MITTWOCHSKINO

WER BIST DU, DASS DU SPRICHST? | AND THE KOLA NUT SAID NO! | DAS KURZE LEBEN DES JOSÉ ANTONIO GUTIERREZ

 


 

WER BIST DU, DASS DU SPRICHST?

Buch und Regie: Maria Binder, Verena Franke | Kamera: Maria Binder, Verena Franke | Schnitt: Sylvia Beck | | Deutschland 2006 | OmeU | 64 Min. |

Wer in der Türkei gegen Folter in der Untersuchungshaft protestiert, läuft Gefahr, wegen »Verunglimpfung des Staates« angeklagt zu werden. In diesem Film erzählen fünf Frauen und Transsexuelle, wie sie im Laufe des jahrelangen Prozesses begannen, sich zu solidarisieren und öffentlich auf staatliches Unrecht hinzuweisen.

Eine besondere Stärke des Filmes ist die Darstellung der Problematik der Haft-Trauma-Verarbeitung. Das Sprechen über erfahrene sexuelle Gewalt beinhaltet in einer patriarchalisch ausgerichteten Gesellschaft wie der türkischen immer auch eine Beschädigung des familiären Ehrgefühls – und eine damit verbundene Ausgrenzung. Schweigen jedoch, bedeutet für die Betroffenen, auf den eigenen Scham- und Schuldgefühlen sitzen zu bleiben. Zerrissen zwischen drohenden staatlichen Sanktionen, der Gefahr der familiären Ausgrenzung oder des Alleinbleibens mit den Schuldgefühlen bleibt den Folteropfern oft nicht viel mehr, als die Flucht in eine andere Stadt, ein anderes Land oder in den Tod... Das grundlegende Problem aber ist die patriarchale Gesellschaft.

Aufgrund des internationalen Drucks auf den EU-Anwärter Türkei gelang es nach mehreren Jahren, die Einstellung des Prozesses zu erzwingen. Auch die beiden Filmemacherinnen waren Teil dieser internationalen Solidaritätsbewegung.

In Kooperation mit saga (Südbadische Aktionsgemeinschaft gegen Abschiebung)

| Mi 10.10., 19:30 | Fr 12.10., 21:30 | jeweils anschließend Möglichkeit der Diskussion |

 


 

The Kola Nut said No

AND THE KOLA NUT SAID NO!

Ein Spielfilm von Afrikanern, gedreht in Freiburg

Regie: Ben Oben Mkpo | Buch: Kolle George, Suzi Oben Arrey | Kamera: Dieter Zwierlein, Ben Oben Mkpot, Dr. Ernst Hannemann | Musik: Peter Schulz, Main Piece, Mary Sylvester | mit Vida Ampomah, Main Piece, Christine Chapapria |
| Deutschland 2007 | engl. OF | 120 Min. |

Einen aus Afrika stammenden, aber schon seit 18 Jahren in Deutschland lebenden Mann, zieht es zurück in seine Heimat Kamerun. Als sich seine deutsche Frau und die beiden gemeinsamen Kinder weigern, in dieses »unzivilisierte Land« mitzukommen, verlässt er die Familie, um in seiner afrikanischen Abstammungskultur zu leben und dort eine neue Existenz aufzubauen. Kurz darauf erfährt er, dass seine deutsche Gemahlin bereits eine neue Beziehung eingegangen ist. Er bricht den Kontakt zur Familie ab und begibt sich auf die Suche nach einer neuen Partnerin. Er findet seine Traumpartnerin und es entspinnt sich eine romantische Liebesgeschichte. Das Paar möchte heiraten. Doch bevor der Bund fürs Leben geschlossen wird, muss – so will es die Tradition – die Meinung der verstorbenen Vorfahren eingeholt werden. In einer Art Orakel werfen die Familien der Ehewilligen eine Kolanuss. Die Lage der Einzelteile der Kolanuss verweist eindeutig auf eine Ablehnung der Verbindung. Die Liebenden widersetzen sich diesem Spruch und heiraten dennoch. Die Frau wird schwanger, doch die »Ahnen« fordern ihr Tribut…

Zentrale Konfliktlinien des Films sind die Zerrissenheit von Afrikanern in ihrer neuen (deutschen) Heimat und deren gleichzeitige Entfremdung von ihrer Herkunftskultur. Die unmerklich eingetretene »Verwestlichung« führt zur Missachtung »traditioneller Gesetze«.

| Mi 17.10., 19:30, Premiere in Anwesenheit des Filmemachers u.a. Gäste | Di 30.10., 21:30 |

 


 

José Antonio Gutierrez

DAS KURZE LEBEN DES JOSÉ ANTONIO GUTIERREZ

Regie: Heidi Specogna | Deutschland 2006 | OmU | 90 Min. |

José Antonio Gutierrez war einer von 300.000 Soldaten, die von der US-Armee in den Irak-Krieg geschickt wurden. Wenige Stunden nach Kriegsbeginn ging sein Foto um die Welt. Er war der erste Soldat auf amerikanischer Seite, der in diesem Krieg im Gefecht gefallen ist. Als sogenannter Greencard-Soldier – einer von etwa 32.000 – kämpfte er in der US-Armee für ein fremdes Vaterland.

Der Film erzählt die Geschichte eines ehemaligen Straßenkindes aus Guatemala, das sich auf die Reise nordwärts machte – voller Sehnsucht und Hoffnung nach einer Zukunft – und schließlich, weitab von seiner Heimat, als »amerikanischer Held« starb. Erzähler des Films sind Menschen, die ihn gekannt haben: seine Freunde von der Straße, Sozialarbeiter im Waisenhaus, seine Schwester, die amerikanische Pflegefamilie, schließlich die Kameraden bei den US-Marines im Camp Pendleton. Erzähler im Film sind aber auch jene Menschen, die sich täglich dem endlosen Strom der Emigranten anschließen, mit nichts anderem im Gepäck, als ihrer Arbeitskraft und der Bereitschaft, für eine kleine Chance auf Zukunft, ihrer Heimat und Familie den Rücken zu kehren.

| Mi 24.10., 19:30 | So 28.10., 21:30 |