MITTWOCHSKINO: CINEAFRICA NOIR

» Im Juni starb mit Ousmane Sembène der erste, auch international, anerkannte Filmemacher Afrikas. Sembène gilt als der wichtigste Vertreter des »independent African cinema«. Ausgebildet als Mechaniker und erst später zum Literaten und Filmemacher avanciert, ist er den einfachen Menschen immer nah gewesen. Viele seiner Filmgeschichten handeln von dörflichen Konflikten und zeichnen nicht selten ein sehr kritisches und teils auch satirisches Bild, so auch sein Meisterwerk GUELWAAR, in dem Sembène religiös-politische Konflikte im Senegal in scharfsichtig-pointierter Form darstellt. Dieses Spätwerk ist im Mittwochskino ebenso noch einmal zu sehen, wie sein letzter Film MOOLADÉ, der einer seiner erfolgreichsten war und sich gegen die überkommene »Tradition« der Beschneidung von Frauen wendet.

Neben diesem westafrikanischen Filmemacher werden im cineafrica-Schwerpunkt dieses Monats auch Filme aus dem zentralafrikanischen und dem ostafrikanischen Raum gezeigt. In beiden Filmen werden die Rollen der Frauen in schwarzafrikanischen Gesellschaften thematisiert: Die Dokumentation SISTERS IN LAW zeigt einen Ausweg aus den gewalttätigen Strukturen, bei dem zwei mutige Richterinnen in öffentlichen Gerichtsverhandlungen der Willkür von Männern gegenüber Frauen und Eltern, die ihre Kinder misshandeln, unmissverständliche Grenzen setzt; im tansanischen Spielfilm FIMBO YA BABA wird im Kontext traditioneller Unterdrückungsmechanismen (mit Frauen als Hauptleidtragenden) eines der zentralen Problemen schwarzafrikanischer Gesellschaften, Aids, thematisiert wird – Die Filme ergeben einen aktuellen Querschnitt über das afrikanische Filmschaffen und die dort abgehandelten Themen.

 


 

MOOLAADÉ | FIMBO YA BABA | GUELWAAR | SISTERS IN LAW

 


 

Moolaadé

MOOLAADÉ

BANN DER HOFFNUNG

Regie und Buch: Ousmane Sembène, Kamera: Dominique Gentil mit Fatoumata Coulibaly, Maïmouna Hélène Diarra, Salimata Traoré
| Senegal 2004 | OmU | 124 Min. |

In einem westafrikanischen Dorf flüchten vier junge afrikanische Mädchen vor dem traditionellen Beschneidungsritual »Salindé« zu Collé, die über ihr Haus einen Bann, den »Moolaadé« ausspricht. Nach diesem mündlich überlieferten, traditionellen Asylrecht stehen die Mädchen von nun an unter ihrem Schutz... MOOLAADÉ ist eine machtvolle Parabel gegen die Beschneidung und eine glühende Hommage auf den Mut und die Tatkraft afrikanischer Frauen und weit mehr: Mit seinen theatralischen Elementen, Monologen, Musikeinlagen und den exemplarischen Charakteren entwirft der Film wunderbar leichtfüßig ein ganzes (Dorf)-Universum, das zwar in archaischen Traditionen wurzelt, im Alltag aber immer mehr mit den Brüchen der Moderne zu kämpfen hat.

