WERKSCHAU JEAN RENOIR

RENOIR – 35 JAHRE KINO, 1924–1959

Oktober – Dezember 2007: In Kooperation mit dem Centre Culturel Français Freiburg und dem Deutsch-Französischen Gymnasium Freiburg zeigen wir eine Werkschau mit Filmen von Jean Renoir, zusammengestellt vom Bureau du Cinéma der Französischen Botschaft Berlin.

Über Renoirs Werk bemerkte ein ebenso berühmter Regisseur-Kollege: »Die Kunst des Lebens als Kunst des Blicks zeigt sich im gesamten Werk Renoirs; sein Werk vermischt alle Karten und lehrt uns, nichts mehr zu beurteilen, zu verstehen, dass man nichts verstehen kann.« François Truffaut, Arts, 8. Oktober 1958

Oktober: LA GRANDE ILLUSION
November: LA RÈGLE DU JEU | LES BAS-FONDS
Dezember: PARTIE DE CAMPAGNE | LA BÊTE HUMAINE | DER STROM

 


 

La Grande Illuision

LA GRANDE ILLUSION

DIE GROSSE ILLUSION

Regie: Jean Renoir | Buch: Jean Renoir, Charles Spaak | Kamera: Christian Matras | Schnitt: Marguerite Houllé-Renoir | Musik: Joseph Kosma | mit Jean Gabin, Erich von Stroheim, Pierre Fresnay, Marcel Dalio u.a.
| Frankreich 1937 | OmeU | 115 Min. |

LA GRANDE ILLUSION, eines der unbestrittenen Meisterwerke der Filmgeschichte, ist ein starker antimilitaristischer Ausdruck, dessen Popularität und Relevanz bis heute noch andauert.

Das Thema des Antimilitarismus drückt sich deutlich, aber subtil in dem Film aus, indem die Notwendigkeit des Krieges in Frage gestellt, nicht aber der Krieg an sich abgewertet wird, was vermutlich die Wirkung des Filmes erklärt. Die Geschichte dreht sich um die Feststellung, dass soziale Unterschiede noch tiefere und unüberwindbare Hindernisse schaffen als Abtrennungen wie Nationalitäten, Ethnien oder Sprachen.

Renoir, der im ersten Weltkrieg Soldat war, kam verletzt zurück. Kriegsverletzt blieb bis zu seinem Tod ein unerschütterlicher Pazifist. Mit großen persönlichen Einsatz brachte sich Renoir in die Dreharbeiten von LA GRANDE ILLUSION ein. Das Resultat ist sein präzisestes und eloquentestes Werk.

| Di 23.10., 19:30 ciné club mit Einführung: Flavien Le Bouter und Mathias Schillmöller |

 


 

LA RÈGLE DU JEU

DIE SPIELREGEL

| Regie: Jean Renoir | Buch: Jean Renoir, Carl Koch, André Zwoboda | Kamera: Jean Bachelet | Schnitt: Marguerite Houllé-Renoir | mit Marcel Dalio, Nora Gregor, Paulette Dubost, Mila Parely u.a. |
| Frankreich 1939 | OmeU | 110 Min. |

Der Pilot André Jurieux hat den Rekord der Atlantiküberquerung gebrochen: um Christine zu erobern, die Frau des Marquis de Chesnay. Da diese ihn nicht bei seiner Landung willkommen heißt, lässt sich Jurieux durch seinen Freund Octave auf den Landsitz der Chesnay zu einem Jagdwochenende einladen. Während des Wochenendes werden soziale Spielregeln zugunsten von Liebe und Ehre aufgehoben. Renoir zeigt den Mikrokosmos des Großbürgertums, das im Sommer 1939 »auf einem Vulkan tanzt«. Doch er karikiert nicht, sondern schafft eine Mischung aus Farce, Drama, Liebesgeschichte, Tragödie und Komödie. Ein wunderbarer Film, von dem Truffaut sagte, dass man ihn jeden Abend sehen wolle, um zu schauen, ob immer dasselbe passiere. Wenn die Welt ein Spiel ist, dann schafft Renoir es, die Macht der Faszination zu zeigen und knüpft damit an eine literarische Tradition an, die von Marivaux bis Musset reicht.

| Do 01.11., 19:30 |

 


 

LES BAS-FONDS

NACHTASYL

| Regie: Jean Renoir | Buch: J. Renoir, C. Spaak, E. Zamiatine, J. Companeez, nach dem Theaterstück von Maxim Gorki | Kamera: Jean Bachelet, Fedate Bourgassoff | Schnitt: Marguerite Houllé-Renoir | mit Jean Gabin, Louis Jouvet, Suzy Prim, Junie Astor u.a. |
| Frankreich 1936 | DF | 95 Min. |

Ein Baron, der beim Kartenspiel seinen Reichtum verloren hat, freundet sich mit einem jungen Einbrecher an, den er bei sich erwischt. Ohne Erbe, trifft der verarmte Baron bald seinen neuen Freund Pepel in einer Unterkunft voller zwielichtiger Bewohner wieder: Prostituierte, Gauner, Betrunkene und Räuber.

