»UNSER TÄGLICH BROT«

» »Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Problem 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.« (Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung)Ernährung und Globalisierung, Warenströme und Geldflüsse, Gentechnologie, politische und ökonomische Begehrlichkeiten sind die Eckpunkte einer Filmreihe im September und Oktober. Am Anfang und am Ende steht SEPTEMBERWEIZEN: 27 Jahre nach der Premiere wird zur längst überfälligen Wiederaufführung Peter Krieg am Dienstag, 18. September bei uns zu Gast sein und einen ganzen Abend zum Thema gestalten. Alle Filme der Reihe stehen samt umfangreichen Materialien auch für Schulvorstellungen tagsüber zur Verfügung.

Terminvereinbarungen bitte unter 0761-709033

SEPTEMBERWEIZEN | WE FEED THE WORLD | GOOD FILM FOOD | UNSER TÄGLICH BROT

 


 

Septemberweizen

SEPTEMBERWEIZEN

Regie, Buch und Kamera: Peter Krieg Mitarbeit und Ton: Heidi Knott Musik: Rolf Riehm |
| D 1980 | 96 Min. |

»Man kann Filme auf vielerlei Art »lesen« - und jeder Zuschauer tut dies natürlich auf seine ganz eigene Weise. Septemberweizen ist nicht zuletzt auch deshalb seit nunmehr 27 Jahren so aktuell, weil er immer neu interpretierbar ist, besonders von Zuschauern, die zu seiner Entstehungszeit noch gar nicht geboren waren... Auch meine eigene Interpretation hat sich - wie ich selbst - mit der Zeit verändert: Mehr denn je ist der biblische Josef die eigentliche Hauptfigur des Films. Aber nicht als Mann der Wirtschaft - etwa des Getreidehandels oder eines frühen Vor-Kapitalismus - sondern vielmehr als Vertreter und Symbol des Staates: Als »Kanzler« des Pharao entwickelt er den Prototyp des »vorsorgenden Sozialstaats«. Im Sinne der Keynes'schen Wirtschaftspolitik lagert er Getreide in Jahren der Fülle ein, um es dann in knappen Jahren der Bevölkerung zugänglich zu machen.

Aber die Bibel erzählt diese Geschichte keineswegs als sozialpolitische Grosstat, sondern als Drama von Unterwerfung und Enteignung, von Abhängigkeit und Macht. Dieser höchst aktuelle Aspekt wird meist ignoriert und Josef stattdessen als Held des Sozialstaats kolportiert. Der Zusammenhang zwischen Sozialstaat und totalitärem Staat ist in der sozialen Demokratie von heute so gut wie tabu. Moralische und politische Denkverbote verhindern, dass wir den schleichenden Prozess der Aushöhlung individueller Freiheiten in direkten Bezug setzen zur Ausweitung von sozialen Anspruchsrechten und entsprechenden Interventionen des Staates.

Aber sowenig wie George W. Bush die Demokratie im Irak herbeibomben kann, sowenig lassen sich soziale Gerechtigkeit, dauerhafte Abschaffung von Armut oder nachhaltige Bewirtschaftung von Ressourcen auf der Basis von staatlichem Zwang realisieren. Noch immer beten wir nach, was uns Medien, Politiker und Schulen vorkauen: dass nur die Staatsgewalt die Gesellschaft zusammenhält, dass nur durch Zwang Gerechtigkeit erzielt und Armut bekämpft werden kann. Aber wer den Staat bei der Arbeit gesehen hat, sei es in den Sozialprogrammen hier oder der Entwicklungshilfe in der »Dritten Welt«, der kann sehen, dass wo immer Armut und Unterentwicklung subventioniert werden, im Ergebnis nur mehr Armut und mehr Unterentwicklung entstehen...« (Peter Krieg, Sommer 2007)

Di 18.09., 19:30, in Anwesenheit von Peter Krieg, So 23.09., 17:30, Fr 28.09., 19:30 | Di 30.10., 19:30

Schulvorstellungen mit Peter Krieg am Mi 19.09.möglich (siehe oben). In Zusammenarbeit mit dem informationszentrum 3. welt/iz3w.

 


 

WE FEED THE WORLD

We feed the World!

Regie, Buch und Kamera: Erwin Wagenknecht
| Ö 2006 | 96 Min. |

Gewächshäuser so weit das Auge reicht. Hühner in rauen Mengen. Sojafelder, wo gestern noch Regenwald stand. Erwin Wagenhofer hat sich auf die Spur von Lebensmitteln gemacht. Was er zeigt, kann einem durchaus auf den Magen schlagen, zumindest aber zum Nachdenken bringen. Darüber z. B., was gut gefüllte Kühlschränke in Überflussgesellschaften mit Armut und Hunger in anderen Ländern zu tun haben. Roter Faden ist ein Interview mit Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ein Film über Ernährung und Globalisierung,

Sa 29.09., 19:30, So 30.09., 17:30, Di 02.10., 21:30, So 07.10.,19:30 |

 


 

GOOD FILM FOOD

| Kurzfilmprogramm | D 2003 | 80 Min. |

15 Kurzfilme zum ökologischen Landbau. Studentinnen und Studenten von deutschen Filmschulen waren 2002 im Rahmen eines Filmwettbewerbs aufgerufen, sich mit dem Thema aus neuen, ungewohnten Blickwinkeln auseinander zu setzen. Auf dieser »Fressrolle« sind unter anderem eine geheimnis-volle Supermarkt-Lovestory, ein schwarzhumoriger Beitrag über neue Ernährungstrends und ein verrücktes Hühner-Wettrennen zu sehen. Eine in Teilen höchst ernste, in Teilen höchst unterhaltsame Kinocollage.

| Fr 05.10., 19:30 | Sa 06.10., 21:30 | So 07.10., 17:30 |

 


 

UNSER TÄGLICH BROT

Regie und Kamera: Nikolaus Geyrhalter
| Österreich 2005 | 96 Min. |

Ein Blick in die Welt der industriellen Nahrungsmittel-Produktion und der High-Tech-Landwirtschaft: Zum Rhythmus von Fließbändern und riesigen Maschinen gibt der Film kommentarlos Einsicht in die Orte, an denen Nahrungsmittel in Europa produziert werden: Monumentale Räume, surreale Landschaften und bizarre Klänge - eine kühle industrielle Umgebung, die wenig Raum für Individualität lässt. Menschen, Tiere, Pflanzen und Maschinen erfüllen die Funktion, die ihnen die Logistik dieses Systems zuschreibt, auf dem der Lebensstandard unserer Gesellschaft aufbaut.

| Sa 13.10., 19:30 | Di 16.10., 21:30 | So 21.10., 21:30