MITTWOCHSKINO: ISRAEL – STAATSGRÜNDUNG VOR 60 JAHREN

KADOSH | THE INNER TOUR | AUGUST – A MOMENT BEFORE THE ERUPTION | OCCUPATION 101

Das Jubiläum der israelischen Staatsgründung ist ein wichtiger Anlass, um in Erinnerung zu rufen, dass sich für die Menschen jüdischen Glaubens nach mindestens 1500 Jahren fast weltweiter, oft leidvoller und existenzbedrohender Diaspora, 1948 ein uralter Traum erfüllte. Die Existenz dieses unabhängigen Staates war und ist sowohl ein Glücksfall für die Weltgemeinschaft, bildete bekanntermaßen aber auch den Ausgangspunkt für einen schwelenden Konflikt, der sich durch die Kriege 1948, 1967, 1973 und zuletzt 2006 eher zuspitzte, als entspannte. Um die vielfältigen Facetten des jungen Staates aufzuzeigen, wird sowohl der Dokumentarfilm THE INNER TOUR gezeigt wie auch auch auf das fiktionale Filmschaffen zurück gegriffen, das sich mit internen Strukturen und Tendenzen des Alltagslebens auseinandersetzt. Besonders eindrücklich realisiert scheint dieser Ansatz bei den Filmen, die sich mit dem Kleinkosmos Familie befassen, also bei KADOSH, vom wohl international bekanntesten Filmemacher Israels, Amos Gitai und bei TEHILIM (Film des Monats siehe Vorderseite). In beiden Filmen müssen sich die Familienmitglieder nach einer unerwarteten Veränderung neu finden.

Wir danken der Botschaft des Staates Israel für die Bereitstellung von KADOSH.

KADOSH

KADOSH

Regie: Amos Gitai
Buch: Amos Gitai, Eliette Abecassis mit Jacky Cukier
Kamera: Renato Berta
mit Yaël Abecassis, Yoram Hattab, Meital Barda, Uri Ran Klauzner, Yussef Abu Warda, Sami Hori, Lea Koenig, Rivka Michaeli
| Israel 1999 | OmU | 110 Min. |

KADOSH von Regisseur Amos Gitai hatte beim Filmfestival von Cannes im Mai 1999 Premiere und war damit der erste israelische Film seit 25 Jahren, der dort im Wettbewerb lief. Der Film spielt in der geschlossenen Gesellschaft sephardischer Orthodoxer in Jerusalem und erzählt die Geschichte zweier Schwestern und ihrer Ehen. Rivka und ihr Mann lieben sich sehr, haben jedoch keine Kinder und der strenge Kodex ihrer Gemeinde verlangt von ihnen, sich scheiden zu lassen. Rivkas Schwester Malka liebt einen Mann, ist jedoch einem anderen versprochen, einem dogmatischen und selbstgerec-ten Jeshiva-Studenten. Der Film wird vom Standpunkt der Frauen aus erzählt und konzentriert sich auf ihre Kleidung, ihre Rituale und ihre verzweifelten Versuche, mit ihrer Unterdrückung fertig zu werden. Ein sehr ideologischer und zugleich emotionaler Film, dessen Drama sich hauptsächlich in engen Räumen abspielt.

Eine Veranstaltung der Botschaft des Staates Israel in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Freiburg.«

| Mi 14.05., 19:30 | Fr 16.05., 21:30

THE INNER TOUR

THE INNER TOUR

Regie: Ra‘anan Alexandrowicz
Kamera: Sharon de Maco
| Israel/Palästina 2001 | OmeU | 94 Min. |

