Mass Merchandising

»NICHT-ORTE« – SUPERMARKT, MALL, EINKAUFSZENTRUM

» Nicht-Orte – so der französische Anthropologe Marc Augé – das sind »die für den beschleunigten Verkehr von Personen und Gütern erforderlichen Einrichtungen (Schnellstraßen, Autobahnkreuze, Flughäfen) ebenso wie die Verkehrsmittel selbst oder die großen Einkaufszentren oder die Durchgangslager, in denen man die Flüchtlinge kaserniert«.

Diese Nicht-Orte vermehren sich im Zuge der Modernisierung, der Industralisierung, der Globalisierung rasant, sie durchdringen die herkömmlichen Räume, haben in gewisserweise keine Geschichte, sind auswechselbar. Man ist nicht heimisch in den Nicht-Orten, man passiert sie nur für einen bestimmten Zeitraum. Der Supermarkt ist einer dieser Nicht-Orte, in vielen Filmen spielt er nur eine kleine Rolle, in den zwei Filmen dieser Reihe spielt er eine Hauptrolle.

CESKY SEN – DER TSCHECHISCHE TRAUM | SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN | VORTRAG: SUPERMARKTKINO – LOVE AND CRIME IN DER WARENWELT

 


 

Cesky sen

CESKY SEN – DER TSCHECHISCHE TRAUM

| Regie, Buch, Kamera: Vít Klusák und Filip Remunda | Musik: Hynek Schneider |
| Tschechien 2004 | OmU | 87 Min. |

Der größte Konsumschwindel, den die Tschechische Republik je gesehen hat: Filip Remunda und Vit Klusak, zwei junge tschechische Filmemacher kreieren eine riesige Werbekam-pagne für etwas, das nicht existiert!

Für zwei Wochen sind die Straßen von Prag gepflastert mit Werbung für den geplanten Supermarkt. Über 4.000 Menschen werden angelockt und erreichen am Eröffnungstag eine Wiese, wo sie anstelle des Supermarkts nur eine 10 x 100 m große Fassade vorfinden.

CESKY SEN ist ein witziger und provokativer Blick auf die Auswirkungen des steigenden Konsumverhaltens einer post-kommunistischen Gesellschaft. Das Experiment führte zu zahlreichen Kontroversen, provozierte teilweise extreme Reaktionen in der Bevölkerung und den Medien und wurde sogar im Parlament diskutiert.

| Do 01.03., 19:30 | So 04.03., 17:30 | Mi 07.03., 21:30 |

 


 

SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN

| Harum Farocki |
| Deutschland 2001 | 72 Min. |

Farocki beobachtet die Schöpfer der Einkaufswelten bei der Arbeit: Einkaufszentren-Architekten, Planer, Shopdesigner und Verkaufspsychologen. In diesem Film, an diesen Orten, laufen alle Fäden zusammen: Arbeit, Konsum, Kapitalismus. Vor unseren Augen ensteht das gespenstische Szenario einer fremd bestimmten Welt, in der der vorgeblich freiwillige Akt des Kaufens längst Teil eines ausgeklügelten Manipulationssystems geworden ist.

| So 25.03., 19:30 | Mi 28.03., 21:30 |

 


 

VORTRAG: SUPERMARKTKINO – LOVE AND CRIME IN DER WARENWELT

Interessanterweise hat das Kino die Nicht-Orte immer geliebt und zu einem bevorzugten Spielplatz seiner Geschichten erkoren. Das ist der Ökonomie des Erzählens (jeder kennt die modernen Nicht-Orte, sie müssen nicht erklärt werden), der Ökonomie der Filmvermarktung (der Film als internationale Ware wählt internationale Orte), und vielleicht gar einer bestimmten Affinität von Nicht-Ort und Filmbild geschuldet ist. Doch der Supermarkt leistet mehr als die Wiedererkennbarkeit und Anknüpfung an vermeintliche Erfahrungen des Filmkonsumenten, er eignet sich besonders gut als Kulisse für bestimmte Handlungselemente des Spielfilms. Handlungselemente, die dazu anregen können, über den Supermarkt als Alltagsort neu nachzudenken.

| Mi 07.03., 20:00, Vortrag von Timothy Simms | Galerie |

 


 

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