Der Film entstand, als die Front Populaire an die Macht kam, und unterstreicht die Ideale der Zeit, die glühende und optimistische Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse. Im Mittelpunkt stehen Gabin und Jouvet, die Menschlichkeit und Überzeugung ausstrahlen. Trotz eines optimistischen Endes schwingt im Humor des Films eine schwere Ironie mit und die Schauspieler spielen mit einer Ernsthaftigkeit, als hätte Renoir das Leben der Armen und Obdachlosen noch schwärzer zeichnen wollen.

| So 25.11., 19:30 |

 


 

PARTIE DE CAMPAGNE

EINE LANDPARTIE

| Regie und Buch: Jean Renoir, nach einer Novelle von Guy de Maupassant | Kamera: Claude Renoir | Schnitt: Marguerite Houllé-Renoir | mit Sylvia Bataille, Georges Darnoux, André Gabriello, Jane Marken |
| Frankreich 1936–46 | OmeU | 50 Min. |

Monsieur Dufour, seine Frau Juliette und ihre Tochter Henriette, eine bourgeoise Vorzeigefamilie, fahren aufs Land. Am Ufer der Marne gehen Monsieur Dufour und sein Angestellter Anatole fischen, während sich die Frauen von zwei schönen Ruderern, Rodolphe und Henri, umschmeicheln lassen. Doch die Idylle hält nicht an...

Diese Adaptation einer Novelle von Maupassant ist eines der großen Meisterwerke Renoirs: Ursprünglich war der Film als Langfilm geplant, doch die Entstehung des Films wurde von verschiedenen Interessen beeinflusst. Der Krieg brach aus und Renoir ging nach Amerika, er gab das Filmprojekt auf. Erst zehn Jahre später, nach dem Kriegsende, kamen der Produzent, die Cutterin und der Komponist zusammen und schufen aus dem Filmmaterial eines der beliebtesten Werke Renoirs.

| Sa 08.12., 19:30 | So 09.12., 18:00 |

 


 

LA BÊTE HUMAINE

BESTIE MENSCH

| Regie und Buch: Jean Renoir, nach dem Roman von Emile Zola | Kamera: Curt Courant | Schnitt: Marguerite Houllé-Renoir, Suzanne de Troye | mit Jean Gabin, Simone Simon, Fernand Ledoux, Julien Carette, Blanchette Brunoy |
| Frankreich 1938 | OmeU | 105 Min. |

Der Mechaniker Jacques Lantier fährt die Strecke Le Havre–Paris mit seiner Lokomotive »la Lison«. Er verliebt sich in Séverine, die junge und schöne Frau von Roubaud, dem Vizechef des Bahnhofs Le Havre. Roubaud toleriert die sich entwickelnde Liebesbeziehung, obwohl er sehr eifersüchtig ist, doch er glaubt, dass Lantier weiß, dass er den Schlossherrn Grand-Morin umgebracht hat. Reiste Lantier nicht imselben Wagen in der Nacht, als er den Ex-Liebhaber seiner Frau umbrachte und diese zwang, seine Komplizin zu werden?

1938 ist Frankreich enttäuscht und desillusioniert, die Front Populaire ist nicht mehr an der Macht, die privilegierten Klassen haben wieder das Sagen. Renoir drückt diesen Pessimismus aus: Seine Figuren sind Opfer des gesellschaftlichen Systems und auch ihrer eigenen Verhaltensweisen.

| Do 13.12., 19:30, ciné club mit Einführung: Flavien Le Bouter und Mathias Schillmöller | Sa 15.12., 21:30 |

 


 

DER STROM

THE RIVER

| Regie: Jean Renoir | mit Patricia Walters, Rhada |
| USA, Frankreich, Indien 1951 | OF u. DF | 100 Min. |

Ein kriegsversehrter junger Amerikaner will bei seinem Cousin in Bengalen, am Ufer des Ganges, sein seelisches Gleichgewicht wieder finden. Drei junge Frauen konkurrieren um seine Gunst. Renoirs letzte amerikanische Koproduktion ist ein Meisterwerk des Technicolorfilms.

| Fr 21.12., 19:30, engl. OF | So 23.12., 17:30, DF | Di 25.12., 19:30, DF |