NAZI-TERROR GEGEN JUGENDLICHE

» Nazi Terror gegen Jugendliche heißt ein Projekt der katholischen Akademie in Freiburg und eine Ausstellung, die bis zum 19. März in Wintererstraße zu sehen ist. Über 100 Schülerinnen und Schüler aus Freiburg und Umgebung dokumentieren Lebenswege und Schicksale von Kindern und Jugendlichen im Dritten Reich. Seit Juli 2007 haben sich die Schüler mit den Ereignissen und Folgen der NS-Diktatur beschäftigt. Auch mit vielfältigen Begleitveranstaltungen – zu denen unsere Filmreihe gehört – will das Projekt anregen, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen.

Februar 2008
DAS HEIMWEH DES WALERJAN WRÓBEL | KINDERTRANSPORT – IN EINE FREMDE WELT | WIE ICH EIN NEGER WURDE

März 2008
ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT | NAPOLA – ELITE FÜR DEN FÜHRER

 


 

Das Heimweh des Walerian Wróbel

DAS HEIMWEH DES WALERJAN WRÓBEL

Regie und Drehbuch: Rolf Schübel, nach dem gleichnamigen Buch von C. U. Schminck-Gustavus Kamera: Rudolf Körösi Musik: Detlef Petersen | mit Artur Pontek, Michael Gwisdek, Peter Striebeck, Andrzej Mastalerz, Michal Staszczak |
| Deutschland 1990 | 94 Min. |

Im Jahre 1939 wird der 16-jährige Walerjan Wróbel aus dem besetzten Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht. »Pranca« heißt auf polnisch Arbeit. Das und ein zweites Wort gibt der Vater Walerjan mit auf den Weg: »Jawohl!« Wenn er gut arbeite und immer höflich sei, werde es schon nicht so schlimm werden, tröstet er ihn. Auf der endlosen Fahrt nach Deutschland bekommt Walerjan ein Geschenk, das ihn später sein Leben kosten wird: eine Schachtel Streichhölzer.

Krank vor Schufterei, Heimweh und Kontaktarmut versucht er zu fliehen. Die Flucht misslingt. Schließlich legt er in der Scheune Feuer, weil er hofft, dass man ihn dann nach Hause jagt. Die Gestapo kann sich beim Verhör Walerjans vor Lachen nicht halten: Die Widerstandskraft des deutschen Volkes schädigen und dafür noch belohnt werden? Ein Amtsarzt bescheinigt, Walerjan sei »ostischen Typs«, einer Einweisung ins KZ Neuengamme stehe »nichts im Wege«. Nach neunmonatigem KZ-Aufenthalt wird er in einem eilig anberaumten Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt.

»Keiner der Deutschen, denen Walerjan auf all diesen Statio-nen begegnet, hat persönlich viel gegen ihn. Aber für ihn haben die meisten auch nichts – und das ist das Schreckliche. Walerjan Wróbel hat wirklich gelebt. Die Dokumente über seinen ›Fall‹ gehören zu den wenigen dieser Art, die bei Kriegsende nicht vernichtet wurden. Vielleicht schien die Geschichte zu klein und unbedeutend, um sie zu vertuschen. Für uns war sie wichtig genug, um einen Film daraus zu machen.«

(Rolf Schübel, Hermann Kirchmann)

Mi 06.02., 21:30 | Fr 08.02., 19:30 | So 10.02., 17:30

 


 

Kindertransport in eine fremde Welt

KINDERTRANSPORT – IN EINE FREMDE WELT

INTO THE ARMS OF STRANGERS – STORIES OF THE KINDERTRANSPORT

Dokumentarfilm von Mark Jonathan Harris
| USA 2000 | OmU | 113 Min. |

In den letzten neun Monaten vor dem Zweiten Weltkrieg organisierte Großbritannien eine beispiellose Hilfsaktion, bei der mehr als 10.000 jüdische und andere Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei in britische Pflegefamilien und -heime gebracht wurden. Sie sollten später wieder mit ihren Eltern vereint werden, doch nur wenige haben ihre Familien wieder gesehen. Deutsche Behörden schufen für diese Rettungsaktion den Begriff »Kindertransport«, da die Kinder in der Regel in großen Gruppen Deutschland verließen. Er ist in die englische Sprache eingegangen und in Großbritannien und den USA einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland ist das Thema bislang sehr viel weniger bekannt.

Der Film dokumentiert die Aktion »Kindertransport« mit einer Fülle sorgfältig recherchierten Bildmaterials und Interviews mit Kindern, Rettern, Eltern und Pflegeeltern. Eines dieser Kinder ist Deborah Oppenheimer, die Filmproduzentin.

Fr 15.02., 19:30 | So 17.02., 17:30 | Mi 20.02., 21:30

 


 

WIE ICH EIN NEGER WURDE

NACH ÖDON VON HORVÁTHS ROMAN »JUGEND OHNE GOTT«

Regie und Buch: Roland Gall Kamera: Georg Panussopulos mit Gert Baltus, Walter Ladengast, Wolf Euba, Helmut Alimonta, Veronika Fitz
| Deutschland 1969 | 104 Min.

