Frosch hat überraschende von bestechender visueller Kraft gefunden und sie zu einer atmosphärischen Studie verdichtet.

Di 08.07., 19:30 | Do 10.07., 21:30 | Mi 16.07., 21:30

KLASSENVERHÄLTNISSE

RAPPORTS DE CLASSES

Buch und Regie: Jean-Marie Straub und Danièle Huillet mit Christian Heinisch, Reinald Schnell, Mario Adorf, Harun Farocki, Manfred Blank, Alfred Edel
| Deutschland/Frankreich 1984 | 122 Min. |

Karl, ein junger Mann aus Europa, scheitert in Amerika an seiner Unbeholfenheit und Naivität sowie der Rücksichtslosigkeit der Menschen, denen er begegnet. KLASSENVERHÄLTNISSE ist eine ungewöhnliche Verfilmung des »Amerika«-Fragments von Franz Kafka, der erste Kafka-Film, der die Personen nicht psychologisch interpretiert, »sondern sie als Betroffene einer anonymen Großstadtstruktur zeigt« (Dietrich Kuhlbrodt). Die Filmautoren Huillet und Straub legen in ihrem vielleicht bedeutendsten langen Film den Schwerpunkt der Inszenierung auf den Text und die akustische Präsentation seiner sinnlich-musikalischen Qualitäten.

Do 24.07., 19:30 Fr 25.07., 19:30, Einführung Hansjörg Bay So 26.07., 17:30