Mi 05.09., 19:30, Sa 08.09., 21:30, So 09.09., 17:30

 


 

FIMBO YA BABA

A PANGANI STORY

Regie: Chande Omar, Buch: Vera Pieroth, C. Omar, Kamera: Hussein Seif Dadi, Musik: Zanzibar Sanaa Group, Msanja Group Pangani
| Tansania 2006 | OmeU | 84 Min. |

Amina, ein junges Suaheli-Mädchen wird durch ihren Vater gezwungen, einen wohlhabenden, aber HIV-infizierten alten Mann zu heiraten. Für Amina bedeutet dies, abrupt ihre Schulbildung und ihre ehrgeizigen Zukunftspläne aufzugeben. Im Laufe der Jahre findet sich die junge Frau nicht nur in der Rolle als sorgende Mutter, sondern auch als Pflegerin des sterbenskranken Mannes wieder. Besonders dramatisch wird ihre Lage, als die Familie des Mannes sie anklagt, für das Schicksal ihres Gatten verantwortlich zu sein. Nach dessen Tod wird sie von diesen Verwandten als mittellose Witwe vor die Tür gesetzt und muss alles, ihre eigenen Habseligkeiten ebenso wie die Kinder zurücklassen. Als sie in ihrer Ver-zweiflung noch entdeckt, dass auch sie mit HIV infiziert ist, begegnet sie ihrem Vater – und etwas Unerwartetes passiert...

Die Geschichte des Films basiert auf einem Theaterstück, das 2004 auf dem World Aids Tag Festival in Tansania aufgeführt wurde.

Mi 12.09., 19:30, So 16.09., 17:30

 


 

GUELWAAR

Regie und Buch: Ousmane Sembène, Kamera: Dominique Gentil, Musik: Baba Mail mit Omar Seck, Ndiawar Diop, Mame Ndoumbé Diop, Isseu Niang
| Senegal 1992 | OmU | 105 Min. |

Guelwaar ist tot. Er war ein respektierter und angesehener Mann. Die Trauergemeinde kommt zusammen, doch sein Leichnam ist verschwunden. Infolge einer Verwechslung wurde er bereits nach muslimischem Ritus bestattet; er war aber Katholik. Die Polizei wird gerufen, Politiker schalten sich in die Verhandlungen um die Exhumierung der Leiche ein, aber die muslimische Familie, die Guelwaar als ihren vermeintlichen Familienangehörigen bestattet hat, will von einer Verwechslung nichts wissen. So beschließt die Trauergemeinde, »ihren« Leichnam zurückzuholen.

Mi 19.09., 19:30, Di 25.09., 21:30

 


 

Sisters in Law

SISTERS IN LAW

Regie: Kim Longinotto, Florence Ayisi
| GB/Kamerun 1971 | OmeU | 106 Min. |

SISTERS IN LAW, gedreht in der kamerunischen Stadt Kumba, zeigt eine Gesellschaft im Wandel. Der Film erzählt Geschichten aus öffentlichen Verhandlungen und Dramen, die sich rund um den Gerichtssaal abspielen: Da ist die sechs Jahre alte Grace, die von ihrer launischen Tante geschlagen wurde; die junge Sonita wurde von ihrem Nachbarn vergewaltigt, ist aber mutig genug sich zu wehren; und da ist die schüchterne Amina, die versucht, sich von ihrem Mann, der sie missbraucht, scheiden zu lassen. Anstatt sich in eine pure Opferrolle drängen zu lassen, werden die Frauen durch die solidarische Atmosphäre, die die Richterinnen Vera Ngassa und Beatrice Ntaba ausstrahlen, immer wieder in ihrem Mut bestärkt. Die Filmemacherin Kim Longinotto beobachtet die Geschehnisse mit anteilnehmender Kamera – diskret, kulturell wachsam, sensibel und mit einem unglaublichen Talent, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Co-Regisseurin Florence Ayisi, die in Kumba aufwuchs, will, dass der Zuschauer weiterdenkt, über das stereotype Bild Afrikas hinaus.

»Der Film zeigt den Mut von Frauen, ihre Stärke und ihre Entschiedenheit und wie sie – mit Hilfe der Richterinnen – aus ihrem gewalttätigen Umfeld ausbrechen.« Dieser einfühlsame Film zeigt uns einen Ort der Menschlichkeit, der auf wirkliche Veränderung hoffen lässt.

Mi 26.09., 19:30, Fr 28.09., 21:30, Mi 03.10., 21:30