Der Fall Aldo Moro

FILM DES MONATS

BUONGIORNO, NOTTE

DER FALL ALDO MORO

Regie: Marco Bellocchio Buch: Marco Bellocchio, Daniela Ceselli Kamera: Pasquale Mari mit Maya Sansa, Luigi Lo Cascio, Roberto Herlitzka, Giovanni Calcagano
| I 2003 | OmU | 106 Min. |

In Deutschland gab es die RAF, in Italien die Roten Brigaden.

Marco Bellocchio erzählt in BUONGIORNO, NOTTE konsequent aus der Perspektive der Täter, vier junger Männer und einer Frau, der Bibliotheksangestellten Chiara. Chiara stellt ihre Wohnung zur Verfügung, in der man den entführten Aldo Moro gefangen hält. Sie kocht und stellt den Kontakt zur Außenwelt her. Ihre Sorge um das leibliche Wohl des Entführten steht in einem seltsamen Kontrast zur erklärten Absicht und zum Vorgehen der Roten Brigaden. Als klar wird, dass die Re-gierung nicht auf die Forderungen Entführer eingehen wird, stellt Chiara die Geiselnahme und die damit verbundene Gewalt zunehmend in Frage. Und im aus Büchergestellen gefertigten Verließ schreibt Moro letzte Briefe an die Familie.

Spannend und eindringlich schildert der Film, wie den Geiselnehmern unmerklich die Kontrolle über die Situation immer mehr entgleitet, was im zunehmenden Zwang zu handeln mündet. Dargestellt wird das eigentliche Scheitern einer revolutionären Utopie. Die aktuellen politischen Geschehnisse und die heutigen Debatten um den Terrorismus verleihen BUONGIORNO, NOTTE eine Brisanz, die unter die Haut geht. Ein Film, der Widersprüche formuliert und Fragen stellt.

Do 20.09., 19:30, Fr 21.09., 21:45, Sa 22.09., 19:30, So 23.09., 19:30, mit Einführung, Di 25.09., 19:30, Mi 26.09., 21:30