MITTWOCHSKINO

THE HALFMOON FILES | MIT DEN AUGEN EINES FLÜCHTLINGSKINDES | JOHN AND JANE

 


 

 The Halfmoon Files

THE HALFMOON FILES

| Buch, Ton, Schnitt, Produzent: Philip Scheffner | | Deutschland 2007 | OmU | 87 Min. |

Eine vielschichtige audiovisuelle Recherche zur Verflechtung von Politik, Kolonialismus, Wissenschaft und Medien – ausgehend von Bild- und Tondokumenten indischer und nordafrikanischer Kriegsgefangener aus dem »Halbmondlager« in Wünsdorf bei Berlin zur Zeit des Ersten Weltkrieges.

Die Lager wurden von Wissenschaftlern der »KöniglichPreußischen Phonographischen Komission« frequentiert; die »exotischen« Gefangenen wurden zu Forschungsobjekten für Ethnologen, Anthropologen und Sprachwissenschaftler. Man machte Tonaufnahmen, es wurde fotografiert, gefilmt, vermessen, nummeriert, registriert, einsortiert. Die von Schellackplatten abgespielten Stimmen der Internierten geistern nun durch den Film. THE HALFMOON FILES belässt es jedoch nicht bei der Präsentation des Tonmaterials aus dem Lautarchiv der Humboldt-Universität Berlin und bei der Untersuchung seiner Entstehungsbedingungen oder politischen Nutzbarmachung, sondern setzt auf die Freiheit des Erzählens kleiner Geschichten.

| Mi 09.01., 19:30, zu Gast: Regisseur Philip Scheffner | | Do 10.01., 21:30 | | So 13.01., 17:30 |

 


 

Mit den Augen eines Fl├╝chtlingskindes

MIT DEN AUGEN EINES FLÜCHTLINGSKINDES

| Deutschland 2006 | 59 Min. |

Fatima und Jasmin sind mit ihren Müttern vor den mordenden Reitermilizen der Janjawid aus ihrem Heimatdorf in Darfur in ein grenznahes und überfülltes Flüchtlingslager im Tschad geflohen. Was ihnen und den anderen Familien geblieben ist, sehen wir – was dazwischen lag, erzählen sie uns. Die beiden zwölfjährigen Freundinnen lassen uns mit ihren sensibel gefilmten Monologen erahnen, was es heißt, ein Flüchtling zu sein, entwurzelt und fern der geliebten Herkunft den harten improvisierten Lager-Alltag zu bestehen. Mit einer behutsam geführten Kamera tastet sich die Autorin anteilnehmend an die Ängste und Hoffnungen der Vertriebenen heran; die Opfer erzählen – niemals ihre Würde verlierend – von ihrem alten zufriedenen Leben, von der Flucht und dem Trauma des Krieges – und von einer völlig ungewissen Zukunft. Afrika, ohne Klischee und ganz nah.

| Mi 16.01., 19:30 | | So 20.01., 17:30 |

 


 

John und Jane

JOHN AND JANE

| Regie: Ashim Ahluwalia | Kamera: Mohanan Mukul Kishore |
| Indien 2005 | OmU | 83 Min. |

Eine unheimlich wirkende Mixtur von beobachtender Dokumentation und tropischem Science-Fiction: Die Geschichte von sechs »Call Agents« eines Call-Centers in Bombay, deren Arbeit darin besteht, Anrufe von amerikanischen 0-1800-Nummern entgegenzunehmen. Die Angestellten arbeiten für eine der vielen neuen »Glas und Stahl«-Gesellschaften, die in den Sumpfgebieten außerhalb der Stadt wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Ihre Büros sind nur nachts besetzt, um die täglichen Anrufe der Kunden aus den USA entgegenzunehmen.

»Ein Film über ein Call-Center erschien mir als ein natürlicher Weg, einen Blick auf diese neue Generation zu werfen: die Inder der Zukunft, die sowohl in Indien leben als auch gleichzeitig außerhalb. Dabei entdeckten wir etwas Unglaubliches: Leute, denen es schwer fiel, die wirkliche und die virtuelle Welt auseinanderzuhalten. Wir trafen auf eine Welt der Kopien, die die Struktur des Films bestimmte.« Ashim Ahluwalia

| Mi 30.01., 19:30 | Do 31.01., 21:30 | So 03.02., 17:30 |