Das Filmdebüt des Theaterregisseurs Roland Gall entstand nach Horvaths Roman Jugend ohne Gott. An einer süddeutschen Schule kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gerät ein sozialliberal gesinnter Lehrer ins Visier von Eltern und Schülern und wird zunehmend isoliert. Er muss hilflos mit ansehen, wie seine Schüler während eines Sommerzeltlagers paramilitärisch gedrillt werden und schließlich sogar ein Mord geschieht, für den dann ein unschuldiges Mädchen verantwortlich gemacht wird. Er verzweifelt daran, gegen die fortschreitende Indoktrinierung und Radikalisierung der Kinder nichts ausrichten zu können, und emigriert nach Afrika, um an einer Missionsschule zu unterrichten.

* Roland Gall ist am 08.02.2008 in Dortmund gestorben *

Do 28.02., 219:30 | Fr 29.02., 19:30

In Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Freiburg. Alle Filme stehen auch für Sondervorführungen für Schulklassen und Gruppen zur Verfügung. Tel.: 0761. 70 90 33

 


 

Zur falschen Zeit

ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT

Regie: Tamara Milosevic
| Deutschland 2005 | 60 Min. |

Die Geschichte der Ermordung von Marinus Schöbel, einem 17jährigen aus dem uckermärkischen Potzlow, hat seit ihrer Entdeckung im November 2002 zu zahlreichen Interpretationen Anlass gegeben. Die Voraussetzung für die unterschiedlichen Erklärungsansätze war aber immer dieselbe: die Tat als einen Akt der Verrohung zu begreifen und die Frage nach dem Warum zu stellen, um sich auf Motivsuche zu begeben. Der Jugendliche wurde von Kumpels umgebracht.

Sie hatten ihn an einem Abend Mitte Juli 2002 wegen seiner blondierten Haare und der weiten Hosen zum »Juden« erklärt und grausam umgebracht. Danach wurde der leblose Körper in einer ehemaligen Jauchegrube verscharrt. Erst vier Monate später wurde die Leiche gefunden. Die Täter waren Nazis, einer von ihnen war vorbestraft. Die Brutalität des Mordes kontrastierte schon damals und später während des Prozesses mit der Abgeklärtheit der Lokalpolitiker und Bewohner dieses Landstrichs.

Tamara Milosevic wagt einen Blick auf die Potzlower Zustände, wie er radikaler nicht sein könnte. Sie besuchte im Sommer 2004 über den Zeitraum eines halben Jahres Potzlow und beo-bachtete das Biotop, in dem Marinus Schöbel nicht überlebt hat. Der Film zeigt in strenger Dramaturgie den Alltag von Leuten, die keinen Alltag mehr haben.

»Die gelungene Gegenüberstellung der Realität des Täterumfelds, in dem es keine Rückkehr zur Normalität gibt, weil die Normalität gar nicht durchbrochen wurde, mit der Realität des Opferumfelds, in der das Trauma die biografische Kontinuität zerstört hat, ist eine herausragende Dokumentation deutscher Zustände.« (Tjark Kunstreich)

Sa 08.03., 19:30, mit einem Einführungsreferat von Tjark Kunstreich, Journalist (Berlin) | Mi 12.03., 21:30 |

 


 

Napola

NAPOLA – ELITE FÜR DEN FÜHRER

Regie: Dennis Gansel, Buch: Maggie Peren, Dennis Gansel , mit Max Riemelt, Tom Schilling, Devid Striesow, Joachim Bißmeier, Justus von Dohnányi
| Deutschland 2004 | 115 Min. |

Deutschland 1942. Das Hitler-Regime ist auf dem Höhepunkt seiner politischen und militärischen Macht. Der 17-jährige Friedrich Weimer aus dem Berliner Arbeiterbezirk Wedding ist ein begabter Boxer. Sein Talent öffnet ihm die Türen zu einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt, der Napola Allenstein, wo die zukünftige Elite des großdeutschen Reiches herangezogen werden soll. Friedrich sieht die Chance seines Lebens. Bis ein grausamer Einsatz gegen entflohene Kriegsgefangene und eine Freundschaft ihn vor eine Wahl stellen, die auch das Ende seiner Jugend bedeutet.

NAPOLA gelingt es, dem Zuschauer die Verführungskraft des nazistischen Jugendkults auf einer sehr einfühlsamen Ebene deutlich zu machen, eines Erziehungskonzeptes hin zu einer »gewalttätigen, herrischen, unerschrockenen, grausamen Jugend«.

Mi 05.03., 09:00, Schulvorstellung innerhalb der SchulKinoWoche 2008, ab Klasse 9 mit anschließendem Filmgespräch | Do 06.03., 19:30 | So 09.03., 17:30