THE INNER TOUR – eine israelisch-palästinensische Koproduktion – beschreibt die Reise einer Gruppe von Palästinensern aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen durch Israel. Die Teilnehmer dieser Besichtigungsreise erkunden ein Land, das für sie verlorene Heimat und zugleich Besatzungsmacht ist. Der Film stellt Geschehnisse zusammen, die auf den einzelnen Stationen dieser Reise gefilmt wurden. Er versucht, ein menschliches, politisch differenziertes Bild der Palästinenser und ihrer Erfahrungen zu vermitteln und – durch die Augen der Reisenden – einen anderen Blick auf Israel zu werfen. Dieser Film besteht aus ganz anderem Material als jene Bilder vom nahöstlichen Schauplatz, die wir dieser Tage in den Medien sehen. Durch das Fenster des Reisebusses erhalten die Zuschauer die Gelegenheit zu einem Blick auf die palästinensische Gesellschaft, der komplexer ist als die Bilder von Massendemonstrationen, von Steinewerfern und Begräbnissen, die in Aufstände ausarten. Der Film handelt von einem Augenblick der Freiheit und spricht zugleich von einer langen Gefangenschaft. Er verwendet eine visuelle Metapher, nämlich die des Touristen als staatenloser Ausländer und Emigrant, um einem Volk, das sich in eine unsichtbare Masse verwandelt hat, einen Spiegel vorzuhalten.

So 18.05., 17:30 | Mi 21.05., 19:30

AUGUST – A MOMENT BEFORE THE ERUPTION

Regie, Buch, Schnitt & Ton: Avi Mograbi
Kamera: A. Mograbi, Eitan Harris, Philip Bellaiche
mit Avi Mograbi, Adi Ezroni, Meital Dohan
| Israel/Frankreich 2002 | OmU | 72 Min. |

Den Monat August hält Avi Mograbi für die schlimmste Zeit im Jahr: eine Metapher für alles Verabscheuungswürdige in Israel. Seine Frau schätzt dagegen den August als eine Zeit des Optimismus. Mograbi beginnt mit Straßenaufnahmen für seinen Film. Während der Dreharbeiten verliert er jedoch die Kontrolle über das, was seine Kamera aufnimmt. Dennoch gelingt es ihm, seine Geschichte zu erzählen, wenn auch auf ganz andere Art. Gleichzeitig wird seine Frau zu Hause von seinem Produzenten festgehalten, für den er einen Film über das Massaker in der Höhle von Machpela bei Hebron drehen sollte, in der ein israelischer Arzt 1994 eine Gruppe von betenden Moslems erschoss. Alle drei Charaktere – der Regisseur, die Frau des Regisseur und der Produzent – werden von einer einzigen Person gespielt: Avi Mograbi.a »Die Idee zu meinem Film ähnelt dem Vorschlag, den die Frau des Regisseurs macht: Man sollte einen Film schaffen, der nur aus Gewalt, Zänkerei und Ärger besteht. Denn das ist Israel: überall herrscht Brutalität. Es ist, als ob wir für eine nahe Katastrophe bestimmt sind, die ohne Vorwarnung über uns hereinbricht... Im Jahr 2000 übertraf der Oktober den August bei weitem. Alles, was sich aufgestaut hatte, entlud sich in einer wahnwitzigen Welle sich selbst genügender Gewalt.« (Avi Mograbi)

Mi 28.05., 19:30 | So 01.06., 21:30 | Di 03.06., 19:30

OCCUPATION 101

Regie: Abdullah und Sufyan Omeish
| USA/Palästina 2006 | OF | 90 Min. |

Palästina glänzt in der Tagespresse durch Dauerpräsenz. Dabei wird jedoch selten ein tief schürfender Blick auf den komplexen Konflikt zwischen Israel und Palästina gewagt. Eine Lösung ist aber nur vor dem Hintergrund des Verständ-nisses der historischen Wurzeln des Konfliktes denkbar, denn die Interpretation der Landesgeschichte ist ein zentraler Bestandteil der aktuellen Tagespolitik in Israel–Palästina. Occupation 101, ein bewegender, preisgekrönter Dokumentarfilm, spannt den geschichtlichen Bogen vom Beginn der jüdischen Immigration nach Palästina bis zum heutigen Tag im israelischen Projekt der Separations-Mauer. Im Film kommen ausgewiesene Nahost-Experten, Friedensaktivisten, Journalisten und religiöse Führer zu Wort, die ihre Sicht auf den Nahostkonflikt zeigen und Wege zu dessen Lösung aufzeigen. Andererseits werden auch Einblicke in die heutige Lebensrealität der Palästinenser unter israelischer Militärherrschaft gewährt, wobei vorbehaltlos Vorurteile und Missverständ-nisse benannt werden, die einem lang andauernden Frieden im Nahen Osten im Wege stehen.

Mi 07.05., 19:30, zu Gast: Vertreter von Najdeh Freiburg